„Gefahr für andere Wasservögel“

Nilgänse zum Abschuss freigeben?

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Auch am Kesselstädter Mainufer haben sich Nilgänse niedergelassen. Sie profitieren davon, dass nicht nur dort häufig Wasservögel gefüttert werden.

Hanau - Vielen sind sie ein Dorn im Auge: Die Nilgänse, die sich auch im Raum Hanau stark vermehrt haben. Vogelschützer sind besorgt. Sie fürchten, dass andere Wasservogelarten durch das aggressive Verhalten der Nilgänse verdrängt werden. Von Holger Hackendahl 

Sonnenanbeter ärgern sich zudem über vom Kot der Nilgänse zunehmend verdreckte Wiesen rund um Badeseen und an Flüssen. Für Bernd Petri, Ornithologe beim Naturschutzbund Hessen, steht nach langer Beobachtung der Nilgänse fest: „Diese Vögel sind penetrant und biestig.“ Die Nilgans dulde keine Konkurrenz neben sich. Ihr Revier verteidige sie gegen andere Vogelarten „erbarmungslos“.

Beobachtungen, die auch Norbert Weber vom Steinheimer NABU bestätigen kann. So habe man am Teich im Hanauer Schlosgarten beobachtet, wie Nilgänse eine Stockenten-Familie angegriffen und sie vertrieben haben. „Da, wo gefüttert wird, wie etwa am Großauheimer und Kesselstädter Mainufer, kommen mehrere Wasservogelarten zusammen. Die stärkere Nilgans verteidigt hier ihr Revier sehr konsequent, versucht, Futterkonkurrenten zu vertreiben.“

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Allerdings hat Weber an Steinheims Gewässern noch nicht beobachten können, dass Nilgänse andere Wasservögel auch aus ihren Brutrevieren verdrängt hätten, wie hin und wieder berichtet wird. „Die Nilgans hat aber ein starkes Territorialverhalten und wenn sie Nachwuchs hat, geht sie sogar Hunde an. Dies scheint ihr natürliches Verhalten zu sein.“ Heimische Wasservögel sind auf das aggressive Verhalten der Nilgans nicht vorbereitet. „Wenn eine Stockente mit ihren Jungen in ein Nilgans-Revier eindringt, wird auch der Nachwuchs angegriffen. Da kann es schon mal passieren, dass das ein oder andere Küken getötet wird“, sagt Weber.

Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel hat im Klein-Auheimer Wildpark „Alte Fasanerie“ sogar beobachtet, wie Nilgänse - insgesamt 30 tummeln sich im Wildpark - dort einen Elch von ihrem Gelege vertrieben und sogar den Berg im Mufflon-Gehege regelrecht besetzt haben. Erwin Mayer, Vorsitzender des Angelsportvereins Klein-Auheim, ist jedenfalls davon überzeugt: „Da, wo Nilgänse sind, verdrängen sie andere Wasservogelarten. Nilgänse sind eine Gefahr für heimische Wasservogelarten.“ Deshalb, so fordert Mayer, müsse „regulierend“ eingegriffen werden.

Leonie Lüdke aus Götzenhain hat ein Faible für die Nilgänse

Ähnlich äußerte sich der Steinheimer Jagdpächter Michael Birkenfeld. Für ihn steht fest: „Nilgänse gehören nicht hierher.“ Die aus Nordafrika stammende Gans wurde wohl aus privater Haltung in Zoos und Tiergärten „eingeschleppt“ und hat sich den hiesigen Bedingungen äußerst erfolgreich angepasst. Laut Vogelschutzwarte Hessen gab es im Jahr 2012 bis zu 700 Nilgans-Brutpaare in Hessen. Experten gehen davon aus, dass sich der Bestand seitdem jährlich um rund zehn Prozent erhöht haben dürfte, wahrscheinlich sogar noch mehr. Denn Nilgänse haben eine deutlich höhere Legeleistung als einheimische Wasservögel.

„Die Jägerschaft in Hessen sollte Nilgänse verstärkt bejagen“, meint deshalb Dr. Klaus Röther, Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen. Im Zeitraum vom 1. September bis zum 15. Januar sei dies möglich. Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn führt die Nilgans auf seiner „Grauen Liste“ der so genannten „potenziell invasiven Arten“. Darauf stehen Tiere, die durch ihre Ausbreitung die heimische Artenvielfalt möglicherweise derart stark bedrohen, dass sie bejagt werden müssen.

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