Penthouse unter Sonnensegel

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Sonnenstrom erntet die Baugesellschaft auf dem Dach ihrer Hochhäuser an der Dresdner Straße.

Hanau ‐ Knapp sechs Monate haben die Bauarbeiter gestrickt, jetzt hat der Wohnblock Dresdner Straße 5a und b einen dicken Mantel an. Auf dem Papier sparen der Wärmeschutz aus Dämmplatten und neue Fenster künftig drei Viertel der bisher erforderlichen Heizenergie ein. Von Erwin Diel

Ob der Spareffekt auch im Portemonnaie der Mieter ankommt, hänge nun von den Bewohnern selbst ab, sagt Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft, der die Wohnanlage gehört.

Damit Bedarfsrechnung und Umlagenzahlung nicht so weit auseinander klaffen, informiert die Baugesellschaft ihre Mieter über das richtige Heizverhalten. Wer die Thermostate hochdrehe und die Temperatur über gekippte Fenster regele, spare auch künftig nichts, sagt Gottwald. Zahlen müssen die Mieter aber einen Aufschlag für die Modernisierung. Weil die Wohnungen der Sozialbindung unterliegen, ist die Kaltmiete bei 5,30 Euro pro Quadratmeter gedeckelt.

Auch die Modulen an der Fassade liefern Elektrizität.

Insgesamt 4 Millionen Euro steckt die Baugesellschaft an der Dresdner Straße in die Sanierung von zwei gut 30 Jahre alten Wohnanlagen mit zusammen 192 Einheiten. Der erste Komplex, die Hausnummern 5a und 5b, wird voraussichtlich im März fertiggestellt. Mit Ende des Winterwetters soll das Schwestergebäude in Angriff genommen werden. Die gesamte Investition einschließlich neu gestalteter Außenanlagen soll bis Jahresende abgeschlossen werden.

Am ersten der Wohnblocks sind die Fassadenarbeiten nahezu abgeschlossen. Weithin sichtbares Zeichen der Veränderung sind neben der neuen Farbe Photovoltaikanlagen sowohl auf dem Dach als auch an der Südfassade. Die futuristisch anmutende Konstruktion auf dem Flachdach hat in der Weststadt zu Debatten geführt. Auf Stahlständern überspannt die Konstruktion die Penthouse-Wohnung samt Terrasse. Dass die Sonnensegel Schneelast aushalten, was von Kritikern bezweifelt worden sei, hätten sie im Winter bewiesen. Die Fachleute versicherten, die Konstruktion sei auch sturmfest, sagte der Aufsichtsratschef der Baugesellschaft, OB Claus Kaminsky, gestern bei einem Ortstermin.

490 000 Euro investiert die Baugesellschaft zusätzlich zur energetischen Sanierung in die Photovoltaikmodule, die auch dem zweiten Block auf das Dach gepflanzt werden. Die Anlage soll pro Jahr etwa 110000 Kilowattstunden Strom erzeugen, der Durchschnittsverbrauch von etwa 30 Haushalten.

Noch stehen im ersten Bauabschnitt der Neuanstrich der Treppenhäuser und die barrierefreie Gestaltung der Hauseingänge samt neuer Überdachung aus. Auch die Wege im Außenbereich, die Abgänge zu den Kellern und die Außenelektrik harren noch der Vollendung. Kostengünstig gekoppelt hat die Baugesellschaft eine Brandschutzmaßnahme mit den Sanierungsarbeiten. Die für den Gerüstbau erforderlich Baustraße rund um die Blocks bleibt nach Abschluss der Arbeiten in die Grünfläche integriert erhalten. Sie dient im Notfall der Feuerwehr. Die Aufträge für die Restarbeiten seien erteilt. Erfreulich aus Sicht der Baugesellschaft: Die Kosten liegen 200 000 Euro unter der Schätzung.

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