Projekt Stadtteilmütter

Ratgeberin aus dem eigenen Sozialmilieu

+
Meryem Tasan-Özbölük und Heike Lebzien (hinten) mit den Stadtteilmüttern Ayse Eroglu und Febbronia Vitale.

Hanau - Von den guten Erfahrungen der Stadtteilmütter sollen nun auch Familien in den Stadtbezirken Innenstadt und Südost profitieren. Von Erwin Diel

Mit finanzieller Unterstützung der Kathinka-Platzhoff-Stiftung soll das bisher unter der Regie des Vereins „Sprungbrett“ im Lamboy-Tümpelgarten erprobte Pilotprojekt ausgeweitet werden. Bis Jahresende werde eine weitere Gruppe mit drei bis vier Frauen zusammengestellt und geschult, sagten Stiftungs-Geschäftsführer Thorsten Hitzel und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel, der auch zweiter Vorsitzender von „Sprungbrett“ ist, gestern bei einem Pressegespräch. Dort berichteten Projektkoordinatorin Heike Lebzien, ihre Mitarbeiterin Meryem Tasan-Özbölük und die Stadtteilmütter Ayse Eroglu und Febbronia Vitale von ihren Erfahrungen.

Das vor drei Jahre gestartete Vorhaben Stadtteilmütter gelte hessenweit als beispielgebend in Sachen Integrationsarbeit, sagte Weiss-Thiel. Der Begriff steht für Frauen, die selbst im jeweiligen Stadtteil leben und dort vor allem junge Familien auf Hilfsangebote von Stadt oder freien Trägern hinweisen, über Förderprogramme informieren oder auf Freizeitangebote aufmerksam machen. Die Frauen seien nicht selbst in Familien unterstützend tätig, sondern vermittelten in professionelle Hilfen weiter. Oft gehe man an einer Institution vorbei und wisse nicht, was sich dahinter verberge, sagte Ayse Eroglu. Für viele Familien sei es dann hilfreich, sich an jemand aus dem eigenen Kulturkreis wenden zu können, der Bescheid wisse und mit Rat und Tat unterstütze. Etwa 360 Familien im Lamboy-Tümpelgarten haben die Stadtteilmütter seit August 2012 erreicht, in der Mehrzahl Hanauer mit türkischen oder italienischen Wurzeln.

Die Eltern seien daran interessiert, ihre Kinder so gut wie möglich zu unterstützen und zu fördern, sagte Koordinatorin Heike Lebzin, eine Erfahrung, die auch die bisherigen Stadtteilmütter teilen. Oft seien die in Hanau vorhandenen vielfältigen Möglichkeiten aber nicht bekannt. Hier setzten die Stadtteilmütter an. Sie seien über Mundpropaganda schnell in ihrem Quartier bekannt, begegneten den Familien im Alltag, beim Einkaufen oder auf dem Spielplatz. Beim Gespräch stünden dann nicht Probleme im Mittelpunkt, sondern gemeinsame Interessen, was den Zugang erleichtere. Inzwischen werden die Stadtteilmütter auf der Straße angesprochen, weil sich rumgesprochen hat, dass da jemand ist, mit dem man reden kann.

In der sechsmonatigen Schulung lernen die Frauen die Hilfsangebote etwa des Jugendamtes oder anderer Institutionen bei persönlichen Besuchen kennen. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen geben sie dann an andere weiter. Bei Bedarf begleiten sie Familien auch bei Behördengängen oder zu Informationsveranstaltungen von Schulen. Auch die Stadt selbst profitiere von der Arbeit der ehrenamtlich tätigen Stadtteilmütter, sagte Weiss-Thiel. Es gebe Rückmeldungen, wenn im Stadtteil etwas fehle. Einmal pro Woche tauschen sich die Stadtteilmütter untereinander aus. Interessierte Frauen sollten neben Deutsch auch eine der im Stadtteil noch vertretenen Sprache sprechen. Informationen gibt es bei Heike Lebzien von „Sprungbrett“ unter 06181/1805230.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion