Gesellschaft

Plastikentchen zum Eintritt: Auch in Zeiten von Corona findet wöchentlicher Flohmarkt in Steinheim statt

Sammelt Uhren und Briefmarken und greift auch schon mal zur Gitarre: Der Mühlheimer Hans-Jürgen Roth.
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Sammelt Uhren und Briefmarken und greift auch schon mal zur Gitarre: Der Mühlheimer Hans-Jürgen Roth.

Steinheim – Sie kommen zumeist aus der Region, manche reisen aber auch von weiter her an: Gut 50 Händlerinnen und Händler hatten am Samstag auf dem Parkplatz des SB-Sconto Möbelmarkts an der Otto-Hahn-Straße in Steinheim rund um ihre Autos und Wohnmobile Trödelmarktstände aufgebaut. Jeden Samstag findet dort ein Flohmarkt statt – auch in Zeiten von Corona.

„Ich mag die ungezwungene Atmosphäre hier. Es ist etwas völlig Anderes als in Geschäften einkaufen zu gehen. Man kann in Kisten wühlen, an Tischen und Ständen stöbern“, sagt Monika Mädler, eine Stammkundin des Flohmarkts aus Wolfgang. „Ich kenne hier inzwischen viele Leute, man kann sich nett unterhalten, auch mit Leuten, die man lange nicht mehr gesehen hat“, erzählt die begeisterte Flohmarktgängerin, die diesmal einige DVDs mit John Wayne-Western für wenige Euros erstanden hat. Auch eine weiße Schürze und eine Kette mit Anhänger hat die Wolfgängerin heute schon gekauft. Stolz zeigt sie ihre „Schnäppchen“ und lacht.

Mund-Nasen-Schutz ist in Zeiten von Corona für alle Flohmarkt-Besucher obligatorisch – und alle halten sich daran ohne zu murren. Maximal 100 Flohmarktfans dürfen gleichzeitig auf den mit einem Zaun rundherum abgesperrten Platz. Vor wenigen Tagen waren noch 250 Kunden gleichzeitig erlaubt, doch dann traten in Hanau wegen der ansteigenden Infektionszahlen schärfere Auflagen in Kraft.

Jeder Flohmarktbesucher bekommt am Zugang – nachdem er seine Daten in eine Liste eingetragen hat – ein gelbes Plastikentchen, das er beim Verlassen des Platzes wieder zurückgeben muss. „So können wir jederzeit sagen, wie viele Menschen sich auf dem Gelände befinden. Gelbe Entchen fanden wir einfach eine originelle Idee“, sagen die Flohmarkt-Veranstalter Heinz und Jens Ledergerber. Und nach der Rückgabe werden die Entchen selbstverständlich vor der nächsten Ausgabe desinfiziert.

Monika Mädler aus Wolfgang gehört zu den Stammkundinnen auf dem Steinheimer Flohmarkt.

Etliche Flohmarktbesucher handeln nach der Devise: Der frühe Vogel fängt den Wurm. „Manche Käuferinnen und Käufer sind heute morgen so früh gekommen, dass sie das Warenangebot mit ihrer Taschenlampe in Augenschein nehmen mussten.“ Schließlich öffnet der Flohmarkt bereits morgens um sechs Uhr. Um 14 Uhr ist Feierabend.

Die Flohmarkt-Organisatoren sind stolz darauf, dass unter den 50 Beschickern nur zwei sind, die Neuwaren verkaufen. Der Rest verkauft Gebrauchtes. „Wir möchten ja ganz bewusst einen Trödelmarkt,“ sagt Heinz Ledergerber

Für Flohmarkt-Gängerin Monika Mädler ist neben dem geselligen Aspekt auch die Livemusik ein Argument für ihren Flohmarktbesuch. „Öfters spielt hier mal jemand auf seiner Gitarre, das ist so schön“, strahlt sie.

An diesem Morgen ist es Hans-Jürgen Roth aus Mühlheim, der seine Gitarre auspackt und auf seinem Campingstuhl sitzend, den ESC-Siegersong „Halleluja“ anstimmt - natürlich auch er mit Mund-Nasen-Schutz. Und singt er mal nicht, gibt der Senior aus der Mühlenstadt bereitwillig Auskunft zu seiner Uhren- und Briefmarkensammlung, die er feilbietet. Hin und wieder repariert er sogar Uhren vor Ort oder tauscht Batterien aus.

Auch in Coronazeiten findet jeden Samstag auf dem Parkplatz des Sconto SB-Möbelmarktes in Steinheim ein Trödelmarkt statt. Rund 50 Händlerinnen und Händler beteiligen sich daran regelmäßig.

„Beim ersten Flohmarkt nach dem Corona-Lockdown am 23. Mai hatten wir hier gerade mal 13 Standbeschicker, von Woche zu Woche wurden es stetig mehr – auch weil viele in der freien Zeit ihre Keller aufgeräumt haben“, berichtet Jens Ledergerber.

Manchen treibe durchaus auch finanzielle Not an: „Manche Rentner haben kein Geld mehr. Sie verkaufen hier einen Teil ihres Hausstands, um gleich nebenan im Rondo Lebensmittel zu kaufen“, haben die Ledergerbers festgestellt.

Bis vor Kurzem hatten die Ledergerbers noch einen zweiten Flohmarkt im unterfränkischen Mainaschaff organisiert. „Derzeit aber nicht. In Mainaschaff müssten wir das Gelände laut aktueller Vorgabe mit einem massiven Bauzaun umgrenzen. Das wäre viel zu teuer und völlig unrentabel“, konzentriert sich das Vater-Sohn-Gespann derzeit deshalb allein auf den Steinheimer Flohmarkt.

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