Manager rudern im Kreis

Originelle Beiträge beim Hanauer Kurzfilmfestival

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Das Hanauer Jugendkurzfilmfestival „Jung und Abgedreht“ genießt mittlerweile auch internationale Aufmerksamkeit. Mehr als 40 Filme wurden am Sonntag bei der sechsstündigen Veranstaltung im Kinopolis gezeigt.

Hanau - Auch bei der 6. Auflage des Hanauer Jugendkurzfilmfestivals „Jung und Abgedreht“ war der große Kinosaal des Kinopolis am Sonntag wieder brechend voll. Von Dieter Kögel 

Über sechs Stunden lang dauerte die große Party, in deren Verlauf es über 40 Kurzfilme aus dem In- und Ausland zu sehen gab, von denen sich 30 in vier Kategorien um die Siegerlorbeeren des Jury- und des Publikumspreises bewarben.
Die Begrüßungsreden, sie ähneln sich seit Jahren. Für Dr. Hans Katzer, Vorsitzender der Hanauer Arbeiterwohlfahrt als bereits zum vierten Mal federführender Ausrichter des Festivals, hat die Veranstaltung nach wie vor große Bedeutung für die Auseinandersetzung junger Menschen mit dem Medium Film und gesellschaftlich relevanten Fragen.

Projektleiterin Anna Jagust, zu Beginn des Festivals als Mitarbeiterin des städtischen Jugendbildungswerks mit der Veranstaltung befasst, dann im Dienste der Arbeiterwohlfahrt Hanau, freute sich über die von Jahr zu Jahr spürbare Weiterentwicklung in den eingereichten Beiträgen. „Das hätten wir damals nicht gedacht“, sagte auch Hanaus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, der seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, wie junge Menschen mit ihren filmischen Beiträgen sich „in die gesellschaftlichen Diskussionen einmischen.“ Das Festival sei vor sechs Jahren initiiert worden „ohne zu ahnen, was daraus wird.“

Nicht nur bei den Einreichungen der Filme hat das Kurzfilmfest längst den nationalen Rahmen gesprengt, auch das Interesse ist international. Am Sonntag war ein Londoner Filmteam im Kinopolis damit beschäftigt, Bilder und Interviews für einen Beitrag für die BBC zu sammeln. Zu sehen und zu hören gab es genug. Nicht nur den Marburger Beatbox-Künstler „Mr. Bubeli“, der alleine Kraft seiner Stimme elektronische Beats zu prallem Leben erweckt.

Mit einer sinnlichen Tanzperformance eröffneten Aleksandra Kovacevic und Paulo Lando aus Hamburg optisch beeindruckend das Filmfestival. Beide Tanzkünstler waren später auch in Jasmin Luus Musikvideo „Different Directions“ zu sehen. Eng also die Verbindung zwischen Realität und Leinwand. Das galt auch für die Filmbeiträge als solche. Kein Kunstblut fließt mehr auf der Leinwand in Kurzkrimis oder kleinen Horrorschockern wie noch vor wenigen Jahren, als die unter 18-jährigen Zuschauer mit Gewinnspielen ins Foyer gelockt werden mussten.

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Dafür träumt man sich jetzt aus einer unliebsamen Realität in eine attraktivere Bilderwelt, wie zum Beispiel bei „A Different Vacation“ von Ronja Roschger in der Kategorie der 14- bis 18-jährigen Amateure. Eine gelungene Mischung aus Real- und Trickfilm. Auch in „swimswam“ von Jonas Büttner und Sascha Schröder geht es um Virtuelles. Mit den Brillen vor den Augen lernen die Schüler schwimmen – auf dem Trockenen. Im wirklichen Nass allerdings haben die Schwimmübungen keinen Bestand. Drei Manager schwingen in einem Ruderboot große Reden von Kommunikation, Kooperation, leuchtender Zukunft. Nur der Angler am Ufer sieht in dem Kurzfilm von Ivan Dubrovin, dass sich das Boot auf dem See ständig im Kreis bewegt.

Amos Ostermeier thematisiert in seinem Film „Happy Hour“ in der Kategorie Amateure von 19 bis 27 Jahre die Gedankenwelt einer dementen Dame, visualisiert ihre Vorstellungen von spannenden Bekanntschaften in einer Bar, ehe sich das Trugbild auflöst. In „Getroffene Hunde“ zeigt Daniel Popat in der Kategorie „Young Professionals“ kulturelle Gegensätze auf und bietet auch ebenso einfache wie überzeugende Lösungsmöglichkeiten. Allesamt filmische Inhalte so reich wie das Leben, höchst kreativ umgesetzt, warnend, unterhaltend, informierend. Das macht bereits jetzt neugierig auf das 7. Kurzfilmfestival. Denn „nach dem Festival ist vor dem Festival“, dessen Realisierung rund acht Monate Vorlaufzeit benötigt.

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