Geschichte

Auf Pfaden der Vergangenheit: Verein für Vor- und Frühgeschichte installiert Infotafeln

Geschichte anschaulich machen: Heike Lasch, Vorsitzende des Vereins für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal (VVFN), und Bürgermeister Gerhard Schultheiß haben am Pfaffenhof in Erbstadt eine von elf geplanten Infotafeln enthüllt, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt aufgestellt werden sollen.
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Geschichte anschaulich machen: Heike Lasch, Vorsitzende des Vereins für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal (VVFN), und Bürgermeister Gerhard Schultheiß haben am Pfaffenhof in Erbstadt eine von elf geplanten Infotafeln enthüllt, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt aufgestellt werden sollen.

Nidderau – Mit einem beherzten Ruck haben Dr. Heike Lasch, Vorsitzende des Vereins für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal (VVFN), und Bürgermeister Gerhard Schultheiß am Mittwoch am Pfaffenhof in Erbstadt eine von elf geplanten Infotafeln enthüllt, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt aufgestellt werden sollen und über archäologische Fundstellen im jeweiligen Stadtteil informieren. Rund 900 Euro hat der Verein investiert, die Infotafel soll „als Geschenk zum 50. Jubiläum von Nidderau“ gesehen werden, stellte Lasch fest.

„Die ‘lebendige Stadt mit Geschichte’ ist reich an bemerkenswerten archäologischen Funden, vom Schwert bis zum Steinzeit-Skelett ‘Niddi’“, bemerkte der Rathauschef und fügte hinzu, dass man die Geschichte der Stadt ständig fortschreiben müsse. Dazu gehöre auch das Wissen über frühere Besiedlungen, die im Fall von Nidderau weit in die Vergangenheit hinein reichten.

„Der VVFN hat in dieser Hinsicht unter der früheren Vorsitzenden Dr. Gretel Callessen und ihrer Nachfolgerin Dr. Heike Lasch viel bewegt“, lobte Schultheiß und erwähnte die „gute Kooperation“, die es bei der Bebauung der Neuen Mitte zwischen der Stadt und dem VVFN gegeben habe. Der Standort an der Haltestelle am Pfaffenhof habe den Vorteil, dass dort viele Kinder und Jugendliche in den Bus steigen würden und er hoffe, dass sie während der Wartezeit die Infos auf der Tafel lesen werden, sagte Schultheiß.

Archäologische Untersuchungen hätten immer die angemessene Zeit bekommen

Lasch bestätigte die gute Kooperation. Man habe immer die Zeit bekommen, in künftigen Baugebieten archäologische Voruntersuchungen zu machen und im Falle von interessanten Funden, diese auch auszugraben oder zu katalogisieren und so der Nachwelt zu erhalten.

In der Neuen Mitte stünden deshalb gleich zwei Infotafeln, eine im Familienpark an der ausgegrabenen historischen Straße und die zweite am Landwehrgraben am Ende der Grünachse. Und auf dem Hof Buchwald in Windecken erinnert zum Beispiel eine Tafel an den Zufallsfund des Skeletts eines Kelten. „Wenn alle elf geplanten Tafeln aufgestellt sind, wollen wir uns Gedanken machen, wie sie möglicherweise durch eine Art archäologischen Pfad oder einen Rundweg miteinander verbunden werden können. Dafür können die Tafeln dann später mit QR-Codes versehen werden, um Besucher und Interessierte von einer Tafel zur nächsten zu führen“, blickte Lasch in die Zukunft.

Aktuelle Tafel berichtet über die Forschungsgeschichte

Einen Blick in die Römerzeit bietet die Tafel in Erbstadt. Am Erlenhof, beim Ludwigshof und am „Wasserloch“ gab es einst römische Villen. Zudem verlief hier eine Straße zwischen den Kastellen Friedberg und Marköbel.

Die aktuelle Tafel, deren Texte die Vorsitzende unter Mithilfe des VVFN-Mitglieds und Römerexperten Markus Helfert verfasst hat, informiert über die Forschungsgeschichte, die ehemaligen römischen Villen am Erlenhof, beim Ludwigshof und am „Wasserloch“ und stellt die damalige Rohstoffgewinnung für den Bau der Villen vor. Sie erläutern die römische Straßensituation und beschreibt Funde, die darauf hinweisen, dass über Erbstädter Gemarkung eine Straße zwischen den Kastellen Friedberg und Marköbel verlief. Letztlich wird erklärt, weshalb weitere, als ehemalige Villen dargestellte Funde, wohl natürliche Kalkvorkommen sind. Des Weiteren informiert die Tafel über die Wasserversorgung in der Römerzeit. Ergänzt werden die Erläuterungen und Erklärungen durch Lagepläne, Skizzen, Aufrisse und Fotos von Fundstücken.

Ausführliche Informationen zum Projekt „Archäologische Infotafeln“ gibt es in einem Aufsatz von Dr. Heike Lasch in den Nidderauer Heften Nr. 16 mit dem Titel „50 Jahre Nidderau���, dessen Verkauf nach anfänglichem „tollen Start durch Corona ausgebremst worden ist“, bedauerte Schultheiß. Er wies darauf hin, dass noch genügend Exemplare des „lesenswerten Bandes“ zum Preis von 15 Euro im Bürgerbüro gekauft werden könnten.

Dr. Heike Lasch würde sich freuen, wenn der Verein die Zahl seiner derzeit knapp 100 Mitglieder aufstocken könnte und freut sich auch jederzeit über Spenden, um weitere Infotafeln aufstellen zu können. „Der Druck der Tafeln ist nicht der entscheidende Faktor, die Edelstahlumrandung und der sichere Stand treiben die Kosten auf 900 Euro in die Höhe“, berichtete die Vereinsvorsitzende.

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