Pflegestelle für ausgesetzte und vernachlässigte Kaninchen

Tierschützerin kümmert sich um Langohren

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Drei Freundinnen im Einsatz für vernachlässigte und ausgesetzte Kaninchen: Birte Richter, Anne Heprich und Ulrike Thann (von links).

Hanau/Klein-Auheim - Anne Heprich aus Klein-Auheim zeigt ein besonderes Engagement. Sie hat eine Pflegestelle für ausgesetzte und aus schlechter Haltung befreite Kaninchen in einer Fabrikhalle eingerichtet. Die Tierschützerin, die auch schon Singvögel und Igel aufpäppelte, ist Teil eines bundesweiten Netzwerks. Von Holger Hackendahl 

In der Pflegestation werden die Kaninchen in geräumigen Gehegen mit viel Auslauf in Kleingruppen gehalten. „Die Gruppenhaltung von Kaninchen ist artgerecht, die Einzelhaltung in engen Käfigen dagegen nicht“, sagt Anne Heprich. Aktuell kümmert sie sich mit ihren Freundinnen Birte Richter und Ulrike Thann um 19 Tiere. Sie hofft darauf, einige der Kaninchen später in die Hände tierlieber Familien geben zu können.´Kaninchenfreundin Heprich ist Teil eines bundesweiten Netzwerks, das sich um ausgesetzte und vernachlässigte Widder- und Stehohrkaninchen kümmert. Heprich arbeitet mit dem Tierschutzverein Kelsterbach und der „Bayernrockt Kaninchenhilfe“ zusammen, die Kommunikation erfolgt zumeist über Facebook. Die Futter- und Tierarztkosten finanziert Anne Heprich, die mit ihrer Kaninchenhilfe vor zwei Jahren begann, über die Vermittlungsgebühren für ihre aufgepäppelten Kaninchen. Notfalls muss sie auch aus der eigenen Tasche Geld beisteuern.

Auch ihre beiden Mitstreiterinnen aus Babenhausen und Darmstadt, Birte Richter und Ulrike Thann, pflegen seit Jahren ausgesetzte und vernachlässigte Kaninchen. Richter muss sich derzeit um neun Pflegekaninchen kümmern, bei ´Thann sind es momentan 17 Tiere. „Wir legen großen Wert auf die richtige Ernährung der Kaninchen. Sie bekommen hochwertiges Futter – spezielle Blumen- und Kräutermischungen“, erzählt Anne Heprich. „Und bei der Ernährung der Kaninchen lernt man immer dazu. Erbsenflocken zum Beispiel sind für Kaninchen so etwas wie Bonbons für Kinder“, schmunzelt sie. „Frisches Grün fressen die Tiere immer, an heißen Tagen mögen sie aber auch Wassermelone. Auch Banane, Löwenzahn und Haselblätter schmecken ihnen.“

In einem abgetrennten Gehege in der Halle leben zwei Deutsche Riesen-Kaninchen, die bis zu acht Kilogramm schwer werden. „Ihr früherer Besitzer hatte sie nicht artgerecht untergebracht. Sie hatten nur Stroh, kein richtiges Futter und konnten sich im viel zu engen Käfig nicht mal drehen. Beide hatten offene Pfoten“, erzählt Heprich. Aber jetzt geht es den beiden Tieren nach intensiver Pflege wieder gut.

Tieren ein neues Zuhause schenken: Adoptieren oder kaufen? 

Auf solche Kaninchennotlagen werden die Aktivistinnen über Mundpropaganda und mitunter auch über Kleinanzeigen auf der Internet-Platform Ebay aufmerksam. Erst kürzlich haben sie auf Ebay elf Kaninchen freigekauft, erzählt Heprich. „Wenn Kaninchen im Internet kostenlos und als Zuchtaufgabe angeboten werden, enden sie oft als Schlangenfutter“, wissen die Aktivistinnen. Sie kritisieren, dass Tiermärkte oft nur des Profits wegen mit Zierkaninchen handelten. „Wo die Zierkaninchen für den Verkauf herkommen, interessiert dort niemanden“, meinen die Aktivistinnen. Und sie beklagen auch, dass diese Tiere oft gedankenlos als Geschenk gekauft werden und dann in viel zu engen Käfigen in irgendwelchen Kinderzimmern endeten. „Kein Wunder, dass manche Kaninchen da aggressiv werden“, sagt Heprich.

In Heprichs Pflegestation erwartet die Tiere hingegen so etwas wie ein Kaninchenparadies. Die geräumigen Gehege bieten viele Versteck- und Spielmöglichkeiten, die Haltung in der Gruppe entspricht dem geselligen Wesen der Tiere. Ihre aufgepäppelten Kaninchen gibt Anne Heprich nur kastriert und geimpft ab. Gerne gibt sie auch Tipps und empfiehlt die Internetseite www.diekaninchenwiese.de. Dort gibt es viele Informationen, beispielsweise zur Haltung, Gehegebau, zu Krankheiten und Futterlisten.

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