Ein Flickenteppich voller Kunst

Nach knapp zwei Monaten Kunstkaufladen: gute Resonanz, viele Verkäufe

Im Kunstkaufhaus an der Nürnberger Straße gibt es nicht nur Wandgemälde – auch Skulpturen wie diese werden ausgestellt und verkauft.
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Im Kunstkaufhaus an der Nürnberger Straße gibt es nicht nur Wandgemälde – auch Skulpturen wie diese werden ausgestellt und verkauft.

Seit knapp zwei Monaten hat Hanau einen Kunstkaufladen. Den ersten seiner Art in Hessen (wir berichteten). Wie das neuartige Konzept angelaufen ist und angenommen wird, wollten wir von Storemanager Egin Dogan wissen und haben an einem Spätvormittag im Tacheles an der Nürnberger Straße vorbeigeschaut.

Hanau – „Wenn wir morgens um 10 Uhr aufmachen, dann ist hier immer gleich viel los“, erzählt der Künstler und Galerist, der aktuell das Tacheles leitet. Dogan spricht von einer „richtig guten Resonanz“. „Die Leute sind freundlich und happy darüber, dass wir mit dem Tacheles mal etwas ganz anderes in Hanau haben.“ Dabei seien es bei Weitem nicht nur Hanauer, die im Kunstkaufladen vorbeischauten. „Kürzlich war ein Kunde aus Landshut da, der sogar noch ein weiteres Mal gekommen ist.“

Viele Besucher seien durch die Medien aufs Tacheles aufmerksam geworden. Ihnen gefalle das niedrigschwellige Konzept, das hinter dem Laden stecke. „Wir haben nicht den Anspruch, Galerie zu sein, bei uns soll man einfach wie in einem Geschäft hereinkommen können, also auch Laufpublikum, das nicht gezielt nach Kunst sucht, sondern durch Zufall vorbeikommt und einfach mal stöbert.“ Eine niedrige Hemmschwelle, Kunst zu erschwinglichen Preisen – das Konzept scheint aufzugehen. Die Hanauer, meint Dogan, seien „richtig happy“ mit ihrem Kunstkaufladen.

Das bestätigt auch die Kundschaft. „Mir gefällt der Gedanke der Innenstadtbelebung durch Kunst. Gerade in Zeiten von Corona, wo die Kunst ins Hintertreffen geraten ist“, sagt eine Besucherin aus Bruchköbel. Gemeinsam mit dem Ehemann schlendert sie durch die Ausstellungsräume. „Wir haben durch das Fernsehen von dem Projekt erfahren und waren neugierig, deshalb sind wir heute hier.“ Ihr Ehemann fühlt sich zwar etwas erschlagen, von der immensen Vielfalt und der Anzahl der ausgestellten Bilder – „Man verliert da leicht den Überblick“ – lobt aber dennoch die „große Auswahl“. Eine Verkäuferin empfiehlt dem Paar die sogenannte Kunstanprobe im Obergeschoss. Hier haben Kunden die Möglichkeit, ein Bild ihrer Wahl an eine weiße Wand zu hängen, um die Wirkung, gelöst von anderen Kunstwerken, zu betrachten. „Eine sehr gute Idee“, lobt das Ehepaar, das, mit mehr Zeit, unbedingt noch einmal wiederkommen möchte.

An der gegenüberliegenden Wand der Kunstanprobe bekommt jeden Monat ein anderer Künstler Platz eingeräumt, um sich und seine Werke vorzustellen. Aktuell, darauf ist Engin Dogan besonders stolz, konnte er die Frankfurter Künstlerin Gudrun Gräfing, die international bekannt ist, dafür gewinnen.

Im Laufe des Tages kommt Dogan mit vielen Tacheles-Besuchern ins Gespräch, erklärt das Konzept, gibt Ratschläge, zeigt weitere Werke des Künstlers, wenn sich Besucher in ein Bild verguckt haben. Und berät zu einem Objekt. So wie bei Daphne Menges. Die Hanauerin, die gemeinsam mit Partner Matthias Rieß und Sohn Sander vorbeischaut, sucht ein Geburtstagsgeschenk für die Schwester. „Ich habe auch schon ein Bild gefunden, das ihr bestimmt gefallen würde“, erzählt sie. Und, dass sie das Tacheles eine sehr gute Idee findet. „Ein Anlaufort für Kunst to go, eine tolle Sache. Einfach reinlaufen und angucken, ganz ungezwungen. Und so eine große Auswahl mit ein bisschen Flohmarkt-Atmosphäre ist auch dabei. Wir mögen es sehr gerne.“

Der ursprüngliche Plan des Tacheles-Teams, alle zwei Monate die Kunstwerke umzuhängen, wurde übrigens ad acta gelegt. „Wir verkaufen so viel, dass sich die Optik von alleine ändert. Jeden Abend haben wir einen Flickenteppich, den wir neu stopfen müssen“, so der Storemanager.

Aktuell sind im Tacheles 165 Künstler mit jeweils bis zu 15 Werken ausgestellt. 1732 Objekte insgesamt. Rund 100, schätzt Dogan, seien bereits verkauft. „Das ist ein Traum. Nicht zu vergleichen mit dem Absatz in einer Galerie.“ Dogan weiß, wovon er spricht. Er selbst ist Galerist. Die guten Verkaufszahlen sind natürlich auch der niedrigen Preisschwelle geschuldet. Bei fünf Euro fangen die Werke an, gehen hoch bis 300 Euro.

Kundin Daphne Menges verlässt das Tacheles letztlich sogar mit zwei Kunstwerken – eines für die Schwester, eines für sich selbst. Und so entstehen zwei weitere Lücken im Flickenteppich, die Storemanager Dogan am Abend mit neuem Material füllen darf.

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Von Kerstin Biehl

Laufkundschaft, aber auch gezielte Besucher bevölkern das Tacheles gleichermaßen.
Finden die Idee hinter dem Kunstkaufladen Tacheles gut und nehmen gleich zwei Bilder mit: die Hanauerin Daphne Menges mit Partner Matthias Rieß und Sohn Sander.

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