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Notlagen schamlos ausgenutzt: Vermeintlicher Makler muss ins Gefängnis

Abgezockt: Ein angeblicher Makler hat 18 potenzielle Mieter übers Ohr gehauen und dabei kräftig abkassiert.
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Abgezockt: Ein angeblicher Makler hat 18 potenzielle Mieter übers Ohr gehauen und dabei kräftig abkassiert.

„Ich habe eine Familie, meinen Job am Flughafen habe ich wegen Corona verloren – ich brauche mein Geld zurück.“ Der 53-jährige Mann aus Bangladesch weiß, wer ihm diese Situation eingebrockt hat: Herr A. (28), der im gestärkten weißen Hemd auf der Anklagebank sitzt.

Hanau/Maintal – „Ich brauchte dringend eine größere Wohnung, vor allem wegen unserem behinderten Kind“, sagt ein anderer Zeuge, der aus der Türkei stammt. Was beide Männer vereint: Sie sind A. auf den Leim gegangen.

Staatsanwältin Dr. Carolin Puscher nennt in der Anklage die Details: Der 28-Jährige soll den Makler „gespielt“ haben. Wohnungssuchenden verspricht er, dass er für sie eine passende Bleibe habe. Drei Zimmer, Küche, Bad und Stellplatz. Mitten in Maintal-Bischofsheim.

Und A. glaubt an seine pfiffige Idee. Denn im zehnten und im 14. Stock des Hochhauses gibt es solche Wohnungen. In einer wohnt seine von ihm getrennt lebende Frau, in der anderen Verwandtschaft. An der Waldstraße in Offenbach gibt es noch so eine Adresse. Dort lebt sein Vater. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Also werden die Wohnungssuchenden dorthin eingeladen. Zur Besichtigung. Und dann scheint nicht nur die Chance, endlich eine neue Bleibe zu bekommen, verlockend. Die „Miete“ von 770 Euro für 84 Quadratmeter ist geradezu ein Schnäppchen.

Maintal: Makler soll zwischen 1800 und 3500 Euro abkassiert haben

Also drängt A. seine „Kunden“. Gleich nach der Besichtigung werden Verträge unterzeichnet. Und Bargeld fließt. Für Kautionen, erste Mieten, die Übernahme von Möbeln. Zwischen 1800 und 3500 Euro soll A. abkassiert haben. „Insgesamt sind es 36 000 Euro“, beziffert die Staatsanwältin den entstandenen Schaden. Denn eine Wohnung gibt es gar nicht. „Der Angeklagte hat sich so eine fortdauernde Einnahmequelle geschaffen“, sagt Puscher. So hat die Anklagebehörde A. auch festnehmen lassen. Wegen Fluchtgefahr.

Am Freitag wird er von den Justizwachtmeistern in Handschellen vorgeführt. Seit sieben Monaten sitzt er schon hinter Gittern. Die Zeit im Gefängnis scheint er „genutzt“ zu haben, wie er selbst sagt. Daher tritt er die Flucht nach vorne an und legt ein umfassendes Geständnis ab, bittet die Betrogenen um Entschuldigung und verspricht Wiedergutmachung.

Sein Motiv: Spielsucht und die daraus entstandenen Schulden hätten ihn zu den Betrügereien verleitet. Auf einfache Weise zu viel Geld zu kommen.

Makler hielt seine Masche für pfiffig - Die Richter sehen das anders

Zwar meinte A. offenbar, seine Masche sei besonders pfiffig. Doch da hat die 5. Große Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz von Dr. Mirko Schulte sehr ernsthafte Zweifel. Vor allem erstaunt die kriminelle Energie. Denn so besonders clever ist A. nicht gewesen. Auf die Mietverträge, mit denen er seine Opfer übers Ohr hauen wollte, hat er tatsächlich seinen richtigen Namen geschrieben und den „Kunden“ sogar seinen türkischen Pass gezeigt.

Als die ersten Anzeigen von den geprellten Mietern einlaufen, die spätestens bei Umzug merken, dass es gar keine Wohnung zu vermieten gibt, ist es für die Ermittler schließlich leicht, A. ausfindig zu machen.

Und auch die Kammer braucht nur einen Tag für ihr Urteil: „Sie haben die Notlage anderer Menschen ausgenutzt“, sagt der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Der 28-Jährige muss wegen besonders schwerem Betrug in 18 Fällen für drei Jahre ins Gefängnis. Staatsanwältin Puscher hatte vier Jahre gefordert. Außerdem werden 36 000 Euro als Gewinnabschöpfung eingezogen.

Für A., der bereits einschlägig vorbestraft ist und unter laufender Bewährung stand, könnte es eine weitaus längere Zeit hinter Gittern werden. Denn er hat ein weiteres Jahr „offen“ – und er wird sich bald vor dem Landgericht in Frankfurt verantworten. Dort soll er mit der gleichen Masche 54 weitere Mieter übers Ohr gehauen und kräftig abkassiert haben.

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