Nachwuchswerbung in Hanauer Moschee

„Polizei muss vielfältig sein“

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Berichtete aus seinem beruflichen Alltag: Polizeikommissar Ferhan Inhalbars, der in Offenbach auf Streife geht.

Hanau - Bundes- und Landespolizei setzen bei der Nachwuchswerbung auch auf junge Menschen mit Migrationshintergrund. Junge Leute, die sowohl die Muttersprache ihrer Eltern beherrschen als auch Deutsch. Von Dieter Kögel 

Genau um diese Klientel warb die Polizei auch bei einer Veranstaltung in der Hanauer DITIP-Moschee. Auf Einladung der Jugendabteilung der Hanauer DITIP-Moschee in der Leipziger Straße waren Vertreter von Bundes- und Landespolizei am Samstag zu Gast in den Moscheeräumen, um über Einstellungsverfahren und Arbeit zu informieren. Erstmals taten sie das gemeinsam. Doch Polizeihauptkommissarin Julia Grygas, die als Bundespolizistin am Frankfurter Flughafen Dienst tut, stellte gleich am Anfang der Infoveranstaltung klar: „Das ist keine Konkurrenz.“ Beide, Landes- und Bundespolizei, bräuchten die Kompetenz der junge Leute, auch wenn die Aufgabenstellungen verschieden seien.

In der DETIP Moschee warb Julia Grygas um Nachwuchs für die Bundespolizei. Sie versieht ihren Dienst am Frankfurter Flughafen.

Während Julia Grygas am Flughafen unter anderem ein Auge auf möglicherweise gefälschte Ausweispapiere von Einreisenden hat, fährt der gebürtige Hanauer Polizeikommissar Ferhan Inhalbars Streife in Offenbach. Julia Grygas hat polnische Wurzeln und empfängt Polen am Flughafen deshalb auch schon mal in ihrer Landessprache. Kommissar Inhalbars spricht türkisch und kommt damit da weiter, wo seine deutschen Kollegen mitunter ratlos sind. „Wenn die spüren, dass man ihre Sprache versteht, dann treten die auch ganz anders auf,“ weiß Ferhan Inhalbar aus seiner beruflichen Erfahrung. Auch wenn die zwölf Stunden Dienst am Tag oft schlauchen und es häufig nicht bei den zwölf Stunden bleibt. „Mit der Zeit nehmen wir es nicht so genau,“ räumt Inhalbars ein. Dennoch, für Julia Grygas und Ferhan Inhalbars ist der Polizeiberuf ein Traumberuf, für den sie am Samstag auch die jungen Leute im Saal begeistern wollten. Und konnten. Allerdings: Während bei der Bundespolizei immer noch die deutsche Staatsbürgerschaft Bedingung für die Aufnahme in den Dienst ist, können Bewerber bei der Landespolizei auch mit einem anderen Pass in Dienst gestellt werden.

Es wird nichts geschenkt

„In einer vielfältigen Gesellschaft muss auch die Polizei vielfältige Wege gehen,“ meint auch Semra Altun, Migrationsbeauftragte des Polizeipräsidiums Südosthessen. Sie stellte fest, dass die hessischen Polizei längst „interkulturell“ geworden ist. Rund 2,2 Prozent der Beamten bei der Landespolizei in Hessen hätten einen Migrationshintergrund, 17 Migrationsbeauftragte im Hessen würden die Entwicklung vorantreiben und für den hessischen Polizeidienst werben. Und wieder waren es Julia Grygas und Ferhan Inhalbars, die die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten im Polizeidienst von Bund und Land schmackhaft machten. Denn neben einer nicht unattraktiven Bezahlung seien bei der Bundespolizei Tätigkeiten im Ausland ebenso möglich wie Personen- oder Objektschutz im Inland, oder sogar die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten in der Fliegerstaffel.

Geschenkt wird den Anwärtern freilich nichts, auch darin waren sich die Referenten einig, die sich nach ihren Ausführungen den Fragen der Gäste stellten. Beispielsweise ob das Absolvieren der Grundausbildung bei der Bundeswehr Pluspunkte bringe. Nein, meinte Julia Grygas, vielleicht, urteilte Ferhan Inhalbars, weil da schon ein Stück Charakterbildung geleistet werde. Die Bundespolizei stellt übrigens auch Bewerber für den mittleren Polizeidienst ein, bei dem Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung vorhanden sind.

Unbedachte Worte zu Polizisten können kosten

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Im kommenden Jahr will der Hanauer Ausländerbeirat die Referenten erneut einladen, um junge Menschen mit Migrationshintergrund über die beruflichen Möglichkeiten bei Landes- und Bundespolizei zu informieren. „Da kommen wir gerne,“ so Semra Altun.

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