Nach 13 Jahren Abschied als Klinikpfarrer

Pfarrer Werner Gutheil wird Diözesan-Šeelsorger für Trauernde im Bistum Fulda. Dieser Tage ist auch sein Buch „Alles hat seine Stunde“ erschienen.
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Pfarrer Werner Gutheil wird Diözesan-Šeelsorger für Trauernde im Bistum Fulda. Dieser Tage ist auch sein Buch „Alles hat seine Stunde“ erschienen.

Hanau ‐ Klinikseelsorge ist für ihn mehr als „das bloße Gehen von Bett zu Bett mit einem Bauchladen guter Gesprächsangebote“. Klinikseelsorge müsse präsent sein, nahe bei den Patienten, bei den Angehörigen und beim Klinik-Personal. Der katholische Klinik-Seelsorger Werner Gutheil war das 13 Jahre lang. Von Dirk Iding

Am Samstag, 21. November, wird der 47-jährige Geistliche als Seelsorger am Klinikum Hanau offiziell verabschiedet. Danach kann sich Gutheil in neuer Funktion einem Aufgabengebiet widmen, das bereits in seiner bisherigen Tätigkeit zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte wurde. Werner Gutheil wird Diözesan-Seelsorger für Trauernde im Bistum Fulda.

Neues Büro im Dechant-Diel-Haus

Ich sehe in dieser neuen Aufgabe eine konsequente Fortsetzung meiner bisherigen Tätigkeit“, blickt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Verabschiedung am Klinikum. Sein neues Büro wird im Dechant-Diel-Haus zu finden sein. Von dort aus soll der Geistliche Strukturen entwickeln und Anstöße geben für Angebote zur Trauerarbeit im gesamten Bistum. Dabei kann Gutheil auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken. So ging das Kindergrabmal auf dem Hanauer Hauptfriedhof 1999 auf seine Initiative zurück. Seit 2000 ist er in der Trauerarbeit aktiv, entwickelte Gesprächs- und Gruppenangebote, rief unter anderem das Café Hoffnungsschimmer als offenen Trauertreff ins Leben oder veranstaltete Trauerwochenenden.

Diese „Basisarbeit“, wie es Gutheil nennt, will der Geistliche auch in seiner neuen Funktion fortsetzen. Er will weiter Ansprechpartner sein, Gruppen begleiten und „Menschen bitten, mir zu helfen, neue Angebote aufzubauen“.

Gutheil, der auch Ethikberater ist und in dieser Funktion beispielsweise mit Unterstützung eines Juristen bei der Formulierung von Patientenverfügungen hilft oder in ethischen Fragen der Pränataldiagnostik berät, möchte Trauerarbeit für jeden zugänglich machen - unabhängig von Konfessionen oder sozialem Hintergrund.

Trauernde Frauen in Gruppe „Regenbogen“

Dazu plant er die Gründung des Vereins „Bon luctus - Trauer, warum allein?“ Bon luctus bedeutet soviel wie gute Trauer. Aber kann Trauer gut sein? Gutheil: „Für Betroffene bedeutet der Verlust eines geliebten Menschen immer einen tiefen Einschnitt. Aber es gibt Hilfsmittel, gut mit der Trauer zu leben.“ Gemeinschaft sei ein solches Hilfsmittel oder soziales Engagement. Beides verbindet zum Beispiel die Gruppe „Regenbogen“, in der sich trauernde Frauen zusammengefunden haben und die von Pfarrer Gutheil begleitet wird, in berührender Weise.

Berührend sind auch die Geschichten, die Pfarrer Gutheil in dem kleinen Buch „Alles hat seine Stunde“ gesammelt hat, das im St. Benno-Verlag erschienen ist (ISBN 978-3-7462-2825-9). „Ermutigende Geschichten in Zeiten der Trauer“ nennt er die Episoden, die er „vom Leben abgeschrieben“ habe. Sie basieren auf Erfahrungen und Beobachtungen. Es seien Trauernde selbst gewesen, die nach einer gewissen Zeit sich wieder dem Leben zuwenden konnten, berichtet Gutheil. Diese Beispiele könnten Mut machen, die Trauer zuzulassen und den Weg zurück ins Leben zu finden.

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