Prozess

Nach bestialischem Mord an seinem Adoptivvater: Hanauer wird verurteilt

Andreas M. bekommt Handschellen angelegt.
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In Handschellen abgeführt: Andreas M. ist für den bestialischen Mord an seinem Adoptivvater vom Hanauer Schwurgericht zur Höchststrafe verurteilt worden.

Weil er seinen Adoptivvater Anfang des Jahres auf brutale Art und Weise umgebracht hat, wurde der Angeklagte Andreas M. aus Hanau nun verurteilt.

  • Urteil nach dem Mord an seinem Adoptivvater
  • Angeklagter Andreas M. wurde verurteilt
  • Der Hanauer erhält eine harte Strafe

Hanau – Seit dem Prozessauftakt hat Andreas M. viel geredet. Der Angeklagte gestand die bestialische Tötung seines Adoptivvaters im Plauderton. Am Dienstag sagt er nichts. Der 36-Jährige nimmt das Urteil des Hanauer Schwurgerichts ohne jegliche Gefühlsregung hin.

Seine Augen wandern ab und zu von der Richterbank in den Saal, dann starrt er nur noch vor sich hin. Völlig kalt lässt ihn offenbar, wie die fünf Richter über ihn und sein Verbrechen urteilen.

Es ist die Höchststrafe: „Der Angeklagte wird wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Die Schuld des Angeklagten wiegt besonders schwer“, verkündet Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel. Das bedeutet, dass M. nach 15 Jahren im Gefängnis keine generelle Chance hat, dass die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Hanau: Mord an Adoptivvater wird genau rekonstruiert

Bis ins kleinste grauenhafte Detail rekonstruiert die Vorsitzende das Verbrechen, wie es sich am Abend des 13. Januar am Großauheimer Harzweg zugetragen hat. M., der seit März 2019 obdachlos war, sei von Hubert M. immer wieder in dessen Zwei-Zimmer-Wohnung aufgenommen und finanziell unterstützt worden. Trotzdem habe der 36-Jährige, der wegen anderer Körperverletzungsdelikte bereits vorbestraft ist und diesen „Knick in seinem Leben“ nicht überwunden habe, Hass auf den Vater entwickelt, weil dieser ihm Vorhaltungen gemacht hat.

An diesem Abend habe sich Andreas M. in seine „Wut hineingesteigert, Hass entwickelt und beschlossen, den Vater zu töten“, so Wetzel. „Sie haben den Vater für ihr eigenes Versagen verantwortlich gemacht und Ihre Wut auf sich selbst an ihm abreagiert“, stellt die Vorsitzende fest. M. hatte ausgesagt, dass er den Senior vorsätzlich getötet habe und das mit den Worten begründet: „Es war Zeit, er musste sterben – er hat den Tod verdient.“

Das Schwurgericht sieht darin das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe. Das weitere Mordmerkmal der Heimtücke ergibt sich aus dem Tatablauf. „Der Angeklagte hat die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt“, sagt die Landgerichtspräsidentin.

Mord in Hanau: Angeklagter sei bereits davon ausgegangen, dass sein Adoptivvater tot ist

Nach dem ersten Angriff mit Schlägen und Würgen sei M. davon ausgegangen, dass der 71-Jährige tot ist. „Er war aber wieder bei Bewusstsein und kämpfte um sein Leben“, sagt Wetzel. Dann ging der Angeklagte in die Küche, holte zwei Messer und stach „mindestens 14-mal zu“, setzte „tödliche Stiche mit hoher Gewalt“ und schnitt seinem Opfer zudem in die Kehle. „Das lässt wenig Zweifel daran, dass dies ein Mord gewesen ist“, stellt die Vorsitzende fest: „Das ist ein unbedingter Vernichtungswille.“

Bemerkenswert sei in diesem Prozess das schonungslose Geständnis des Angeklagten gewesen, für das der 36-Jährige jedoch keine Milderungsgründe zu erwarten habe.

Ebenso führe seine dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie die jahrelange Abhängigkeit von Amphetaminen nach Ansicht der Kammer zu keinerlei Abmilderung des Strafmaßes. „Er ist voll schuldfähig“, stellt Wetzel fest, „die Drogen hatten keinen Einfluss auf die Tat.“

Zwei Merkmale für die Klassifizierung als Mord lägen bei der Tötung des Adoptivvaters in Hanau vor

Da zwei Mordmerkmale vorliegen, das Verbrechen auf „tiefster Stufe“ stehe, kaltblütig verübt wurde und der Angeklagte keinerlei Mitleid oder Reue gezeigt habe, sei die „absolute Strafandrohung nach dem Gesetz“ anzuwenden: die besondere Schwere der Schuld.

Das Schwurgericht entspricht damit dem Plädoyer von Staatsanwältin Lisa Pohlmann, die die gesetzliche Höchststrafe beantragt hatte. Verteidigerin Andrea Sawa, die auf Totschlag plädiert hatte, will nun prüfen, ob sie gegen das Urteil der Kammer Revision beim Bundesgerichtshof einlegt.

Mit seiner Rechtsanwältin diskutiert Andreas M. nach dem Urteil für einen Moment, schüttelt mit dem Kopf, bevor ihn die Justizwachtmeister in Handschellen abführen. Ins Gefängnis, wo sich der 36-Jährige offenbar wohlfühlt. Er hatte erklärt, in der Untersuchungshaft „keine Sorgen, ein Dach über dem Kopf und jeden Tag etwas zu essen“ zu haben – und dazu auch noch gelacht.

Der Fall: Adoptivvater getötet

13. Januar: Die Polizei entdeckt am Harzweg in Großauheim die Leiche eines 71-Jährigen, der erschlagen, erwürgt und schließlich erstochen worden ist. Der 36-jährige Adoptivsohn des Opfers wird am Tatort festgenommen. Er leistet keinen Widerstand.

Mai: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes beim Landgericht.

16. Juni: Prozessauftakt. Andreas M. gesteht die Tötung seines Adoptivvaters. Polizisten und eine Nachbarin sagen als Zeugen aus.

24. Juni: M. berichtet detailliert über die Tötung und mögliche Motive. Die Kammer vernimmt weitere Zeugen.

7. Juli: Die Gutachterin der Rechtsmedizin und der forensisch-psychiatrische Gutachter sagen als sachverständige Zeugen aus.

9. Juli: Die Staatsanwältin fordert lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Die Verteidigerin beantragt eine Verurteilung wegen Totschlags.

Dienstag, 14. Juli: Das Schwurgericht verurteilt Andreas M. wegen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen zu lebenslanger Haft und stellt die Schwere der Schuld fest. thb

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