Hanaus ehrgeizigstes und größtes Wohnbauprojekt

Entwicklung der Pionier-Kaserne: „Das wird das Meisterstück“

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Die Stadt will die Pioneer-Kaserne nebst Triangle Housing (links von der Aschaffenburger Straße/B 8) kaufen und mit privaten Investoren zu einem neuen großen Wohnquartier entwickeln. Die gegenüberliegenden Blocks der Sportsfield Housing (rechts) werden auf absehbare Zeit als Flüchtlingsunterkünfte benötigt.

Hanau - In den nächsten Jahren sollen in Hanau 3 000 neue Wohneinheiten entstehen, die Stadt um 6000 Einwohner wachsen. Bis Ende des Jahrzehnts will man die 100.000-Einwohner-Marke knacken, hat OB Claus Kaminsky (SPD) als Ziel ausgegeben. Von Christian Spindler

Das ehrgeizigste Projekt ist die Umwandlung der Pioneer-Kaserne in Wolfgang, der größten früheren Militärfläche, in ein Wohngebiet. Nach etlichen Verzögerungen ist der Kaufvertrag zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und der Stadt für das 47,5 Hektar große Areal jetzt unterschriftsreif.

Was ist geplant?

Auf dem Pioneer-Gelände und der angrenzenden Triangle Housing sind 700 neue Wohneinheiten vorgesehen. Angestrebt sei „eine breite soziale Mischung“ der künftigen Bewohner, so Kaminsky bei einer parlamentarischen Ausschusssitzung. Nach einem ersten Konzept des Architekten Klaus Heim soll die markante Fächerform der Bebauung auf dem Pioneer-Gelände, wo jetzt abrissreife Werkstätten, Hallen und Baracken stehen, erhalten bleiben. Auf 140 Grundstücken sind Einfamilien- und Reihenhäuser geplant, im übrigen Teil Stadtvillen mit mehreren Wohnungen sowie Geschosswohnungsbau. Die großen Blocks an der Aschaffenburger Straße („Die zehn Brüder“) sollen für Wohnungen und auch für Gewerberäume genutzt werden.

Was passiert mit den Blocks auf Triangle Housing?

Nicht alle werden umgebaut. Einige will man abreißen. Aus dem Abbruchmaterial könnte ein begrünter Lärmschutzwall an B8 bzw. B43a errichtet werden. Eine Architekten-Idee: Ein Aussichtsturm auf dem Wall.

Warum kauft die Stadt bzw. die städtische Bauprojekt Hanau GmbH das Kaserneareal?

Die Stadt will zum einen lange bei der Entwicklung des neuen Quartiers „entscheidend mitwirken“ (Kaminsky), zum anderen aus dem Gewinn beim Wiederverkauf von Flächen die gesamte Infrastruktur in dem Gebiet finanzieren - vom Straßen- bis zum Kita-Bau.

Wie soll das ablaufen?

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An dem gesellschaftsrechtlichen Konstrukt tüfteln derzeit die Anwälte. Grundidee: Die Stadt will einen privaten Investor „als Partner für die Entwicklung des Gesamtareals“ ins Boot holen, so Dr. Olaf Otting. Mit ihm zusammen sollen Abbrucharbeiten und Erschließung vorgenommen und der Weiterverkauf von Grundstücken an Investoren erfolgen, die dann tatsächlich bauen. Von Anfang an sollen private Unternehmen auch schon das Kaufpreisrisiko mit übernehmen, sagt Rechtsanwalt Harald Nickel. Die Stadt, die quasi als Zwischenhändler fungiert, will sich sukzessive aus dem Projekt zurückziehen, aber Einfluss auf die Art der Bebauung haben und könnte in Einzelfällen sogar Vorgaben bis hin zum Mietpreis machen, erläuterte der Anwalt.

Gibt es private Investoren, die einsteigen wollen?

Stadtentwickler Martin Bieberle hat immer wieder betont, dass es großes Interesse gebe. Bei der jüngsten Ausschusssitzung waren auch etliche Investoren als Zuhörer vertreten. Mit dem Projekt Pioneer-Kaserne will die Stadt erstmals selbst in Entwicklung und Vermarktung eines Kasernenareals einsteigen. Bieberle: „Das wird unsere Meisterstück.“

Wie hoch ist der Kaufpreis, den die Bauprojekt GmbH an die BImA zahlen soll?

Darüber wurde auch im Hinblick auf den Weiterverkauf Stillschweigen vereinbart. Vertreter der Stadt und von ihr beauftragte Experten sprechen von einem „superfairen“ und einem „guten Preis“. Eine vom Stadtparlament für die Bauprojekt GmBH zur Verfügung gestellte Bürgschaft von 12 Millionen werde „sehr deutlich unterschritten“, so Kaminsky.

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Gibt es Zuschüsse für das Gesamtprojekt?

Damit rechnet die Stadt, die sich bereits für das Bundesprogramm Stadtumbau „Prima Klima“ beworben hat, mit dem innovative energetische Projekte auf dem Pioneer-Areal gefördert werden sollen. Man erwarte „erhebliche Millionenbeträge“, heißt es.

Wie geht es nun weiter?

Der Kaufvertrag muss beim Notar beurkundet werden und mit einer europaweiten Ausschreibung soll ab April ein Entwicklungspartner gesucht werden.

Wann kann gebaut werden?

Das baurechtliche Verfahren mit den Beschlüssen der städtischen Gremien dürfte mindestens 18 Monate dauern. Die eigentlichen Bauarbeiten könnten wohl 2018 starten, heißt es, und 2020 die ersten Bewohner einziehen.

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