Skurrile Geschichten

Peinliche Panne mit der Brücke: CDU will Helmut Kohl würdigen, erntet mit ihrem Antrag aber Spott

Eigentlich fordert die CDU, die Hellentalbrücke (im Vordergrund), die an Steinheim vorbeiführt, nach Altkanzler Kohl zu benennen. In ihrem Antrag ist aber die Steinheimer Brücke genannt.
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Eigentlich fordert die CDU, die Hellentalbrücke (im Vordergrund), die an Steinheim vorbeiführt, nach Altkanzler Kohl zu benennen. In ihrem Antrag ist aber die Steinheimer Brücke genannt.

Die CDU Hanau erntet zurzeit Spott und Hohn. Hintergrund ist ein Antrag um den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl zu würdigen.

Steinheim – Wie man die politische Lebensleistung des 2017 verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl (CDU) angemessen würdigt, ist umstritten. Dem „Kanzler der Einheit“ wird immerhin auch eine Spendenaffäre angelastet. Soll in Hanau die Erinnerung an Kohl wachgehalten werden, indem man eine Brücke nach ihm benennt, wie es die CDU fordert? Das ist noch nicht entschieden. Die Brücken-Frage sorgt nun zusätzlich für reichlich Wirrwarr. Während die Hanauer Christdemokraten deswegen Erklärungsbedarf haben, spricht die SPD Steinheim von einer „Posse der CDU“.

Zur Erinnerung: Ex-Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU) hatte im Juli in einem offenen Brief gefordert, in Hanau solle eine größere Straße nach Kohl benannt werden, etwa der City-Ring.

Die CDU, die von Härtel prompt einen Seitenhieb wegen angeblicher Untätigkeit abbekam, verwies in Sachen Kohl-Würdigung auf mehrere eigene Initiativen – und wurde erneut aktiv. Ihr Vorschlag: Eine Brücke in Hanau sollte künftig den Namen des Altkanzlers tragen – und zwar die Steinheimer Brücke. So ist es in einem Antrag der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung zu lesen. Prompt folgte heftige Gegenrede.

Hanau: Steinheimer SPD lehnt Umbenennung ab

Die Steinheimer SPD lehnt eine Umbenennung strikt ab. Schließlich gebe es die Steinheimer Brücke schon seit 1873 unter diesem Namen und sie sei so auch in der ganzen Region bekannt. Der Name symbolisiere zusätzlich die lange Geschichte Steinheims als eigenständige Stadt. Umbenennung? Keinesfalls!

Am Montag sollte sich die Stadtverordnetenversammlung eigentlich auch mit dem CDU-Antrag befassen. Dazu kam es aber nicht, weil wegen der Corona-Beschränkungen nur der Haupt- und Finanzausschuss als „Notparlament“ tagte und die Anträge auf die nächste Sitzung verschoben wurden. Stattdessen kam heraus: Die CDU meint mit Steinheimer Brücke gar nicht die Steinheimer Brücke, sondern die Hellentalbrücke (B43a).

Die ist zwar auch bei Steinheim, heißt aber nun mal nicht so. Eine ärgerliche Verwechslung, räumt CDU-Fraktionschefin Isabelle Hemsley kleinlaut ein. Obwohl „mehrere Kollegen den Antrag gelesen“ hätten, sei keinem aufgefallen, dass die eigentlich gemeinte Brücke gar nicht die genannte ist. „Ich nehme das aber auf meine Kappe“, sagt Hemsley.

CDU Hanau will die Verwechslung gerade rücken

Während der Steinheimer SPD-Vorsitzende Max Bieri am Mittwoch (2. September 2020) in einer Pressemitteilung über das CDU-Malheur munter feixte und der CDU zudem vorwirft, sie umgehe mit ihrem Antrag den Beschluss, dass solche Namengebungen den Ortsbeiräten obliegen, sagte Isabelle Hemsley im Gespräch mit unserer Zeitung, die CDU wolle ihren Antrag in der nächsten Sitzung präzisieren und die peinliche Verwechslung gerade rücken. Man habe außerdem niemanden vor den Kopf stoßen wollen.

Für die Hellentalbrücke ist übrigens gar nicht die Stadt zuständig, sondern die Straßenverkehrsbehörde des Landes. Von Hessen Mobil habe die CDU immerhin erfahren, so Hemsley, dass die Behörde sich durchaus eine Umbenennung vorstellen könne, wenn die Stadt das wolle. Ob es aber wirklich dazu kommt, ist offen. Auch Antragstellerin Hemsley hegt angesichts der Kritik aus der SPD daran Zweifel. Und ihr Parteifreund und Steinheimer Ortsvorsteher Klaus Romeis sagte der „Frankfurter Rundschau“, für ihn komme die Initiative seiner Partei wegen der bevorstehenden Kommunalwahl ohnehin zur Unzeit.

In mehreren Städten wurde in der Vergangenheit die Benennung von Plätzen oder Straßen nach Helmut Kohl abgelehnt, darunter in Osnabrück, Leuna und Leipzig.

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