Alles wird dichter

Auf Pioneer-Gelände sind 1500 statt 700 Wohneinheiten geplant

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Wegen seiner Bauweise steht das Pioneer-Gelände unter Denkmalschutz. Die besondere Form der Bebauung mit je fünf Blocks beiderseits des Haupteingangs („Die zehn Brüder“) und den fächerförmig angeordneten Bauten in der Mitte soll erhalten bleiben.

Wolfgang - Die Umwandlung der Pioneer-Kaserne in Wolfgang in ein neues Stadtquartier gilt als ehrgeizigstes Wohnbauprojekt in der Hanauer Nachkriegsgeschichte. Von Christian Spindler 

Auf dem Areal, das größer ist als die gesamte Hanauer Neustadt, soll ein veritabler Stadtteil entstehen - mit mehr als doppelt so vielen Einwohnern und Wohneinheiten wie ursprünglich geplant. Die Entwicklung der aus der 30er Jahren stammenden Wehrmachts-Kaserne an der B8 zwischen Hanau und Wolfgang, die nach dem Krieg bis 2008 von den Amerikanern genutzt wurde, ist das aufwendigste und größte Konversionsprojekt in der Brüder-Grimm-Stadt. Und es soll „ein Vorzeigeprojekt werden“, ist der Stadtentwickler und Konversionsbeauftragte Martin Bieberle überzeugt.

Vor allem aber soll nach Informationen unserer Zeitung auf dem 47,5 Hektar großen Gelände viel mehr gebaut werden als geplant. War bislang von 700 Wohneinheiten die Rede, in denen 3000 Menschen leben sollen, so sind es nach neuesten Plänen 1500. Nach dem Belegungsschlüssel der Stadt wäre das Wohnraum für 6200 Menschen.

Bereits vor Monaten hatte Martin Bieberle angedeutet, dass es auf dem Pioneer-Gelände mehr Wohneinheiten geben könnte als ursprünglich vorgesehen. Das soll nun so kommen. Und es sollen deutlich mehr werden: mehr als doppelt so viele.

Mit dem Projekt Pioneer-Kaserne hat die Stadt neue Wege beschritten. Erstmals tritt sie selbst als Entwickler auf. Wie berichtet, hatte die städtische Bauprojekte Hanau GmbH das Kasernengelände gekauft und schließlich in eine mit dem privaten Partner DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksgesellschaft mbH gegründete Landesentwicklungsgesellschaft Hessen Hanau eingebracht. An der DSK-Tochter ist die Stadt mit zehn Prozent beteiligt. Und sie hat sich die Mitentscheidung bei der Auswahl der eigentlichen Investoren und Bauherren gesichert.

Im Zuge der Umplanungen des Riesen-Areals im Stadtteil Wolfgang entwickelt das renommierte und weltweit tätige Frankfurter Architektur- und Planungsbüro Albert Speer + Partner „den bisherigen städtebaulichen Entwurf weiter“, so Bieberle. Am Ende soll entschieden werden „mit welchen Produkten und Partnern wir auf den Markt gehen“. In dem künftigen Quartier, das so groß sein wird wie knapp 50 Fußballfelder, werde es „das gesamte wohnungsbauliche Sortiment geben“ - von Mietwohnungen bis zum Verkauf von Einzelgrundstücken an private Bauherren.

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Auch und gerade wegen der nun deutlich erhöhten Bebauungsdichte setzt man auf ökologische Aspekte bei dem Projekt. Bieberle: „Wir verstehen uns auch als Klimapioniere.“ Denn: Die geplante Verdichtung minimiere den Verbrauch wertvoller Flächen im Ballungsraum. Das ist auch eine Vorgabe des regionalen Planungsverbandes.

Auf dem Pioneer-Gelände werde es trotz der nun 1500 statt 700 Wohneinheiten noch immer „extrem großzügige Flächen und gigantische Freiräume geben“, betont der Stadtentwickler. Mit der neuen Bebauungsdichte bewege man sich „am unteren Rand der Vorgaben des Planungsverbandes.“

Bieberle schätzt, dass die Stadt und ihr privater Partner am Ende zehn Investoren auswählen werden, die sich bei größeren Einzelprojekten als Bauherren auf dem 47,5-Hektar-Areal engagieren; darunter könnten auch DSK-Tochtergesellschaften und die städtische Baugesellschaft sein.

Im Herbst will man nicht nur den parlamentarischen Fachausschuss über die Umplanung informieren, sondern in München auf der Expo Real, der größten europäischen Fachmesse für Immobilien und Investitionen, auf Suche nach Partnern fürs Pioneer-Projekt gehen. Im Frühjahr kommenden Jahres soll nach dem jetzigen Fahrplan dann das Stadtparlament entscheiden, den Bebauungsplan-Entwurf öffentlich auszulegen.

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