Nachruf

Original mit Herz und Schnodderschnauze: Richard Kober ist tot

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Richard Kober wie er sich gerne gab: Optimistisch, vorwärtsgewandt und bisweilen hemdsärmelig.

Er galt als Hanauer Original. Nun ist Metzgermeister Richard Kober mit 83 Jahren gestorben. 

  • Richard Kober galt als Hanauer Original 
  • Der Metzgermeister war hanauweit bekannt
  • Nun ist er mit 83 Jahren gestorben

Er war in Hanau bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“, ein gestandener stets gut gelaunter Mann, der seine Heimatstadt liebte und überall für sie eintrat: beim Gespräch in den Gassen der Altstadt, in seiner Metzgerei, in Stadtverordnetenversammlungen und bei Veranstaltungen aller Art. Jeder Bürger wusste, dass Richard Kober nicht nur sein Metzgerhandwerk verstand und mit Liebe und Energie betrieb, sondern sich in alles, was er anpackte, mit preußischer Gründlichkeit hineinkniete. Jetzt ist der Metzgermeister im Alter von 83 Jahren im Hospiz Louise de Marillac verstorben. 

Mit ihm verliert die Stadt nicht nur ein Original, das man einst bei jedem Besuch in der von ihm 53 Jahre lang geführten Altstadtmetzgerei oder unterwegs antreffen konnte. Der gebürtige Stendaler hatte immer auch ein großes Herz für andere. Er engagierte sich in der Fleischer-Innung und machte sich dort 30 Jahre lang als Innungsmeister für die Belange seiner Zunft stark. Er suchte die kommunalpolitische Bühne und zeigte sich gerne großzügig und spendabel. Ungefragt spendierte er seine legendäre Fleischwurst und seinen Fleischkäse für karitative Zwecke und Feiern. Dass ihm 2002 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, hatte auch mit seinem politischen Engagement zu tun. Er, der die Probleme der Stadt in seiner Metzgerei hautnah mitbekam, versuchte, diese in der Kommunalpolitik anzupacken und zog sogar in die Stadtverordnetenversammlung ein. Dort saß er von 2001 bis 2004 für die Bürger für Hanau (BfH) auf der Fraktionsbank und anschließend von 2006 bis 2008 für die CDU. 

Kobers Art sorgte nicht immer für Begeisterung

Seine unkonventionellen Auftritte und bisweilen deftigen Zwischenrufe stießen nicht immer auf Begeisterung. Denn Kober nahm nie ein Blatt vor den Mund und ärgerte sich, wenn das Wohl der Stadt hinter parteipolitischen Überlegungen zurückstehen sollte. Im Bemühen, Beruf und Kommunalpolitik unter einen Hut zu bringen, kam es sogar vor, dass er im Metzgerkittel bei offiziellen Terminen aufkreuzte, wie das bei der Freigabe der Wilhelmsbrücke im Jahr 2005 der Fall war. Wer Richard Kober traf, wurde immer gut unterhalten. Der Mann hatte Humor und jede Menge zu erzählen. Hast und Eile schienen ihm fremd. 

Eine von Richard Kobers Leidenschaften war seine schwere BMW-Maschine, mit der er lange Touren unternahm.

Für die zwischenmenschliche Begegnung, seine Lehrlinge und Kunden nahm er sich immer Zeit. So war seine Metzgerei in der Altstadt, die er jahrzehntelang gemeinsam mit seiner verstorbenen Ehefrau Bärbel betrieb (bevor Tochter Sabine den Laden übernahm) Informations-Umschlagplatz und Treffpunkt zugleich. Viele Kunden schätzten, dass sie dort neben Kobers eigenen Wurst-Kreationen, seinen legendären Fleischsalat oder -käse auch die Neuigkeiten über die Stadtentwicklung mit nach Hause nehmen konnten. Selbst im Rentenalter schien die Energie Kobers kaum abzunehmen. Der passionierte Motorradfahrer „cruiste“ mit Vorliebe durch die Natur, machte Touren durchs Kinzigtal und in die Wetterau und besuchte seine alte Heimat. 

Kobers letztes Projekt: Seine Memoiren

Jahre nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau Bärbel fand er noch einmal eine späte Liebe und heiratete erneut. Doch die Ehe blieb nicht nur eine späte, sondern auch eine kurze Episode in seinem Leben. Kobers letztes Projekt waren die Memoiren seines bunten und mit allerlei Anekdoten gespickten Lebens. Fast 80 Seiten trug er dabei zusammen, die jetzt einem Vermächtnis gleichkommen. 

Um Richard Kober trauert nicht nur seine Familie. Auch die Hanauer Stadtspitze und die CDU Hanau äußern in Pressemitteilungen ihre Anerkennung über einen besonders umtriebigen und ungewöhnlichen Menschen. Als „echtes Hanauer Urgestein“, der das Herz am rechten Fleck trug und immer einen passenden Spruch auf den Lippen hatte“, würdigt der Vorsitzende der Christdemokraten, Joachim Stamm, den Verstorbenen. Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck zeigen sich betroffen: „Richard Kober war ein Unikat, eine echte Persönlichkeit. Er hat die Stadt Hanau auf vielfältige Art und Weise geprägt und bereichert“, drücken sie ihre Trauer aus. Rund um den Platz am Goldschmiedehaus sei er bekannt gewesen als der „Bürgermeister der Hanauer Altstadt“, weil er gerne mit Rat und mit manch’ guter Tat zur Seite stand. Die Trauerfeier für Richard Kober findet am kommenden Samstag um 13 Uhr auf dem Hanauer Hauptfriedhof statt.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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