Seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn

Lärm über Hanau hat sich verlagert

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Hanau - Mit Inbetriebnahme der Nord-West-Landebahn am Frankfurter Flughafen hat sich die Fluglärmbelastung über Hanau verlagert. Steinheim wurde etwas entlastet, die Innenstadt und Kesselstadt bekommen dafür jetzt umso mehr Lärm ab. Von Dirk Iding

Dies ist eines der Ergebnisse eines Fluglärmgutachtens, das die Stadt Hanau in Auftrag gegeben hatte und das am Freitagabend bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Bürgerhaus Wolfgang von den Verfassern, Prof. Dr. Kerstin Giering und Gert Braunstein, vorgestellt wurde. Dabei werteten die Gutachter im wesentlichen die Ergebnisse der Fluglärmmessstation auf dem Steinheimer Süd-Friedhof aus und stellten Fluglärmberechnungen für das gesamte Stadtgebiet an. Dabei betrachteten sie den Zeitraum von 2007 bis 2012.

Im Wesentlichen kamen sie dabei zu folgenden Ergebnissen: Die Fluglärmbelastung am Tage ist über Hanau seit dem Jahr 2001 nahezu unverändert. Allerdings hat über Hanau-Mitte mit Inbetriebnahme der neuen Landebahn der Fluglärm zugenommen. Insgesamt ist die Belastung allerdings nicht so hoch, dass die Schutzzonenwerte nach dem Fluglärmgesetz überschritten würden. Ob die Grenzwerte allerdings nicht zu hoch angesetzt sind, darüber muss nach Auskunft von Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, der unter anderem die Stadt Hanau in ihrer vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof noch anhängigen Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Flughafenausbau vertritt, noch höchstrichterlich entschieden werden.

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Insgesamt positiv ausgewirkt hat sich das mit Inbetriebnahme der neuen Landebahn verhängte Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Allerdings konnten die Gutachter nachweisen, dass im Jahresmittel die nach Fluglärmgesetz erlaubte Grenze von sechs Überflügen mit einem Außenpegel von 68 db(A) überschritten werde. Und es wurde in den so genannten „Nachtrandstunden“ von 22 bis 23 Uhr und vor allem von 5 bis 6 Uhr ein enormer Anstieg des Fluglärms über Hanau nachgewiesen. Die Nachtrandstunden sind in der Regel sogar lauter als der Durchschnittspegel am Tag, so die Experten.

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Darin sieht Rechtsanwalt Möller Meinecke einen Erfolg versprechenden Ansatz, um das von der Stadt Hanau unter anderem eingeforderte Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr doch noch durchzusetzen. Denn gerade die enorme Belastung in den Nachtrandstunden decke sich nicht mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Flughafenausbau. Die Leipziger Richter seien in ihrem Urteilsspruch von einem „langsamen Anschwellen“ des Fluglärms in den Morgen hin- ein ausgegangen, „und nicht von dieser stakatohaften Belastung, die den Menschen in Hanau schon vor 5 Uhr den Schlaf raubt“.

Die Untersuchung hat auch gezeigt, in welch unterschiedlichen Höhen Hanau überflogen wird. Die Überflughöhe schwanke zwischen 839 und 1556 Meter.

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