Nie mehr pflücken, als man isst

Pilzexperte Dietmar Krüger gibt Tipps beim Rundgang durch den Wildpark

Auf großes Interesse stieß eine Pilzführung durch den Klein-Auheimer Wildpark. Die Teilnehmer entdeckten dabei rund 20 Pilzarten, wie hier den Hallimasch.
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Auf großes Interesse stieß eine Pilzführung durch den Klein-Auheimer Wildpark. Die Teilnehmer entdeckten dabei rund 20 Pilzarten, wie hier den Hallimasch.

Manche der rund 200 essbaren Pilze schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. „Der Birkenporling zum Beispiel ist eigentlichen kein Speisepilz, sondern eher ein Heilpilz. Er hilft in getrockneter Form als Teeaufguss gegen Reizmagen und Verdauungsprobleme“, weiß Pilzexperte Dietmar Krüger, der in der Alten Fasanerie einen Pilzlehrpfad angelegt hat und bei Führungen Besucherinnen und Besucher regelmäßig an seinem profunden Wissen teilhaben lässt.

Hanau - „Solche Pilztouren können kein Pilzbuch oder eine Pilz-App ersetzen“, ist Krüger überzeugt. Und spätestens nach der jüngsten zweieinhalbstündigen Lehrwanderung am Samstag durch die Fasanerie stimmten ihm alle Teilnehmer zu.

Vor dem Gang in den Wald sollten sich Pilzsammler überlegen, welche Pilze sie suchen wollen. Denn davon hänge auch ab, wo sie suchen sollten. Den Birkenporling findet man, wie der Name verrät, in Birkenwälder. In Laub- und Mischwäldern stünden die Chancen gut, Steinpilze und Maronen zu finden. Bei der Pilzsuche komme es aber auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Und der sei nun gekommen, sagt Krüger. „Es hat geregnet, die Bodenfeuchte ist optimal, die Nächte sind noch lau. Jetzt geht’s richtig los, jetzt sprießen die Pilze“, weiß der Experte von der mobilen Pilzschule Hessen.

Gefragter Pilzexperte: Dietmar Krüger mit einem Prachtexemplar von einem Steinpilz.

Rund 20 Pilzarten - essbare, weniger genießbare und auch giftige Exemplare - entdeckten die Pilzfreunde bei ihrer lehrreichen Runde durch die Fasanerie. Und Experte Krüger kennt sie alle – sei es der nur ein Fingerglied große Pilzwinzling oder ein tellergroßer beschirmter Riesenpilz. Mindestens 10 000 verschiedene Pilzarten gebe es, darunter 200 giftige und etwa ebenso viele essbare Sorten, sagt Krüger. Die bekanntesten Speisepilze sind Steinpilz, Maronen, Pfifferling, Parasol und Wiesenchampignon.

Und viele davon finden sich entlang der Wildparkwege – auch Kuhröhrling, Schopftintling und Stockschwämmchen finden den Weg in die mitgebrachten Körbe. „Pilze sind ein bisschen wie Mexikaner mit ihrem Sombrero: Man muss unter ihren Hut schauen, um zu sehen, wer er ist“, schmunzelt Krüger als er einen Parasol vom Waldboden pflückt.

Bei einigen Teilnehmern gibt’s am Abend Pilzpfanne. „Pilze müssen ordentlich gegart werden, mindestens 15 Minuten. Sie sind kein Fastfood,“ rät Krüger auch dazu, nur kleine Mengen Frischpilz, etwa 250 Gramm pro Person und Woche, zu essen.

„Die Pilzwelt ist sehr vielfältig. Die meisten Waldbesucher nehmen aber nur die oberirdisch wachsende Frucht des im Untergrund zwischen den Bäumen lebenden Myzel wahr.“ Der „eigentliche Pilz“ befinde sich in der Erde, weiß der 51-jährige Pilzexperte, der von Kindesbeinen an von Pilzen fasziniert ist.

Dietmar Krüger bietet vor allem im Herbst Lehrwanderungen an. Am Samstag führte er nach seinem Rundgang durch die Alte Fasanerie noch Apotheker durch den Bad Homburger Forst, heute macht er eine „Zahnarztwanderung“ im Vordertaunus und am Mittwoch ist der bekannte Pilzexperte ab 16 Uhr im Hessischen Fernsehen bei „Hallo Hessen“ zu sehen.

„Pilze sind ein tolles Hobby. Man sollte sie aber in Maßen genießen“, rät Krüger, nicht mehr Fruchtkörper aus dem Wald mitzunehmen als man essen könne. Er räumt auch mit dem Mythos auf, dass man Pilzgerichte nicht aufwärmen könne. „Ab in den Kühlschrank und am nächsten Tag aufwärmen oder einfrieren. Pilze sollten frisch zubereitet werden oder man macht sie haltbar, indem man sie trocknet oder einfriert“, sagt der Experte.

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