„Zu neuer Sichtweise auf den Alltag ermuntern“

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Stadtgoldschmiedin Hilde De Decker (rechts) stellte in der Zeichenakademie ein Workshop-Projekt vor.

Hanau - (dk) Die Hanauer Stadtgoldschmiedin Hilde De Decker schickte in der vergangenen Woche zwölf Studierende der Hanauer Zeichenakademie auf Entdeckungsreise durch den eigenen Alltag. Die Workshop-Teilnehmer sollten sich handwerklich-künstlerisch mit dem auseinander setzen, was ihnen alltäglich begegnet.

Und so geriet der Alltagsgegenstand Wäscheständer unter den Händen einer kleinen Gruppe von Workshop-Teilnehmern, die ihn mit Leinen neu be- und verspannten zu einem an ein futuristisches Saiteninstrument erinnerndes Objekt. Aus Pappe gefertigt, dokumentiert eine Kaffeemaschine die alltägliche Bedeutung für ihren Schöpfer. Ein anderer Student verstaute seinen Alltag in einem faltbaren Papprucksack, wieder ein anderer gab seinem Alltagsdschungel Ausdruck in einem Handteller großen, bunten, zugewucherten Urwaldobjekt.

Alle Arbeiten haben Werkstattcharakter und sind weit entfernt von großer Kunst. Aber darum ging es der Workshopleiterin Hilde De Decker auch nicht. Weniger das Ziel, als vielmehr der Prozess bis dahin, das liegt ihr am Herzen. Den Blick auf die kleinen Geheimnisse und Wunder des Alltages will sie schärfen und zur fantasievollen Umsetzung in neue Sichtweisen und Zusammenhänge ermuntern. Eine Vorgehensweise, die der ihren gleicht und die ihr mittlerweile die Tür zu international renommierten Galerien geöffnet hat.

Hilde De Decker ist „auf dem Weg zur Schmuckinstallation,“ sagte Dr. Christianne Weber-Stöber, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst, gestern in der Hanauer Zeichnakademie. Die derzeitige Hanauer Stadtgoldschmiedin sei „keine klassische Schmuckdesignerin“ mehr, sondern gehe ganz neue Wege, die international Beachtung gefunden hätten.

Für Schuldezernenten Dr. Ralf Rainer Piesold ist es „eine große Ehre,“ die Schmuckkünstlerin in Hanau zu Gast zu haben. Und das noch für mehrere Wochen. Denn nach Abschluss des Workshops mit den Studenten zieht die Stadtgoldschmiedin um in die Werkstätten von „Made in Hanau“ an der Schnurstraße, wo sie die zweite mit ihrem Titel verbundene Aufgabe lösen wird: In Hanau eine Arbeitsperiode zu verbringen und die Ergebnisse dann vorzustellen. Dies wird am 15. August bei „Made in Hanau“ geschehen. Im April nächsten Jahres wird die in Belgien lebende und in Amsterdam unterrichtende Hanauer Stadtgoldschmiedin schließlich ihr Werk im Rahmen einer Einzelausstellung im Goldschmiedehaus präsentieren.

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