Zur Sterbebegleitung gehört auch Humor

Darf in einem Hospiz gelacht werden?

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Fernsehmoderator Philipp Engel (Mitte) leitete die Diskussion zum Thema Humor in der Hospizarbeit. Dazu waren rund 60 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer ins Szenelokal „Brückenkopf“ gekommen.

Hanau - Der Tod und das Sterben sind eine ernste Sache. Aber darf angesichts des Todes auch gelacht werden? Ist Humor beispielsweise in einem Hospiz angebracht? Von Dieter Kögel 

Und dürfen ehrenamtliche Sterbebegleiter auch mal einen Witz machen? Darum ging es am Donnerstagabend bei einer Diskussion im Szenelokal „Brückenkopf“. Die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst Hanau / Main-Kinzig hatte zu dem Gespräch im Rahmen des Lesefestivals „Hanau liest ein Buch“ eingeladen.
Um es gleich vorwegzunehmen:  Humor und Lachen gehören zur Hospizarbeit. Darin waren sich alle vier Diskutanten einig, die im Brückenkopf unter der Moderation von HR-Journalist Philipp Engel vor rund 60 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern zum Thema „Humor in der Hospizarbeit“ austauschten.

Prominenter Gast in der Runde war Susann Pasztor, Autorin des Buches „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster,“ das seit vergangener Woche im Rahmen des Lesefestes „Hanau liest ein Buch“ an mehr als 100 Orten in der Stadt öffentlich gelesen und vorgelesen wird. Erzählt wird in dem Roman die berührende Geschichte des ehrenamtlichen Hospizhelfers Fred, der in seinem ersten „Fall“ die krebskranke Karla auf der letzten Strecke ihres Weges zusammen mit seinem Sohn Phil begleitet. Doch trotz des ernsten Themas strahlt die Geschichte eine gewisse Leichtigkeit aus, es geht weniger ums Sterben, als viel mehr ums Leben und wie die Zeit sinnvoll gefüllt werden kann, die noch bleibt.

Das Buch sei ein wichtiger Beitrag dazu, „Vorurteile, Hemmschwellen und Ängste zu überwinden,“ lobte Tobias Kämpf, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, in seiner Begrüßung. Und Susann Pasztor weiß als ehrenamtliche Sterbebegleiterin ganz genau, worüber sie schreibt. Und sie weiß auch: „Der Humor in der Hospizarbeit, der ist einfach nur da.“ Ganz einfach, weil Humor Teil des Lebens sei, und das auch in den letzten Stunden oder Tagen.

Erstes Mehrgenerationen-Hospiz in Deutschland eröffnet

Aber bei Humor gehe es nicht darum, „Witze zu erzählen oder den Kasper zu machen,“ betonte Annette Böhmer, Leiterin der AG Hospizdienst. „Der Tod beschäftigt uns ganz klar. Aber es geht ums Leben. Und da gehören Humor und ein Lachen einfach dazu,“ ergänzte Frank Hieret, Leiter des stationären Hospiz St. Elisabeth in Gelnhausen. Humor sei eine willkommene Möglichkeit, einmal aus der Form der Betroffenheit herauszutreten und einzutreten in einen Raum, „den wir nicht erwartet haben,“ meint Romanautorin Pasztor. Einen Raum der Leichtigkeit, fast Unbeschwertheit. Ein Raum, der für Momente den Ernst der Situation in den Hintergrund treten lasse. „Und wer, wenn nicht die Sterbenden, haben das Recht auf diesen Raum?“

Aber Humor in der Hospizarbeit lasse sich nicht planen, berichtete Hospizbegleiter Stefan Amhofer von seinen Erfahrungen. „Humor ergibt sich einfach in bestimmten Situationen“, wenn der Begleiter eine gewisse „Grundhaltung“ an den Tag lege und über ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl verfüge. Und für Annette Böhmer steht auch fest: „Humorvoll zu sein heißt ja nicht, nicht auch traurig sein zu können.“

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