Lösung fürs Sorgenkind?

Riesiges Rechenzentrum auf Gelände der Großauheim-Kaserne?

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Es wurde schon viel ventiliert, was man mit der Großauheim-Kaserne (gelber Pfeil) anfangen könnte. Die skurrilste Idee war, dort riesige Tomaten-Gewächshäuser zu bauen, die mit der Abwärme des Kraftwerks Staudinger beheizt werden sollten. Das wurde verworfen. Der Plan, auf dem Kasernengelände ein riesiges Rechenzentrum zu bauen, hat mehr Aussicht auf Erfolg.

Großauheim -  Wird die seit dem Abzug der Amerikaner weitgehend ungenutzte, 38,5 Hektar große Großauheim-Kaserne Standort eines riesigen Rechenzentrums? Vieles deutet darauf hin. Von Dirk Iding 

Bei der Stadt Hanau zeigt man sich jedenfalls offen für derartige Überlegungen des Immobilienentwicklers P3. „Das wäre eine große Chance für Hanau“, meint Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle.
Die Großauheim-Kaserne hat sich in den letzten Jahren zu so etwas wie dem Sorgenkind bei der Konversion ehemals militärisch genutzter Flächen in Hanau entwickelt. Neben der benachbarten rund sechs Hektar großen Underwood-Kaserne ist die Großauheim-Kaserne die letzte ehemalige US-Liegenschaft in der Brüder-Grimm-Stadt, für die es bislang noch keine Folgenutzung gibt. Nachdem unlängst bekannt wurde, dass die Stadt Hanau darüber nachdenkt, im Bereich der Underwood-Kaserne eventuell städtische Betriebe, etwa den Bauhof, anzusiedeln (wir berichteten), wurden nun auch Überlegungen hinsichtlich des Baus eines großen Rechenzentrums auf dem Gelände der Großauheim-Kaserne publik.

Dieses Großprojekt wird offenbar schon seit Monaten zwischen Projektentwickler P3, der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA) als Eigentümerin des Kasernengeländes und der Stadt Hanau, die die Planungshoheit hat, diskutiert. Das bestätigten gestern Stadtentwickler Martin Bieberle und die städtische Wirtschaftsförderin Erika Schulte. „Allerdings“, so Bieberle, „ist noch nichts in trockenen Tüchern.“

Für die BImA und die Stadt Hanau ist der Projektentwickler P3 kein Unbekannter. Ursprünglich wollte das Unternehmen auf dem Gelände der Großauheim-Kaserne einen großen Logistikpark entwickeln. Das scheiterte aber am Veto der Stadt wegen der zu erwartenden hohen Verkehrsbelastung. „Eine logistische Nutzung an dieser Stelle im Sinne eines 24 Stunden-Betriebs an sieben Tagen die Woche, wie es geplant war, wurde von uns von vorne herein ausgeschlossen,“ erklärte Bieberle.

Eines der Unternehmen, mit denen P3 bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat und das wohl auch als Nutzer des Logistikparks in Frage gekommen wäre, ist Amazon. Und Amazon könnte nun wohl auch einer der potenziellen Mieter in dem angedachten Rechenzentrum sein.

Nach Informationen unserer Zeitung würde das Rechenzentrum aus insgesamt fünf riesigen Neubauten bestehen, von denen Amazon nur einen Teil nutzen würde. Bei der Stadt Hanau geht man davon aus, dass im Endausbau des Rechenzentrums bis zu 250 Arbeitsplätze entstehen könnten.

Das ist angesichts der enormen Größe der Großauheim-Kaserne mit fast 40 Hektar zwar kein überwältigender Wert, allerdings weist Stadtentwickler Martin Bieberle auf die „nicht unproblematische Standortbegabung“ des Areals an der Depotstraße hin, insbesondere hinsichtlich der verkehrlichen Erreichbarkeit. Das, so habe die Vergangenheit gezeigt, erschwere eine gewerbliche Entwicklung des Geländes, das allerdings auch als Wohnstandort nicht in Frage komme. Bei einem Rechenzentrum hingegen spielen Verkehrsfragen allenfalls eine untergeordnete Rolle.

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Und Hanaus Wirtschaftsförderin Erika Schule verweist auf die Chancen, die sich aus einer solchen Ansiedlung ergeben könnten. „Ein solches Rechenzentrum könnte natürlich auch IT-Dienstleister und andere IT-affine Unternehmen anziehen“, sagt Schulte. Ein solches Projekt würde die Hanauer Wirtschaftsförderung „ganz sicher begrüßen“.

Und auch bei den Stadtwerken und der Hanau Netz GmbH wird man die Entwicklung sicherlich gespannt verfolgen. Denn der Energiebedarf und die damit verbundene technische Infrastruktur für ein solches Rechenzentrum wäre enorm. Laut Insidern soll der Stromverbrauch eines solchen Zentrums rund doppelt so hoch sein wie der von ganz Hanau.

Stadtentwickler Martin Bieberle geht davon aus, dass man mit dem Projekt direkt nach der Sommerpause in die parlamentarischen Gremien geht. Die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens könne möglicherweise schon im September erfolgen. „Das“, so Bieberle, „ist allerdings ein sehr ambitioniertes Ziel.“

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