„Es hat nicht gereicht“

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Bis zum nächsten Frühjahr gehen beim Karstadt am Freiheitsplatz die Lichter aus. 85 Mitarbeiter sind damit von Arbeitslosigkeit bedroht.

Hanau ‐ Die Hoffnungen der 85 Mitarbeiter des Karstadt-Warenhauses am Freiheitsplatz auf den Erhalt ihrer Filiale haben sich nicht erfüllt. Wie gestern der Beauftragte des Insolvenzverwalters des Karstadt-Warenhauskonzerns mitteilte, gehört die Hanauer Filiale zu den zehn Häusern bundesweit, die bis zum Frühjahr ihre Pforten schließen müssen. Von Dirk Iding

Die restlichen 120 Geschäfte werden weitergeführt. Von der Schließung nicht betroffen ist das Karstadt Sport-Haus im City Center am Kurt-Blaum-Platz. Dort sind 25 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Hanauer Karstadt-Mitarbeiter haben gestern früh auf einer Mitarbeiterversammlung von der bevorstehenden Schließung ihres Hauses erfahren. Ein Mitglied der Geschäftsführung überbrachte die traurige Mitteilung aus der Essener Konzernzentrale. „Das ist schon hart für uns, weil wir bis zum Schluss gehofft hatten“, teilt Filialleiter Joachim Wollermann den Frust seiner 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil bereits über Jahrzehnte Karstadt die Treue gehalten haben.

Zuletzt Optimismus unter den Mitarbeitern

Zwar stand das Haus am Freiheitsplatz innerhalb des Konzerns schon länger „auf der Kippe“, aber zuletzt hatte sich durchaus auch Optimismus unter den Mitarbeitern breit gemacht. So schrieb Karstadt Hanau nach Angaben Wollermanns seit gut einem Jahr wieder schwarze Zahlen. Außerdem habe man gehofft, dass auch der „Wettbewerbliche Dialog“ und die damit zu erwartende Aufwertung des Standorts am Ende für den Erhalt des Hauses sprechen könnte. „Aber letztlich hat es nicht gereicht“, zeigte sich Wollermann enttäuscht.

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky bedauerte die Entscheidung. Mehrfach hatte sich der Hanauer OB auch persönlich für den Erhalt des Kaufhauses eingesetzt. Gleichwohl sei für ihn die Schließung nicht überraschend gekommen, erklärte der Rathauschef gestern: „Es war absehbar, dass zwei Kaufhäuser am Standort Hanau auf Dauer keine Perspektive haben, zumal das Kaufhauskonzept überaltert ist und Warenhäuser in ganz Deutschland Marktanteile verlieren.“

1934 firmierte sie unter dem Namen Hansa AG

Mit der Schließung des Karstadt-Warenhauses geht am Freiheitsplatz eine lange Kaufhaus-Tradition zu Ende. Seit rund 80 Jahren existierte dort ein großes Warenhaus. Die Karstadt Warenhaus AG war eine der Rechtsnachfolgerinnen der Hermann Wronker AG, die 1929 mit der Eröffnung des „Wronker“-Kaufhauses am damaligen Platz der Republik, dem heutigen Freiheitsplatz, diesen Warenhaus-Standort begründete. Als jüdische Familie waren die Wronkers schon 1934 gezwungen, ihre Kaufhaus-Kette zu verkaufen. Seit 1934 firmierte sie unter dem Namen Hansa AG.

Nach der totalen Zerstörung am 19. März 1945 begann schon unmittelbar nach dem Krieg der Kaufhaus-Betrieb noch in Ruinen, ehe ab 1948 der Wiederaufbau und die Erweiterung des Kaufhauses erfolgten. 1966 wurde das Hansa-Kaufhaus in Hertie umgetauft. Zuletzt erfolgte Mitte der 90er-Jahre nach einem kompletten Umbau des Hauses, in den der Karstadt-Konzern rund 15 Millionen Euro investierte, die erneute Umbenennung in Karstadt.

Notwendigkeit des „Wettbewerblichen Dialogs“

Nach Ansicht von OB Kaminsky und Stadtentwickler Martin Bieberle braucht Hanau auch künftig am Freiheitsplatz „eine starke Einzelhandelsimmobilie“. Bieberle sieht durch die jüngste Entwicklung die Notwendigkeit des „Wettbewerblichen Dialogs“ sogar noch unterstrichen: „Ohne den Wettbewerblichen Dialog sähe es nach einer Karstadt-Schließung für den Einzelhandelsstandort Freiheitsplatz düster aus.“ Er gehe fest davon aus, dass beide noch im „Dialog“-Rennen befindlichen Investoren sich nun intensiv mit der Karstadt-Immobilie beschäftigen müssen. Bieberle: „Sowohl HBB als auch 3W könnten es sich nicht leisten, dass neben ihren Projekten auf dem Freiheitsplatz ein dauerhafter Leerstand entsteht.“ Am Montag entscheidet das Stadtparlament über die Einleitung der Angebotsphase. Damit würde der Wettbewerbliche Dialog unumkehrbar.

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