Neues Konzept will Tagestourismus im Kreis etablieren

Naherholung vor der Haustür

Ausflugsziele in der Region: Auch die Urwildpferde auf Campo Pond in Großauheim seien ein lohnendes Ziel, sind die Projektinitiatoren von NaTourHuKi überzeugt.
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Ausflugsziele in der Region: Auch die Urwildpferde auf Campo Pond in Großauheim seien ein lohnendes Ziel, sind die Projektinitiatoren von NaTourHuKi überzeugt.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Mit einem Workshop ist dieser Tage ein auf mehrere Jahre angelegtes Projekt gestartet, mit dem Ziel, nachhaltigen Tagestourismus in der Stadt Hanau und im westlichen Main-Kinzig-Kreis zu etablieren. Allerdings sollen nicht in erster Linie Auswärtige durch die unterschiedlichen Maßnahmen angelockt werden. Der Fokus liegt vielmehr auf den Einheimischen, um ihnen Naherholungsräume bewusst zu machen und neue Erholungsflächen zu schaffen.

Das Konzept setzt dabei auf Nachhaltigkeit, Integration und Inklusion, damit alle Bevölkerungsschichten davon profitieren und einbezogen werden. „Denn nur wer etwas kennt und schätzt, der schützt es auch“, stellte Projektleiterin Gabriele Schaar-von Römer vom Umweltzentrum Hanau die Idee hinter dem Projekt vor.

Im Februar hatten die Partner – neben der Stadt Hanau noch der Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH, die Spessart Tourismus und Marketing GmbH, die Technische Universität Darmstadt, die Hochschule Heilbronn und die University of Applied Science Frankfurt – grünes Licht aus Berlin vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bekommen. Damals waren sie in das Programm „Stadt, Land, Plus“ aufgenommen worden.

Mit dem „Nachhaltigen Tourismuskonzept für Hanau und den westlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises im Kontext des Regionalparks RheinMain (NaTourHuKi)“, so der offizielle Name, soll in den kommenden Jahren aufgezeigt werden, wie regionaler Tagestourismus funktionieren kann und welche Entwicklungsmöglichkeiten in der Region, der Landschaft und der Natur stecken.

Beim Umweltzentrum Hanau hat die seit zwei Jahren als Referentin arbeitende Biologin Dr. Kerstin Heidemann das Projektmanagement von „NaTourHuKi“ übernommen und als Start einen Workshop mit rund 30 Teilnehmern organisiert, „der eine Vielzahl von Ideen, Anregungen und Wünschen“ generierte. Die Heilbronner Hochschule wird für den Part Tourismus zuständig sein, die Darmstädter TU kümmert sich zunächst um die Erfassung des Ist-Zustands von Natur und Landschaft im Untersuchungsgebiet und die Fachgruppe Neue Mobilität der Frankfurter Uni übernimmt die tourismusbezogene Analyse aller Verkehrsträger in Hanau und im westlichen Main-Kinzig-Kreis.

Spessart Tourismus soll sich um die Einbeziehung lokaler Akteure kümmern und eine Kooperationsstruktur aufbauen, der Regionalpark wiederum soll von den Forschungsergebnissen zur touristischen Naherholung und dem Mobilitätsverhalten profitieren und in die Weiterentwicklung einfließen lassen.

„Angelegt ist das Projekt in einer ersten Phase mit der Grundlagenforschung bis 2023, dann soll eine so breite Datenbasis geschaffen sein, dass ein umfassendes Konzept und ein Aktionsplan zur Umsetzung von Einzelmaßnahmen erarbeitet werden kann“, betonte Projektleiterin. „Die Verzahnung von Stadt und Land im Untersuchungsgebiet wird sich durch weiteren Bevölkerungszuzug verstärken. Um sich mit einem Wohnort und der Region zu identifizieren, muss man die positiven Seiten kennen. Hier spielen Naherholungsflächen und Tagestourismusziele eine wichtige Rolle“, ist sie überzeugt.

Um diese ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, sei zunächst eine Bestandsaufnahme der erste Schritt. Mit dem „Grünen Ring“, den Parks von Schloss Philippsruhe und Wilhelmsbad, dem Schlossgarten, der Bulau und der Fasanerie gebe es „Hotspots“, die bekannt seien. „Aber das Areal der Wildpferde in Großauheim oder die Wasserbüffel in Erlensee-Rückingen sind auch solche Ziele, die Identifikation schaffen können“, so Schaar-von Römer. Dabei solle auch das Netz der 29 Umweltschulen im Kreis und die Gruppe der Nachwuchsforscher genutzt werden, um schon bei den Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für lebens- und schützenswerte Landschaften zu entwickeln.

Bewusst habe man auch die Themen Integration und Inklusion in das Projekt einbezogen, um möglichst viele Bürger damit zu erreichen, und für die Natur zu sensibilisieren. „Beim Workshop wurde zum Beispiel mehrfach genannt, dass man Erlebnisräume an Main und Kinzig vermisse“, stellte Dr. Kerstin Heidemann einen Teilaspekt vor. Platz zum Leben in der Stadt und der Peripherie sei ein weiterer Schwerpunkt gewesen, der von Teilnehmern angesprochen worden sei.

Mit der Vorsitzenden des Blindenbunds sei die Idee entwickelt worden, im Schlossgarten Führungen anzubieten, die auch für blinde Menschen geeignet wären. „Allein die Erfassung von Spazier- oder Wanderwegen im Projektgebiet, die für Familien mit kleinen Kindern, Menschen mit Rollatoren oder im Rollstuhl geeignet sind, ist eine große und zeitraubende Arbeit. Solch eine Kartierung kann dann aber zur Grundlage für eine zielgerichtete weitere Entwicklung von Tagestourismuszielen herangezogen werden“, wies die Projektleiterin auf einen anderen Teilbereich hin.

„Es liegt viel Arbeit vor allen Akteuren, und wir bewegen uns hier auf recht neuem Terrain. Letztlich sollen alle Daten eine wissenschaftliche Grundlage bilden, auf der die Weiterentwicklung eines nachhaltigen Tagestourismus in Hanau und im westlichen Main-Kinzig-Kreis aufgebaut werden kann“, definierte Heidemann die Ziele des ambitionierten Projekts.

» natourhuki.de

Von Thomas Seifert

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