Ein Näschen für Schätze aus Stoff

Noah Naber hat aus seiner Leidenschaft ein Geschäftsmodell entwickelt

Der 19-jährige Noah Naber aus Reichelsheim vertreibt im Pop-up-Store Second Vintage an der Nürnberger Straße Mode aus den 80er und 90er Jahren.
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Der 19-jährige Noah Naber aus Reichelsheim vertreibt im Pop-up-Store Second Vintage an der Nürnberger Straße Mode aus den 80er und 90er Jahren.

Was der Opa früher mit Möbeln gemacht hat, führt der Enkel mit Klamotten fort. Noah Naber ist sozusagen familiär vorbelastet. Der 19-Jährige hat ein Faible für Vintage-Kleidung aus den 80er und 90er Jahren. Aus dieser Leidenschaft hat er ein Geschäftsmodell entwickelt: Im Second Vintage an der Nürnberger Straße vertreibt er Secondhand Mode.

Hanau – Außerdem hat er einen Onlineshop. „Wahrscheinlich habe ich meine Leidenschaft für Gebrauchtes in die Wiege gelegt bekommen“, sagt der Reichelsheimer und erinnert sich daran, wie er seinen Großvater damals oft beim Altmöbelkauf, beim Restaurieren und Verkaufen begleitet hat.

Altes, aber Wertiges wieder zu verwenden – daraus hat Naber vor anderthalb Jahren, nach seinem Fachabi an der Friedberger Waldorfschule, eine Geschäftsidee entwickelt. „Ich habe mir Youtube-Videos über die großen Thrift-Shops, die Secondhand-Läden in den USA, angeschaut. Dort ist die Vintage-Szene riesig. Das hat mich inspiriert. Auch, weil ich persönlich die Sachen einfach schön finde. Sie sind einzigartig, ausgewaschen, nicht von der Stange und nachhaltig.“

Naber hat Spaß daran, die Stücke aufzustöbern, und freut sich, wenn er ausgefallene, seltene Teile findet. Dieses Erlebnis vermittelt er auch seinen Kunden im Laden, indem er die Kleidung dort nicht nach Größe oder Farbe ordnet. „Die Leute sollen suchen, selbst diese Erfahrung machen und ihren ganz persönlichen Schatz finden“, sagt er.

Begonnen hat alles damit, dass Naber auf Flohmärkten Kleidung für sich selbst gesucht hat. Meist kaufte er die Teile, ohne sie vorher anzuprobieren. Was nicht passte, verkaufte er im Internet weiter. Und merkte schnell, dass das Interesse daran groß war und die Leute bereit waren, mehr zu bezahlen. Schnell war die Idee zum Onlineshop geboren. Mittlerweile bezieht er die Ware größtenteils von Textil-Recyclern, Händlern, die der breiten Masse meist unbekannt sind.

Die Möglichkeit, sich für drei Monate mit einem echten Ladengeschäft im Pop-up-Store der Stadt Hanau auszuprobieren, sei ein Traum. „Mein Vater hatte davon im Fernsehen gehört, mir Bescheid gesagt, und ich habe mich gleich beworben und schnell eine Zusage bekommen“, erzählt der Jungunternehmer. Jetzt darf er seine Klamotten-Fundstücke auf 200 Quadratmetern präsentieren und sagt: „Ich mache das, was mir Spaß macht. Klar hat das auch mit Business zu tun, aber der Spaß steht im Vordergrund.“

Mindestens 20 Jahre und älter sind die Klamotten, die Naber auf der Stange hängen hat. Und wecken dadurch manch nostalgischen Gedanken der heute über 40-Jährigen. Aber auch Senioren finden den Weg ins Second Vintage. „Es ist so klasse, genau das hat Hanau gefehlt“, sagt etwa Renate Blumöhr, bald 84 Jahre alt und früher selbst Inhaberin eines großen Bekleidungsgeschäfts in der Nachbarschaft. „Noah hat Dinge im Sortiment, die ich früher selbst bei mir verkauft habe. Jetzt sehe ich sie hier wieder, das ist toll.“

Zu Nabers Kunden gehören aber vorwiegend Leute vom Teenageralter bis Ende 20. „Die Leute müssen es verstehen“, sagen Blumöhr und Naber und meinen das Prinzip Secondhand. Deshalb hat er auf eine der breiten Säulen, die die Ladendecke tragen, auch eine Art Anleitung gedruckt. „Think unisex“, steht da und: „Sei offen und kreativ.“ Bis dato sei der Zulauf „besser als erwartet“. Falls das so bleibt, würde er den Mietvertrag gerne verlängern.

Infos im Internet

secondvintage.de

Von Kerstin Biehl

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