Wie der Forscher, Maler und Keramiker in seine Geburtsstadt Großauheim zurückkehrte

Offermanns begab sich auf die Spuren Richters

Großauheim – „Ich fand die Geschichte und Persönlichkeit Leopoldo Richters faszinierend, und so habe ich verschiedene Kapazitäten in Hanau gefragt, ob ihnen der Großauheimer ein Begriff sei, aber niemand kannte ihn“, berichtete Chemiker Heribert Offermanns unserer Zeitung im Rahmen eines Interviews im Januar 2019. Der Professor lebt seit 50 Jahren in Großauheim und hat in Hanau als Vorstandsmitglied der Degussa AG die Entwicklungsarbeit des Unternehmens entscheidend mitgeprägt.

Wie aber war Offermanns auf den in seiner Heimat bis dato unbekannten und in Südamerika dagegen so berühmten Großauheimer Künstler gestoßen? Dass das Internet trotz allgegenwärtiger Überflutung durch Unmengen teils undifferenzierten Wissens auch so manch verborgenen Schatz zu Tage führen kann, davon konnte sich Offermanns bei Recherchen im Netz zum bekannten deutschen Künstler Gerhard Richter überzeugen.

Denn er stieß dabei ganz zufällig auf den Maler Hans Richter und schließlich auf dessen Vater Leopold Richter, Wissenschaftler und Künstler, der aus Großauheim stammte und in den 30er Jahren erst nach Brasilien und dann nach Kolumbien auswanderte. Wir hatten uns seinerzeit mit Offermanns am Geburtshaus Leopoldo Richters im Auwanneweg 32 getroffen und uns über seine interessante Entdeckung unterhalten.

Nach Gesprächen Offermanns mit der Vorsitzenden des Großauheimer Geschichtsvereins, Dr. Sabine Laber-Szillat, war dann bald ein bebilderter Artikel über das Leben Leopoldo Richters auf der Website des Vereins zu lesen.

Denn für den Großauheimer Offermanns ist der in Deutschland, Hanau beziehungsweise Großauheim bis dato gleichermaßen unbekannte Leopoldo Richter eine spannungsreiche und vielseitige Persönlichkeit, dessen Entwicklung vom Forscher und Wissenschaftler zum Keramiker und inspirierten Maler eine weitaus größere Publizität verdient habe.

Laber-Szillat erwarb für den Geschichtsverein eine umfangreiche kolumbianische Publikation, einen Bildband, über Leopoldo Richter und ließ diesen übersetzen – als Grundlage für die kommenden „Großauheimer Wurzeln“, eine Buchreihe des Geschichtsvereins. Dieses Werk, das ihr Sohn, Kulturwissenschaftler und Kurator Peter Szillat mitgestaltet und erarbeitet hat, wird parallel zur Ausstellung erscheinen.

Durch einen der inzwischen erschienenen Artikel auf der Homepage des Großauheimer Geschichtsvereins kam schließlich der Schweizer Tony Schneider, Patensohn von Adelheid Stocker, der 2014 verstorbenen Freundin und Geliebten Leopoldo Richters, in Kontakt mit dem Verein. Er berichtete, dass in den 1950/1960er Jahren Leopoldo Richter die Lehrerin mehrfach besucht habe und einen regen Briefverkehr mit ihr geführt habe. Richter hatte wohl auch zahlreiche seiner Werke an Heidi Stocker überreicht und per Post geschickt. Schneider äußerte den Wunsch, den Großteil dieses Erbes der Geburtsstadt des Künstlers zu schenken unter der Prämisse, dass die Schätze geordnet archiviert und im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden – einer Bedingung, der die Stadt Hanau dann gerne nachkam. So holte Peter Szillat, Kurator der Ausstellung, im Auftrag des Heimat- und Geschichtsvereins Großauheim und der Stadt Hanau eine Vielzahl von Bildern und Skizzenbüchern aus der Schweiz nach Hanau und recherchierte parallel nach einigen wissenschaftlichen Publikationen Richters, wie zu den Buckelzikaden im „Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg“.

Von Andrea Pauly

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