Neue Wege im Rettungsdienst

Main-Kinzig-Kreis testet zwei Jahre lang den Einsatz von Telenotärzten

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Die Rettungssanitäter Dominik Geupel und Jan Arazi telefonieren während der Behandlung ihrer Patientin mit dem Telenotarzt. Der gibt ihnen aus dem 300 Kilometer entfernten Aachen Anweisungen. 

Mit Headsets stehen Dominik Geupel und Jan Arazi im Rettungswagen, über den kleinen Knopf im Ohr bekommen die beiden Notfallsanitäter Anweisungen, welche Medikamente sie ihrer Patientin verabreichen sollen. 

Main-Kinzig-Kreis – Am anderen Ende der Leitung: Ein sogenannter Telenotarzt, über 300 Kilometer entfernt in Aachen stationiert. Zwei Jahre lang testet der Main-Kinzig-Kreis den Einsatz von Telenotärzten - ein für Hessen neues Versorgungsmodell, das vor allem dem Fachärztemangel im Rettungsdienst bei zugleich steigenden Einsatzzahlen geschuldet ist.

In der Pilotphase werden sieben Rettungswagen mit entsprechender Ausrüstung in Gelnhausen, Freigericht, Biebergemünd und Jossgrund eingesetzt. Per Knopfdruck können die Notfallsanitäter mit dem Notarzt in Kontakt treten, der sofort Zugang zu allen Vital-Daten der Patienten erhält und sich bei Bedarf auch via Videokamera dazu schalten kann. Beim Arzt in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Aachen soll immer dann angefragt werden, wenn die Fahrzeugbesatzung einen Rat zur Medikation oder zu einem eventuellen Weitertransport in eine Klinik benötigt. Im Raum Aachen hat man schon seit 2014 gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Telenotärzten gemacht.

Telenotärzte: Vorstellung des neuen Projekts

Auf einer Pressekonferenz im Gefahrabwehrzentrum in Gelnhausen wurde gestern das neue Projekt vorgestellt, das bereits ab Dezember 2018 zunächst mit einem Rettungswagen getestet wurde. Im vergangenen halben Jahr wurde von diesem Fahrzeug 99 Mal der Telenotarzt kontaktiert. Mit den bisherigen Erfahrungen zeigen sich die Verantwortlichen zufrieden. Laut Günther Seitz, stellvertretender Amtsleiter des Gefahrabwehrzentrums, seien beispielsweise weniger Bagatellfälle in Kliniken gefahren worden. Dr. Wolfgang Lenz, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, versichert, dass auch zukünftig immer ein Notarzt an der Einsatzstelle vor Ort sein werde, wenn dessen Notwendigkeit bereits bei der Alarmierung absehbar sei oder dieser „handwerklich“ tätig werden muss.

Die Vitaldaten der Patientin werden in Echtzeit an den Telenotarzt übertragen, so dass dieser auf Veränderungen rasch reagieren kann.

Betreiber des Telenotarztwerkes ist das Unternehmen „P3 telehealtcare“ in Aachen. Was verblüfft: Betrieben wird das Projekt über einen Telenotarztplatz, der diensthabende Mediziner ist künftig nicht nur für die sieben Rettungswagen im Main-Kinzig-Kreis, sondern auch für 23 weitere in Aachen zuständig. Zu Wartezeiten soll es laut dem ärztlichen Geschäftsführer Bernd Valentin aber dennoch nicht kommen. „Das rund um die Uhr einsatzbereite Notarztteam in der Aachener Leitstelle verfügt über eine jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Telenotfallmedizin, von der der Main-Kinzig-Kreis natürlich mit profitiert“, ergänzt Dr. Frederik Hirsch, Leiter des medizinischen Qualitätsmanagements bei „P3 telehealthcare“.

Main-Kinzig-Kreis: Einsatzaufkommen gestiegen

Ausgiebig getestet wurde in den vergangenen Wochen auch die Telefonverbindung, die auch im manchmal funklochreichen Spessart funktionieren muss. Pro Jahr kostet der Telenotarzt circa 500.000 Euro, die vollständig über die Krankenkassen refinanzierbar sein sollen.

In den vergangenen zehn Jahren ist das Einsatzaufkommen im Main-Kinzig-Kreis von 52 .800 auf zuletzt 71. 900 jährlich gestiegen, zudem stieg die Bevölkerungszahl auf jetzt fast 420.000 Einwohner. „Wer die steigenden Einsatzzahlen und Anforderungen an die Rettungsdienste kennt, weiß, dass ein Telenotarzt keinen bestehenden Arbeitsplatz gefährdet“, betont Landrat Thorsten Stolz (SPD) bei der Vorstellung des hessenweit bislang einmaligen Projektes. Die telenotärztliche Unterstützung mache den physisch anwesenden Notarzt auch perspektivisch keinesfalls überflüssig. Überall, wo die notärztlich-handwerkliche Kompetenz gefragt sei, würden Notärzte auch weiterhin wie gewohnt zum Einsatz kommen, versicherte der für den Rettungsdienst verantwortliche Landrat. Stolz: „Es ist aber ein weiterer Baustein in unserer Versorgungslandschaft, um die Folgen der gestiegenen Beanspruchung der Rettungsdienste etwas abzumildern.“

Von Andreas Ziegert


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