„Die Pferde äpfeln sehr viel“

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Außer im Rahmen von Führungen können die wertvollen Przewalski-Pferde auf dem früheren Truppenübungsplatz weiterhin nicht besucht werden. Die Stuten werden auf ihre Auswilderung in Kasachstan vorbereitet. Doch da gibt es noch Probleme.

Wolfgang - „Es gibt ein Leben in und um den Apfel,“ sagt Christoph Göbel. Im Kot der Przewalski-Pferde auf dem Naturschutzgebiet Campo Pond siedeln Darmbakterien und Pilze, das lockt Mistkäfer und andere Insekten an, was den Tisch für Vögel wie den seltenen Wiedehopf deckt. Von Erwin Diel

„Die Pferde äpfeln sehr viel,“ das gefällt dem Chef von Bundesforst in Schwarzenborn, aber nicht den Besitzern jener Tiere, die die Äpfel produzieren.

Aus Sorge um die Gesundheit ihrer wertvollen Vierbeiner, die im Rahmen eines aufwendigen Artenschutzprogramms auf ihre Auswilderung in der kasachischen Steppe vorbereitet werden, gehen die Tierärzte der Zoologischen Gärten in München und Nürnberg gegen die Darmparasiten mit Medikamenten vor. Daran geht dann auch der Mistkäfer ein. „Jetzt haben wir uns auf einen Kompromiss geeinigt,“ sagt der Förster. Die Pferde bekomen weniger Pillen, die Eigentümer akzeptierten eine gewisse „Parasitierung“. Bei einem Bürgertreff, zu dem die Stadt und der „Runde Tische“ ins Bürgerhaus Wolfgang eingeladen hatten, standen Informationen zum Campo Pond und zum Stand der Entwicklung der ehemals amerikanischen Kasernen im Stadtteil im Mittelpunkt.

Das Auswilderungsprojekt

Das Auswilderungsprojekt der in freier Wildbahn seit 1970 ausgestorbenen Wildpferde hängt derzeit in einer Warteschleife. Der Grund sind Nomaden, die im kasachischen Nationalpark Altyn Emel leben, dort, wo 1970 die letzten freilebenden Wildpferde gesichtet wurden. Die Nomaden halten Hauspferde. Nicht auszudenken was passiert, wenn sich ein kasachischer Hengst an einer reinrassigen Przewalski-Stute vergreift. Das würde den Genpool der Wildpferde verändern und die mit großem Aufwand betriebene Arbeit bei der Nachzucht zerstören, sagt Göbel. Obwohl die Przewalski-Pferde nicht die Vorfahren der Hauspferde sind, können sie, anders als Pferd und Esel, zeugungsfähigen Nachwuchs hervorbringen. Zurzeit werde über eine mögliche Umsiedlung der Nomaden verhandelt.

Ursprünglich sollten die Pferde rund zwei Jahre lang auf dem Campo Pond auf die Auswilderung in Kasachstan vorbereitet werden. Der Bewuchs des sandigen und nährstoffarmen Geländes, bis 2008 ein Truppenübungsplatz der US-Army, ähnelt der Vegetation in Altyn Emel. „Wir können die Pferde nicht auf fetten Kuhwiesen halten, dann wissen sie nicht, was sie in Kasachstan fressen können,“ so Göbel.

Campo Pond für Spaziergänger gesperrt

Der Förster warb vor den rund 100 Besuchern des Bürgertreffs um Verständnis dafür, dass der Campo Pond für Spaziergänger gesperrt bleibe. Aus der Nachbarschaft hatte es entsprechende Anfragen gegeben. Es werde bei der auf Führungen begrenzten Öffnung des Areals bleiben, um die Pferdegruppe nicht zu stören. Für möglich hält der Förster die in Hanau diskutierten Pläne, ein Umwelt- oder Biodiversitätszentrum am Campo Pond einzurichten. Im Bereich Depotstraße/Neuwirtshäuser Straße stehen noch frühere US-Gebäude. Dadurch könnte die Aufsicht über das Gelände verbessert und auch neu über eine Öffnung des Areals diskutiert werden.

Noch keine Klarheit gibt es zum plötzlichen Tod einer zweijährigen Stute. Das Tier sei in guter körperlicher Verfassung gewesen, die Tierpathologen der Universität Gießen hätten auch keinen Parasitenbefall und keinen organischen Schaden feststellen können. Möglicherweise sei die Ursache im engen Genpool der Tiere zu suchen. Die weltweit wieder 2000 Przewalskis stammen von 17 Überlebenden ihrer Art ab. Göbel: „Da gibt es öfters mal ein sensibles Einzelexemplar.“

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