Corona-Pandemie

Corona bedroht die Existenz: So überbrücken Schausteller die Notlage

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Ein ganz neuer Anblick: An diesen Ständen gibt es jetzt Crushed Eis und kandierte Früchte.

Die Corona-Krise bringt Schausteller in Existenznot. Einige greifen daher zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Unter anderem in Hanau.

  • Schausteller geraten durch Corona-Krise in Existenznot
  • Stadt Hanau stellt Plätze zur Verfügung
  • Schausteller haben andere Ideen

Wer derzeit früh morgens aus dem Fenster schaut, wenn die Müllabfuhr kommt, mag sich erstaunt die Augen reiben: Am Steuer „seines“ Müllwagens könnte dieser Tage Karl-Heinz Eberhardt sitzen, der sonst als Schausteller seine Fahrgeschäfte und Buden beaufsichtigt. Die Notlage der Schausteller zwingt derzeit zu außergewöhnlichen Maßnahmen“, erklärt der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, Bernhard Weingärtner.

Corona-Krise: Not bei Schaustellern besonders große

Diese Notlage ist auch der Grund dafür, dass aktuell einige Stände am Busbahnhof oder anderen Stellen in der Stadt oder den Stadtteilen zu finden sind. Anders als viele andere Berufsgruppen sind die Schausteller besonders stark von der Corona-Krise betroffen „Wir haben praktisch ein ganzes Jahr lang ‘Berufsverbot’“, formuliert Eberhardt den Notstand seines Gewerbes.

Das letzte Geld habe man am 22. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt verdient. Danach kam der Anschlag vom 19. Februar, nach dem die Schausteller, die bereits ihre Buden für das Faschingsgeschäft aufgebaut hatten, diese ganz selbstverständlich wieder abbauten.

Einnahmen fehlen: Erst Anschlag in Hanau, dann Corona

„Schon an dem schlimmen Abend war uns klar: Wir können ja nicht Fasching feiern, wenn nebenan Menschen gestorben sind“, erinnert sich Weingärtner an die Schicksalstage, dieHanau in eine Art Schockstarre versetzten. Auch, wenn es an dieser Entscheidung keinen Moment lang Zweifel gegeben hat: Für die Unternehmer bedeutete es zum Teil heftige Einbußen.

Der Mann aus Frankenthal, der mit dem Riesenrad angereist war, und ein weiteres größeres Fahrgeschäft aus Saarbrücken büßten nach den Worten Weingärtners je 3000 Euro ein. Als die Schausteller, von denen es rund zehn Familien in Hanau gibt, dann dachten, jetzt könnten sie ihr Geschäft wieder aufnehmen, machte ihnen die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung.

Corona bringt Schausteller in finanzielle Not

„Uns geht es finanziell schwer an den Kragen“, sagt Weingärtner, der mit dem Bundesverband der Schausteller in einer groß angelegten Plakataktion auf die Misere seines Berufsstandes aufmerksam machte. Unter anderem ist ein solches Plakat an der Steinheimer Mainbrücke aus Richtung Steinheim zu sehen. Bis August sei den Schaustellern eine Sperre auferlegt.

Doch Weingärtner rechnet damit, dass für sie die Zwangspause noch viel länger andauern wird. Die Volksfeste wurden ja alle abgesagt, weil diese stets mit großen Menschenmengen und mit Nähe verbunden sind. Auch das Bürgerfest in Hanau – für die Schausteller immer eine sichere Bank – wurde gestrichen. Viele weitere Feste im September und Oktober sind auch gecancelt.

Notlage: Schausteller wenden sich in Stadt Hanau

„Jetzt schauen wir auf den nächsten Weihnachtsmarkt“, sagt Weingärtner. Und auch da wisse niemand, wie sich die Lage bis Dezember gestaltet. In ihrer Not hatten sich die Schausteller hilfesuchend an Stadtrat Thomas Morlock gewandt. Viele seien in der Lage, schwere Fahrzeuge und auch Spezialmaschinen zu steuern.

So boten sie also ihre Dienste an. Der Stadtrat habe sich sehr kooperativ gezeigt. Seit zwei Monaten sitzen jetzt drei Schausteller am Steuer von Müllfahrzeugen und bessern so ihre knappen Kassen etwas auf.

Corona-Krise: Bundesweite Aktion für Schausteller in Not

Auch dabei habe man sich einer bundesweiten Aktion angeschlossen, die unter der Überschrift „Hand in Hand“ für die Unterstützung der notleidenden Schausteller warb. Obendrein wurde den Schaustellern ermöglicht, an öffentlichen Plätzen Stände aufzubauen, um ihnen auf diese Weise einen kleinen Ausgleich für die entgangenen Volksfeste zu ermöglichen.

Den Schaustellern sind alle Einnahmen weggebrochen. Da die Volksfeste abgesagt wurden, dürfen sie sich an öffentliche Plätze wie hier das Forum stellen. Diana Schreiber-Kleinhenz probiert die gebrannten Mandeln.

„Wir haben am Busbahnhof einen Reibekuchen- und einen Imbissstand aufbauen können“, sagt Weingärtner. Jetzt kommen zwei weitere Stände hinzu. Am Forum Hanau sind noch ein Stand für kandierte Früchte und einer mit gebrannten Mandeln geöffnet.

Hanau unterstützt Schausteller in Corona-Krise

Für Center-Managerin Diana Schreiber-Kleinhenz war es auf Anfrage der Stadt eine Selbstverständlichkeit, einen Platz für die Schaustellerfamilie Eiserloh zu finden. „Das ist auch für uns eine Bereicherung, und wir helfen natürlich gerne, wenn wir es können.“ 

o haben Wolfgang und Markus Eiserloh am Forum nun auch einen Eisstand mit Soft- und Crushed Eis, einen Stand mit leckeren gezuckerten Südfrüchten, und den Stand mit den vielen verschiedenen Sorten gebrannter Mandeln.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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