Frühes Licht auf Hanaus Straßen

Neues Magazin für Hanauische Geschichte: Von Oppenheim bis zum Weinbau

Moritz Daniel Oppenheim besuchte die Hola.
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Moritz Daniel Oppenheim besuchte die Hola.

Hanau – Der Hanauer Geschichtsverein legt den aktuellen Band seiner Zeitschrift „Neues Magazin für Hanauische Geschichte“ vor. „Mit 346 Seiten konnten wir 2020 eines der umfangreichsten Magazine der Vereinsgeschichte realisieren“, freut sich Vorsitzender und Mitherausgeber Michael H. Sprenger über den mit 160 Abbildungen illustrierten Band.

Sechs wissenschaftliche Beiträge über die Schulzeit Moritz Daniel Oppenheims, die frühe Straßenbeleuchtung, jüdische Familiennamen, drei kunstvolle Golddosen, die Lehr- und Wanderjahre des Ziseleurs August Weichselgärtner und den Weinbau und -konsum im Hanauischen liefern neue Einblicke in die Geschichte der Stadt und der ehemaligen Grafschaft Hanau.

So beantwortet Dr. André Griemert die Frage, wann der in Hanau geborene jüdische Maler Moritz Daniel Oppenheim die Hohe Landesschule besuchte. Er wertete hierfür die Matrikelbücher aus und konnte die Einschulung Oppenheims im Jahr 1813 belegen. Einen weiteren Einblick in die jüdische Stadtgeschichte liefert der Ehrenvorsitzende des Hanauer Geschichtsvereins Dr. Eckhard Meise mit seinem Beitrag zu jüdischen Familiennamen im 19. Jahrhundert.

Hanaus Bedeutung als Gold- und Silberschmiedestadt nehmen Dr. Lorenz Seelig und Antonia Kolb in den Blick. Seelig betrachtet drei in Hanau gefertigte Golddosen, die das Historische Museum 2019 erworben hat. Kolb liefert in ihrer Studie über August Weichselgärtner nicht nur einen biografischen Abriss der Lehr- und Wanderjahre des in Hanau geborenen Ziseleurs, sondern mittels der Rekonstruktion seiner Arbeitgeber ebenso einen Überblick zu den europäischen Silberschmiedewerkstätten. Von Hanau aus führte Weichselgärtners Weg quer über den europäischen Kontinent nach Budapest, Bilbao oder Paris.

Eine aus dem Jahr 1714 stammende Verordnung zum Schutz der Straßenbeleuchtung analysiert der Historiker und Numismatiker Prof. Dr. Niklot Klüßendorf. Hanau verfügt hiernach über das älteste Beispiel einer Beleuchtungsmaßnahme in einem fürstlichen Territorium im hessischen Raum.

Mindestens auf das 9. Jahrhundert lässt sich der Weinbau im Hanauischen datieren. Der Historiker Erhard Bus beleuchtet dessen Anbaugeschichte wie den Weinkonsum in und um Hanau sowie der Wetterau. Die Maßnahmen gegen übermäßigen Konsum und Panscherei, Gründe für den Rückgang der Weinkultur und die lyrische Bedeutung runden den Beitrag ab. Zugleich beantwortet er die Frage, wann der Apfelwein in der Region an Bedeutung gewann.

Die wissenschaftlichen Beiträge ergänzen eine Rezension von Stefan Welte zum neuen Typenkatalog der Münzen und Medaillen der hessischen Landgrafschaften sowie der Jahresbericht der Städtischen Museen und Rückblicke über Aktivitäten des Hanauer Geschichtsvereins. Der Verein erwarb 2019 zahlreiche Objekte für seine Sammlungen, die in Kooperation mit den Städtischen Museen zu sehen sind. Glanzstücke der Schenkungen und Ankäufe waren eine Schrift des Urgroßvaters der Brüder Grimm von 1727 und ein Stillleben von Georg Cornicelius.

Die neue Ausgabe des Magazins ist für 10 Euro über den Geschichtsverein (per Mail an hgv@hgv1844.de) beziehbar. Ältere Ausgaben kosten 7,50 Euro.  kd

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