Heftige Kritik am Neubaugebiet „Mittelbuchen-Nordwest“

Naturschützer bangen um den Feldhamster

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Mit diesem Foto trauern die Naturschützer der HGON und AGF um den Feldhamster, den sie auch wegen des Neubaugebietes Mittelbuchen Nordwest vor dem Aussterben sehen.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - „Fassungslos“ äußern sich Experten der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz über geplante Bauvorhaben im westlichen Main-Kinzig-Kreis, einem der letzten Rückzugsräume des streng geschützten Feldhamsters. Von Dirk Iding 

Sie befürchten das Aussterben des Feldhamsters. Auf der anderen Seite betonte die Stadt Hanau, die den Weg für ein besonders umstrittenes Neubaugebiet am Ortsrand von Mittelbuchen ebnen will, dass alles getan werde, um den Feldhamster zu schützen. Wie berichtet, will die Bien Reis AG auf einer vier Hektar großen Fläche mehr als 120 Wohneinheiten errichten. Doch ausgerechnet dort leben einige der letzten Feldhamster.

„Die Hamsterpopulation ist im freien Fall, viele früher dicht besiedelte Räume in Hessen sind bereits hamsterleer und ohne weitere Hilfe oder Maßnahmen, wird es nicht mehr lange dauern, bis der Feldhamster in Hessen ausgestorben ist“, warnt der Biologe der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF), Tobias Erik Reiners. Daher sei es umso wichtiger, dass Kernpopulationen in den letzten noch großräumigen Lebensräumen wie im Main-Kinzig-Kreis erhalten blieben. Zwar würden bereits heute gezielte Artenschutzmaßnahmen, wie Nacherntestreifen, von Landwirten in sehr guter Zusammenarbeit mit der AGF und den Behörden umgesetzt, jedoch werde die gesamte Ackerfläche und somit der Lebensraum der Hamster von Jahr zu Jahr kleiner. Allein in den letzten zehn Jahren seien im Westkreis zwischen Niederdorfelden, Nidderau, Mittelbuchen und Maintal eine Vielzahl von Bauvorhaben wie Umgehungsstraßen und Neubaugebiete genehmigt und durchgeführt worden. Dafür seien auch Hamster umgesiedelt worden, doch das Ergebnis sei „katastrophal und quasi ohne Wirkung“, sagt Manfred Sattler von der AGF, der das Hamstergebiet im Main-Kinzig-Kreis wie seine Westentasche kennt.

Der Feldhamster werde zwar immer als „Bauverhinderer“ in den Medien dargestellt, tatsächlich sei aber so gut wie kein Bauvorhaben wegen des Feldhamsters gestoppt worden. „Stattdessen wurden oft nutzlose Maßnahmen für den Hamster entwickelt, die sein Aussterben über kurz oder lang zur Folge haben, aber die Umsetzung der Bauvorhaben ermöglichten“, so Sattler.

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Auch im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet Mittelbuchen-Nordwest sind solche Schutzmaßnahmen geplant, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) anlässlich des bevorstehenden Offenlagebeschlusses für den Vorhabenenbezogenen Bebauungsplan „Mittelbuchen Nordwest – Vor dem Lützelberg“ erklärte. Am 27. November wird sich das Stadtparlamentg damit befassen und den Weg zur Offenlage der Planungen freigeben, gegen die dann Einwände, Bedenken und Anregungen von Seiten der Bürger eingebracht werden können.

Nach Ansicht von Kaminsky habe die Stadt Hanau im bisherigen Verfahren „penibel das Bundesnaturschutzgesetz beachtet.“ Abgestimmt mit dem Main-Kinzig-Kreis seien in Mittelbuchen zwei Umsiedlungsflächen im direkten Umfeld vom Lützelberg gefunden worden. Über die Pflege wache dauerhaft die Stadt Hanau, in deren Besitz das Areal bleibe. Ein örtlicher Landwirt, darin schon am Lützelberg geübt, übernehme die Pflege der Dreifelder-Wirtschaft zum Wohl der Feldhamster und werde dafür entschädigt.

Die Feldhamsterschützer indes halten eine Bebauung des Gebietes für „fatal“. Nachdem bereits das Baugebiet „Mittelbuchen-West“ im Jahr 2007 ohne artenschutzrechtliche Prüfung umgesetzt worden sei und den Feldhamsterbestand weiter dezimiert habe, wären die Folgen des Neubaugebietes Mittelbuchen-Nordwest, das in einem besonders sensiblen und für die Kernpopulation des Hamsters wichtigen Bereich liege, noch weitreichender.

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Denn das geplante Neubaugebiet liegt in einer sogenannten Bundesmonitoringfläche, in der EU-pflichtig die Entwicklung des Feldhamsters überwacht und von Deutschland an die EU gemeldet werden muss. Denn für sogenannte „FFH-Arten“ wie den Feldhamster darf sich nach EU-Recht der Erhaltungszustand nicht weiter verschlechtern. „Wir appellieren hiermit nochmals an Oberbürgermeister Kaminsky und die Abgeordneten des Stadtparlaments Hanau, dass Sie die Lage des Baugebiets überdenken und die geplanten vier Hektar an anderer, weniger kritischer Stelle umsetzen“, betont der stellvertretende Vorsitzende der HGON Ralf Sauerbrei.

Die Stadt Hanau provoziere damit nicht nur das Aussterben des Feldhamsters im Main-Kinzig-Kreis, in dessen Schutz jährlich tausende Euro von Steuergeldern investiert werden, sondern auch eine drohende EU-Strafe, die in anderen Mitgliedsstaaten schon zu Forderungen von Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe geführt haben.

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