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Streit um Pioneer in Hanau geht weiter: LEG tritt von Verträgen zurück - Der Grund mag überraschen

Der Streit um die Wohnungen auf dem Pioneer Park in Hanau geht weiter. Nun ist die LEG von drei Kaufverträgen zurückgetreten.

  • Der Streit um die Wohnungen auf Pioneer in Hanau geht weiter
  • Die LEG ist nun von drei Kaufverträgen zurückgetreten
  • Für den Rücktritt scheint es mehrere Gründe zu geben

Die böse Überraschung kam per Einschreiben: Die LEG Hessen-Hanau GmbH hat drei Käufern von Eigentumswohnungen in Triangle Housing im Pioneer Park angekündigt, von den geschlossenen Kaufverträgen zurückzutreten und die Rückabwicklung einzuleiten. Die Entwicklergesellschaft begründet ihren Schritt mit ausgebliebenen Zahlungen, zudem sieht sie ihr Ansehen durch das öffentliche Auftreten der Käufer beschädigt. 

Kurz nach dem Erhalt der Schreiben hatten sich zwei der drei Betroffenen an unsere Zeitung gewandt. Am Freitag versandte die Projektentwicklergesellschaft dann – etwas überraschend – eine offizielle Pressemitteilung, in der über das Vorgehen informiert wird. Darin heißt es: „Die LEG Hessen-Hanau GmbH hat für drei Wohnungen im Projekt Triangle Housing im Pioneer Park Hanau die Rückabwicklung der Kaufverträge eingeleitet. Trotz mehrfacher Mahnungen waren drei Erwerber ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen.“ 

Rücktritt von Verträgen: Wohnungen auf Pioneer in Hanau seien bezugsfertig gewesen

Die LEG, so die Mitteilung weiter, habe die Wohnungen bezugsfertig erstellt; auch nach Auffassung von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen seien die Wohnungen „frei von wesentlichen Mängeln“. Einige Käufer hatten, wie berichtet Mängel, in ihren Wohnungen angemahnt, zum Beispiel eine für Waschmaschinen zu kleine Nische. Die LEG verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass nicht zugesichert worden sei, dass eine handelsübliche Waschmaschine in besagte Nische passe, sondern in diesem Raum lediglich die nötigen Anschlüsse für Wasser und Strom bereitgestellt würden. Bei anderen von Käufern erwähnten Mängeln handele es sich größtenteils um optische Beeinträchtigungen. 

Eine der betroffenen Käuferparteien bestätigt auf Nachfrage, mehrere Schreiben der LEG mit einer Zahlungsaufforderung erhalten zu haben. In den Briefen, die unserer Zeitung vorliegen, wird der komplette Restkaufbetrag eingefordert, inklusive des Sicherheitseinbehalts von fünf Prozent. 

Käufer der Wohnungen auf Pioneer in Hanau widersprechen dem Rücktritt

Die Käufer hatten dem widersprochen und sich auf die Regelungen im Vertrag berufen. Darin heiße es unter anderem, dass die Schlussrate erst fällig werde, sofern keine Mängel vorliegen. Zudem könne ein Nachweis der Bezugsfertigkeit erst am Tag der Abnahmebegehung festgestellt werden. Diese Abnahmebegehung hatte zum Zeitpunkt der vorangegangenen Schreiben aber noch gar nicht stattgefunden. 

Klingt also danach, als würde die Auseinandersetzung in die nächste Runde gehen. Dazu findet sich im Schreiben der LEG ein interessanter Passus: „Mit der Rückabwicklung dieser Kaufverträge endete ein wochenlanger, teilweise öffentlich ausgetragener Streit zwischen drei Erwerbern mit der LEG.“ 

Streit um Wohnungen auf Pioneer in Hanau scheint erst begonnen zu haben

Der Reaktion von zwei der drei Käuferpartien nach zu urteilen, hat dieser Streit wohl gerade erst begonnen – und wird möglicherweise vor Gericht fortgesetzt. In ihrem Schreiben, das unserer Zeitung ebenfalls vorliegt, wirft dieLEG Hessen-Hanau den Vertragspartnern nicht nur ausgebliebene Ratenzahlungen vor, sondern auch einen Loyalitätsbruch. Wörtlich: „Darüber hinaus sind wir gemäß Paragraf 324 BGB zum Rücktritt berechtigt, weil Sie in erheblicher Weise gegen Ihre aus Paragraf 241 Absatz 2 BGB folgenden Loyalitätspflichten verstoßen haben.“ Die Angesprochenen hätten sich „mehrfach in verschiedenen Medien [. . .] in unsachlicher Art und Weise geäußert. Ihre Aussagen über uns und den gegenständlichen Sachverhalt entsprechen nicht den Tatsachen. Sie sind unwahr und sie verletzen das Ansehen der LEG Hessen-Hanau GmbH.“ 

Auf unsere Nachfrage erklärte Michael Schreiber vom Verband Wohneigentum Hessen: „Sollte es stimmen, dass die Käufer Unwahrheiten öffentlich verbreiten, so ist es möglich, dass die LEG den Verkauf rückabwickeln kann.“ Hier würde der von der LEG angeführte Paragraf 324 „Rücktritt wegen Verletzung einer Pflicht nach Paragraf 241 Abschnitt 2“ greifen. Dieser erlaube es einer Partei, von einem Vertrag zurückzutreten, wenn der Vertragspartner gegen dessen Interessen handele. Laut Schreiber müsse jedoch erst geklärt werden, ob es sich bei den öffentlichen Aussagen der Käufer tatsächlich um Falschaussagen handele. Hierfür müsse eine unbeteiligte Partei den gesamten Vorgang prüfen. Erst nach dieser Prüfung könnte der besagte Paragraf greifen. „Ich gehe davon aus, dass es in diesem Fall zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen wird“, fügte Schreiber hinzu.

Das gesamte Schreiben der LEG liegt der Redaktion vor.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © Jan Max Gepperth

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