Pendeln für Löschwasser

So gehen Polizei und Feuerwehr in Hanau bei einem Waldbrand vor

Bei einem Waldbrand, wie hier im April in Klein-Auheim, ist eine gute Koordination der Feuerwehrkräfte gefragt. Bis zu 50 Brandhüter sind bei einem solchen Einsatz involviert.
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Bei einem Waldbrand, wie hier im April in Klein-Auheim, ist eine gute Koordination der Feuerwehrkräfte gefragt. Bis zu 50 Brandhüter sind bei einem solchen Einsatz involviert.

Hanau – Der August wies zwar durchschnittliche Niederschlagsmengen auf, dennoch ist der Waldboden nach dem trockenen Frühjahr und den Hitzesommern 2018 und 2019 immer noch trocken, weshalb es auch in diesem Jahr wieder zu Brandherden in den Wäldern um Hanau kam. Doch wie gehen Polizei und Feuerwehr vor, wenn es zu einem Feuer im Wald kommt und wie laufen die Ermittlungen, wenn es sich um absichtliche Brandstiftung handelt?

Bei einem Waldbrand sind sowohl Feuerwehr als auch Polizei im Einsatz. Doch die Feuerwehr rast nicht einfach zum Feuer, wie Markus Doose, der stellvertretende Leiter der Hanauer Feuerwehr erklärt: „Zunächst sammeln sich alle Kräfte an einem Platz in der Nähe des Brandherdes, von dem aus der weitere Einsatz koordiniert wird.“

Das führe, laut Doose, auch öfters zur Verwunderung von Bürgerinnen und Bürgern, da die Feuerwehr nicht direkt zum Brandherd kommt. „Im Waldgebiet ist oft nicht genügend Platz für die großen Einsatzfahrzeuge, von dem Treffpunkt aus können wir den Einsatz besser koordinieren und sind somit am Ende schneller.“

Wasserversorgung stellt Feuerwehr bei Waldbränden vor Herausforderung

Da im Waldgebiet oft weder Hydranten noch andere Wasserstellen sind, muss die Feuerwehr für genügend Wasser zur Bekämpfung des Brandes sorgen. Dafür werden große, 10 000 Liter fassende Tanks vor Ort gebracht, um eine Wasserreserve zu haben. In das größte Löschfahrzeug der Hanauer Brandhüter passen rund 5 000 Liter.

Doch ohne Wasserversorgung ist das nicht viel. „Die Löschpumpe schafft 500 Liter in der Minute, das Fahrzeug wäre in zehn Minuten leer, und bei einer Unterbrechung des Löschens kann so ein Brand schnell wieder aufflammen“, sagt Doose. Deshalb bedienen sich die Einsatzkräfte beim Löschen aus den Tanks. Die Löschfahrzeuge fahren dann im Pendelverkehr und schaffen neues Wasser zum Auffüllen der Tanks heran.

Markus Doose, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Hanau, vor dem großen Löschfahrzeug mit 5 000 Liter Fassungsvermögen.

Die Feuerwehr greift dabei auch auf die Tanks von Hanau Infrastruktur Service zurück (HIS), der mit den auf Fahrzeugen geladenen Tanks das städtische Grün bewässert. Bis zu 50 Einsatzkräfte der gut 315 ehren- und hauptamtlichen Kräfte der Hanauer Feuerwehr sind bei einem Waldbrand im Einsatz.

Waldbrand: Nach der Feuerwehr kommt die Kriminalpolizei

Ist der Brand gelöscht, gehen Ermittler der Kripo ans Werk. In einem ersten Schritt gehen die Beamten der Kriminalpolizei den Ort des Brandes ab und suchen nach Auslösern des Brandes und das Gebiet gewissenhaft ab. Oft hilft auch die Feuerwehr bei der Ursachenermittlung, die durch ihre Erfahrung den Ermittlern weiterhelfen könne, so eine Sprecherin der Polizei.

Fast immer hat ein Feuer im Wald einen menschengemachten Hintergrund. „Dass ein Brand durch einen Blitzeinschlag oder andere natürliche Ursachen hat, ist eigentlich auszuschließen“, sagt Doose.

Zigarettenstummel oder Glasscherben führen häufig zu Waldbränden

In den meisten Fällen handelt es sich um die berühmte Zigarettenkippe oder die Glasscherbe, die zu einem Brand führt. Laut einer Sprecherin der Polizei ist es in den diesen Fällen meist nahezu unmöglich, den Verursacher ausfindig zu machen, da selbst die Person, die eine Kippe unachtsam wegwirft, sich nicht mehr bewusst erinnern kann. Auch eine Gleisanlage kann durch einen Funkenflug zwischen Rad und Schiene zum Brandverursacher werden. Bei vorsätzlicher Brandstiftung sieht die Sache allerdings anders aus.

Laut Bernd Fischer, Brandursachenermittler der Kriminalpolizei Hanau gibt es genaue Muster, an denen die Ermittler eine vorsätzliche Tat erkennen und häufig auch so bestimmten Tätern, die immer wieder Brände legen, zuordnen können. Die Details möchte er nicht verraten. „Ein Tatort kann dich nicht anlügen“, so Fischer. Die Aufklärungsrate bei Waldbränden wäre „sehr hoch“ so Fischer, auch wenn zu den Waldbränden keine eigene Statistik erhoben wird. Oft seien es nämlich einzelne Täter, denen die Kripo mehrere Taten nachweisen könne.

Brandstifter erwartet Gefängnisstrafe

Werden Täter gefasst, ist die Gesetzgebung nicht zimperlich mit den Feuerteufeln. Mindestens für ein Jahr wandert ein Brandstifter hinter Gittern. Je nach schwere kann sich dies auch auf bis zu zehn Jahren erhöhen. Aber auch fahrlässige Brandstiftung wie eine weggeworfene Zigarette kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden.

Denn generell gilt: In Wäldern ist absolutes Rauchverbot. Auch Autos, die durch ihre Betriebshitze ebenfalls einen Brand auslösen können, dürfen nur an den ausgewiesenen Stellen geparkt werden. Bei der Prävention von Waldbränden ist jeder und jede Einzelne gefragt.

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