Gefahr am Nordbahnhof

Plakataktion von Polizei, Bahn und Strassenengeln: Betreten der Gleise verboten

Mit einem Banner wollen Polizei, Deutsche Bahn und der Verein Strassenengel auf die Gefahr aufmerksam machen, die ein Überqueren der Gleise birgt. Zusätzlich patrouilliert die Polizei.
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Mit einem Banner wollen Polizei, Deutsche Bahn und der Verein Strassenengel auf die Gefahr aufmerksam machen, die ein Überqueren der Gleise birgt. Zusätzlich patrouilliert die Polizei.

Ein Güterzug passiert den Nordbahnhof. Mit 90 Stundenkilometer prescht er an wartenden Fahrgästen vorbei. Sein Kommen kündigt sich akustisch spät an. Erst kurz vor dem Erreichen der Bahnhofsplattform sind die schweren Eisenwaggons samt Lok zu hören. Ein Umstand, der zum tödlichen Verhängnis werden kann.

Hanau – Denn unerlaubte Gleisüberschreitungen sind am Nordbahnhof an der Tagesordnung. Und der Bremsweg eines solchen Zuges ist lang. Erst nach 1000 Metern kommt er zum Stehen. „Vor allem Jugendliche wählen leider allzu oft den direkten Weg über die Gleise, satt wie vorgesehen, die Unterführung zu nutzen“, erläutert Ronald Wachsmuth. Er ist bei der Deutschen Bahn für die Bereiche Prävention und Sicherheit verantwortlich und berichtet von um die 20 gezählten unerlaubten Gleisüberschreitungen täglich. „Und das in Zeiten des Corona-Lockdowns“, betont der Eisenbahner.

Es seien – vor Corona – vor allem Schüler der Hohen Landesschule gewesen, die immer wieder aufgefallen waren. Daraufhin wandte sich die Deutsche Bahn an die Schulleitung, die zusicherte, ein Gespräch mit den Schülern zu führen. Zudem bieten die Deutsche Bahn in Kooperation mit der Polizei an den Schulen Präventionsunterricht an und wollen dies auch weiterhin tun. „Durch die Coronasituation haben wir zwar derzeit kaum Schülerverkehr, Verstöße verzeichnen wir aber nach wie vor“, so Wachsmuth.

Die Bundespolizei hat daraufhin mit verstärkten Kontrollen im Bereich des Nordbahnhofs begonnen. „Wir führen Präventionsgespräche vor Ort, belehren diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen haben, versuchen zu sensibilisieren“, berichtet Christian Förster, bei der Bundespolizei verantwortlich für Kriminalprävention. „Es ist ein Problem, dass uns leider seit vielen Jahren begleitet. Man muss die Leute ganz deutlich auf die Lebensgefahr, in die sie sich begeben, hinweisen. Denn der Zug kommt fast geräuschlos heran, ist von einer auf die andere Sekunde da. Das kann zum Verhängnis werden.“

Jetzt soll ein großes Transparent auf die Lebensgefahr aufmerksam machen, in die sich Menschen, die die Gleise überqueren, in der Annahme, dadurch eine Abkürzung zu nehmen.

Gestern wurde das große Banner, als erstes in ganz Hessen, am Nordbahnhof angebracht. Weitere sollen, über das ganze Bundesland verteilt, an prägnanten Stellen folgen. Bereits aus dem Zugfenster heraus fällt dann der Blick der Bahnreisenden auf das Transparent und macht auf die Gefahr aufmerksam.

Sabine Assmann, Vorsitzende des Vereins Strassenengel, der sich am Nordbahnhof um Obdachlose kümmert, berichtet von täglich zu beobachtenden Verstößen. „Da hinten gibt es mittlerweile einen regelrechten Trampelpfad über die Gleise, der von den Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen, genutzt wird“, sagt sie und betont, dass sie immer wieder versuche, mit den Menschen, die sich durch das Überqueren der Gleise in Lebensgefahr bringen, ins Gespräch zu kommen. „Ich bin bei diesem Thema sehr sensibel; wir haben einen unserer Obdachlosen durch einen Unfall im Gleisbett verloren. Deshalb spreche ich die Leute an, frage sie, ob sie wissen, in welche Gefahr sie sich bringen. Aber die meisten hören gar nicht richtig zu oder werden frech.“

Manche, so sagt DB-Mann Wachsmuth, meinten den Fahrplan zu kennen und würden sich dadurch beim Überqueren der Gleise in Sicherheit wiegen. „Man muss aber immer mit Fahrplanänderungen oder Umleitungen rechnen und dadurch mit zusätzlichem Zugverkehr“, erläutert er. Andere kümmerten sich gar nicht um mögliche herannahende Züge. „Sie schauen teilweise gar nicht nach links oder rechts, sondern nur auf ihr Handy. Dazu schotten Kopfhörer sie akustisch komplett von der Außenwelt ab.“

Der Weg durch die Unterführung mache vielleicht fünf bis zehn Sekunden mehr aus, schätzt Wachsmuth. Von einem Umweg könne also gar keine Rede sein. Und selbst wenn – für die Sicherheit und Unversehrtheit des eigenen Lebens sollte er unbedingt in Kauf genommen werden.

(Kerstin Biehl)

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