Ungewöhnliche Formate in Corona-Zeiten

Kirchenkreis Hanau will in der Krise Orientierung geben

Ein Experte für ungewöhnliche Formate: Pfarrer Stefan Axmann hier beim Wohnzimmergottesdienst.
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Ein Experte für ungewöhnliche Formate: Pfarrer Stefan Axmann hier beim Wohnzimmergottesdienst.

Region Hanau – Der Evangelische Kirchenkreis Hanau bietet auf der Zielgerade der Pandemie besondere Andachten, Gottesdienste und Segenswünsche. Der Mann für besondere Fälle ist Pfarrer Stefan Axmann.

Die ersten Biergärten öffnen wieder, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis man in den Innenstädten auch wieder shoppen gehen kann. Die Rückkehr zur viel ersehnten Normalität bahnt sich an. Doch für viele Menschen ist diese Übergangszeit von der Pandemie in die erhoffte Normalität auch mit Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verbunden.

Ein „Weiter so wie früher“ werde kaum möglich sein. Mit Blick auf die Pandemie gebe es ein Vorher und ein Nachher, glaubt Dr. Martin Lückhoff, der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Hanau. Die Kirche will deshalb eine Begleitung und auch eine spirituelle Orientierung bieten. Unter dem Motto „Wiedersehen feiern“ will sie Menschen, bei denen Lockdown, Einsamkeit und der Verlust von nahestenenden Menschen Spuren hinterlassen haben, zur Seite stehen. Aber nicht nur das: Auch Brautleute, die derzeit noch nicht im üblichen großen Rahmen feiern können, oder Täuflinge sollen einen „Segen to go“ bekommen. „Und zwar nicht nur allein in kirchlichen Räumen, sondern auch dort, wo sich die Menschen für gewöhnlich aufhalten“, ergänzt Pfarrer Stefan Axmann, der im Kirchenkreis mit diesem Projekt betraut worden ist. Axmann, der zehn Jahre den Kirchenladen in Hanau geleitet hat, ist seit 2018 für das Projekt Citypastoral zuständig, das sich vor allem an Menschen richtet, die über Ortsgemeinden und andere kirchliche Angebote nicht mehr erreicht werden. „Er bringt genau die Erfahrung mit, die wir jetzt für die Zeit nach Corona brauchen“, ist sich Dekan Lückhoff sicher.

Neubeginn muss strukturiert sein

„Fangen wir jetzt wieder an zu leben oder gedenken wir derer, die nicht mehr bei uns sind?“ Viele Menschen stünden jetzt vor dieser ambivalenten Frage, sagt Axmann. Ganz individuell oder auch gemeinsam etwa in Vereinen. Ein Neubeginn müsse geformt und strukturiert werden, glauben Lückhoff und Axmann. Dabei könne eine liturgische Gestaltung hilfreich sein. Pfarrer verfügten über die nötige Sprach- und Deutungsfähigkeit. Manchmal seien es auch nur Symbole wie der Talar, die Orientierung geben könnten.

An Ideen mangelt es nicht: Da seien beispielsweise die vielen Seniorenheime, in denen das Virus besonders viele Opfer gefordert habe. Trauer- und Gedenkfeiern waren nicht möglich, ein Abschiednehmen von den Mitbewohnern somit auch nicht. „Wir stellen uns vor, dass wir im Sommer im Garten sitzen, für die Toten beten und Geschichten von ihnen erzählen“, sagt Axmann und fügt hinzu: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Auch im privaten Raum seien Gedenkfeiern für all die Menschen möglich, die wegen der Corona-Beschränkungen nur in einem ganz kleinen Rahmen bestattet werden konnten. „Manchmal durfte ja noch nicht einmal der erweiterte Kreis der Familie dabei sein“, erinnert Axmann an dramatische Momente, die die Pandemie vielerorts mit sich gebracht hat. Es gehe nicht darum, Trauerfeiern eins zu eins nachzuholen, sondern mit Angehörigen, Vereinsfreunden oder Kollegen Formen und Formate zu finden, um der Verstorbenen zu gedenken oder sich an sie zu erinnern. „Das kann in einem Restaurant, im Rahmen eines Vereinsfestes oder auch an einem anderen Ort sein“, sagt Axmann.

Stets offen für neue Ideen

Als Citypastoral hat er Erfahrung mit experimentellen und liturgischen Angeboten. Er bietet beispielsweise Segensgottesdienste für Motorradfahrer, Verliebte und Schwangere an, oder er veranstaltet Wohnzimmergottesdienste in den sozialen Netzwerken. Aber: Er sei auch stets offen für neue Ideen, mit denen die Menschen zu ihm kommen. „Ich bin gespannt“, sagt er.

Kontakt

Pfarrer Stefan Axmann ist zu erreichen unter z 06181 9912688 oder per E-Mail an stefan.axmann@ekkw.de.

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