60 Jahre keinen Kontakt

Ehemaliger US-Soldat sucht Brieffreund: Nun gibt es ein Happy End

Vor rund 60 Jahren hat Harald Bauer als Kind Briefe an einen US-Soldaten geschrieben. Dieser bat unsere Zeitung um Hilfe bei der Suche nach Bauer - mit Erfolg.
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Vor rund 60 Jahren hat Harald Bauer aus Hanau als Kind Briefe an einen US-Soldaten geschrieben. Dieser bat um Hilfe bei der Suche nach Bauer - mit Erfolg.

Ein ehemaliger US-Soldat sucht nach einem Jungen aus Hanau, der ihm vor rund 60 Jahren Briefe geschrieben hat – nun hat er ihn gefunden.

Hanau/New York City – „Hier spricht Harald Bauer“, sagt die Stimme am anderen Ende des Telefons: „Ich bin der, den sie suchen.“ Eine Stunde zuvor hatte der 70-Jährige die Tageszeitung aus dem Briefkasten geholt – und staunte bei der Lektüre nicht schlecht, denn es gab einen Suchaufruf, der ihm galt.

Dr. Robert Rovinsky, ehemaliger US-Soldat und nach vielen Jahren in Schweden heute wieder in Manhattan zu Hause, hatte sich einige Tage zuvor mit einer besonderen Bitte an uns gewandt. In den 1960ern sei er drei Jahre in Deutschland stationiert gewesen.

Hanau: Ehemaliger US-Soldat aus New-York sucht Jungen

Bei einem mehrtägigen Manöver habe er sich immer wieder mit einem kleinen Zaungast unterhalten: Harald Bauer, damals vielleicht acht oder neun Jahre alt. Die Begegnungen und der kurze Briefwechsel blieben dem heute 80-jähriger Rovinsky in Erinnerung – wie überhaupt seine Zeit als GI im Hanauer Raum, die „eine der schönsten in meinem Leben war“. Vergangene Woche fielen ihm plötzlich zwei der Briefe in die Hände. Daraufhin meldete er sich in der Redaktion.

Bei Harald Bauer stand das Telefon nach der Veröffentlichung am Mittwoch nicht mehr still. Nachbarn, ehemalige Klassenkameraden, darunter auch Schulfreundin Inge, frühere Arbeitskollegen und Studienfreunde meldeten sich bei ihm – und auch bei uns in der Redaktion. „Mit manchem“, erzählt der 70-Jährige, „hatte ich schon viele Jahre keinen Kontakt mehr.“

Haben nicht schlecht gestaunt bei der Zeitungslektüre am Mittwoch: Harald Bauer und seine Lebensgefährtin Anita Kübler. Ex-US-Soldat Dr. Rovinsky ist glücklich, dass die Suche positiv ausgegangen ist.

Brieffreund aus Hanau: Ex-US-Soldat in der Zeitung erkannt

Bauer kann sich nur noch wage an den amerikanischen Soldaten erinnern. Das Gesicht aus der Zeitung sei ihm bekannt vorgekommen. Rovinsky habe ihm zum Abschied ein Abzeichen geschenkt – nigelnagelneu und mit rotem Hintergrund. Bei einem seiner vielen Umzüge sei es, wie auch die Briefe an Bob, so nannte er den Soldaten darin, weggekommen.

An die Amerikaner in Hanau hat Harald Bauer nur positive Erinnerungen. Bauers Mutter hat als Putzfrau bei einer Offiziersfamilie in der Pioneer-Kaserne gearbeitet. „Damals war das Gelände offen und ich häufig dort, um mit den anderen Kindern zu spielen.“

Amerikaner in Hanau: Nur positive Erinnerungen

Richtung Limesbrücke hätten die Pioniere seinerzeit Manöver durchgeführt und unter anderem auch Behelfsbrücken gebaut. Bauer lebte einen Steinwurf entfernt, war mit seinen Freunden oft dort. „Die Amerikaner hatten immer Schokolade für uns dabei“, erzählt der 70-Jährige und schmunzelt.

Harald Bauer liest im Hanauer Anzeiger den Artikel in dem er von einem früheren Brieffreund gesucht wird.

Nach der Schule hat er in Frankfurt Betriebswirtschaft studiert, erst dort und dann viele Jahre in Rheinhessen gelebt. Nach der Trennung von seiner Frau ist Bauer in seine alte Heimat Großauheim zurückgekehrt. 20 Jahre ist das jetzt her. Seine beiden Töchter sind längst erwachsen, die Tochter seiner Lebensgefährtin Anita Kübler auch. Vor einer Woche ist das erste Enkelkind der beiden zu Welt gekommen. Der urige Garten hinter dem Haus in der Rauschsiedlung ist der ganze Stolz des frisch gebackenen Großvaters, der reist und wandert.

Ehemaliger US-Soldat: Einladung nach Hanau – „Kennen uns schon 60 Jahre“

Dass die Suche erfolgreich war, sei ein kleines Wunder, findet Dr. Robert Rovinksy. Nach Übermittlung der Kontaktdaten hat er direkt am späten Mittwochabend eine E-Mail an Harald Bauer geschrieben, ihm das „Du“ angeboten, „Immerhin kennen wir uns jetzt schon 60 Jahre“.

Dr. Robert Rovinsky als Soldat in Deutschland in den 1960er-Jahren.
Der ehemalige US-Soldat in seiner Wohnung in New York.

Die Antwort wollte der Großauheimer gestern noch auf den Weg bringen. „Ich werde ihn auch einladen nach Großauheim“, erzählt er und schaut auf die Zeitungsseite, die auf dem Tisch liegt. „Dann könnten wir Aschaffenburg besuchen und uns Hanau anschauen.“ Fortsetzung folgt. Vielleicht. Bestimmt. Die Geschichte der Brieffreunde ist nun auch bei der Sendung Maintower des Hessischen Rundfunks thematisiert worden. Der Beitrag lief am Montag (21.06.2021) im TV und kann in der Mediathek abgerufen werden. (Yvonne Backhaus-Arnold)

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