Betreuung von Hartz IV-Beziehern nach der Kreisfreiheit

Offenbach dient als Vorbild

Hanau - „Wir sollten uns Offenbach als Vorbild nehmen.“ Mit diesem für Hanauer Ohren eher ungewöhnlichen Ziel überraschte Bürgermeister Axel Weiss-Thiel in einer parlamentarischen Ausschusssitzung, als er über die Auswirkungen der angestrebten Kreisfreiheit auf das Sozialdezernat informierte.

Seine These erklärte er mit dem erfolgreichen Kampf der Nachbarstadt gegen Langzeitarbeitslosigkeit und Armut. „Offenbach ist es gelungen, überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Das sollten wir uns genau anschauen. “ Denn Langzeitarbeitslosigkeit und Armut entwickelten sich zu einem dringlichen Problem großer Städte.

So lebten 2016 rund 31 Prozent der Hessen in Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern, aber 48 Prozent der Arbeitslosen nach SGBII (Hartz IV-Bezieher) –mit stark steigender Tendenz. Der Hanauer Sozialdezernent verwies auf weitere Zahlen, wonach es von April 2017 bis April 2018 in Landkreisen ohne große Stadt über 50 000 Einwohnern einen Rückgang an Langzeitarbeitslosen von um 0,4 Prozent gab. Dagegen weise der Durchschnitt der fünf hessischen Großstädte einen Zuwachs von 0,6 Prozent auf. In den Landkreisen mit Sonderstatusstädten stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen sogar um 1,7 Prozent, im Main-Kinzig-Kreis um 1,8 Prozent.

„Die Zahlen belegen, dass die Erfolge im Abbau der Arbeitslosigkeit vor allem im ländlichen Raum zu verbuchen sind“, so Weiss-Thiel. Im Spannungsfeld zwischen ländlichem und großstädtischem Bereich gelinge es nicht gut genug, eine Arbeitsmarktintegration von SGB-II-Beziehern im Stadtbereich zu erzielen. Das unterstreiche auch die Bedeutung der Entscheidung, die Hanau im Zuge der angestrebten Kreisfreiheit zu treffen habe. „Ob wir die Organisation eines Hanauer Jobcenters künftig als gemeinsame Einrichtung mit der Arbeitsagentur oder in städtischer Regie organisieren, ist eine der Weichenstellungen, die wir jetzt schon treffen müssen.“

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Hanau werde wohl alle Aufgaben übernehmen, die bisher noch vom Kreis für die Stadt erbracht werden. Dabei sei auch eine interkommunale Zusammenarbeit denkbar. Diese komme aber nur infrage, „wenn die Dienstleistung bei gleichem Leistungsniveau für Hanauer Bürger zu geringeren Kosten erbracht werden kann.“ (cs.)

Rubriklistenbild: © dpa

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