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Taxiräuber-Prozess: Dramatische Folgen für überfallene Taxifahrer - "Mein Leben ist zerstört"

Taxis in einer Reihe
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In Hanau und Umgebung wurden Taxifahrer brutal überfallen. Den Tätern wird jetzt der Prozess gemacht.

Im Prozess um die brutalen Überfälle auf Taxifahrer in der Region Hanau haben die Opfer ausgesagt. Die Folgen der Überfälle sind für die Taxifahrer dramatisch.

  • Nächster Prozesstag im Fall der brutalen Überfälle auf Taxifahrer in Hanau und Umgebung
  • Die überfallenen Taxifahrer sagen aus
  • Die Folgen der Überfälle sind für die Opfer dramatisch

Hanau – Vier Taxifahrer haben sie brutal überfallen, um ein paar Hundert Euro zu erbeuten. Das haben die drei jungen Angeklagten im Alter zwischen 16 und 20 Jahren vor der 2. Jugendkammer am Hanauer Landgericht mehr oder minder umfassend gestanden.

Doch es geht diesmal nicht nur ums Geld. Es geht um schwere körperliche oder seelische Folgen dieser Verbrechen. Darüber berichten die Opfer am zweiten Verhandlungstag vor der Kammer unter dem Vorsitz von Richterin Coretta Oberländer.

Taxifahrer identifizieren mutmaßliche Räuber vor Gericht in Hanau

„Der saß auf dem Beifahrersitz, der andere hat hinter mir gesessen“, sagt Herr C., und identifiziert die beiden mutmaßlichen Räuber. Der 71-jährige Taxifahrer ist schon „mehrfach überfallen worden“, wurde mit Waffen bedroht.

„Die haben dann immer das Geld mitgenommen und sind abgehauen“, sagt der Senior, der sein Leben lang Fahrgäste kutschiert hat, zuletzt als Mini-Jobber. Doch das ist vorbei. Seit den frühen Morgenstunden des 3. Januar, mitten in Hanau.

Brutaler Überfall: Taxifahrer droht zu erblinden

„Mein Leben ist zerstört“, berichtet er, „ich habe immer noch Schmerzen – Taxi fahre ich nicht mehr.“ Denn an der Leipziger Straße wird er von „Momo“ (16) und dem 19-jährigen S. ausgeraubt und derart brutal zusammengeschlagen, dass er ein halbes Jahr später immer noch um sein Augenlicht bangen muss.

„Im Gesicht sind auf der rechten Seite alle Knochen kaputt“, sagt er dem Gericht. Zu einer Operation, die ihm von den Ärzten der Uniklinik Frankfurt angeraten wurde, habe er sich noch nicht durchringen können. „Ich habe Angst, mein Augenlicht zu verlieren.“

Prozess um Überfälle auf Taxifahrer: Polizei zeigt schockierende Bilder

Als die Vorsitzende dann die Beweisfotos der Polizei auf die Bildschirme projiziert, stockt vielen im Saal der Atem. Das Gesicht des Opfers ist schrecklich zugerichtet. Das soll S. gewesen sein. „Der andere hat nur das Geld genommen“, sagt der Zeuge.

Sein Sohn ist ebenso erschüttert. Er hat nach dem Verbrechen das Taxi bei der Polizei abgeholt. „Der Wagen war voller Blut. Das sah aus, als ob darin ein Schaf geschlachtet worden ist.“

Nach brutalen Überfällen: Täter entschuldigen sich bei Taxifahrer

Jedes Mal, wenn eines der Opfer ausgesagt hat, melden sich die Angeklagten zu Wort. Die Pflichtverteidiger haben sie gut vorbereitet. „Ich weiß nicht, wie ich das wieder gutmachen kann“, sagt „Momo“, S. stammelt ein „Entschuldigung“ vor sich hin. Immer wieder ist ein „Es tut mir leid“ zu hören.

Die Verteidiger bieten sogar Schmerzensgeldzahlungen an und bitten um Kontodaten der Opfer. Bei Herrn C. haben sie keinen Erfolg. „Das hilft mir und meinem Gesicht nicht“, sagt er sichtlich verbittert.

Taxifahrer haben nach Überfällen Angst

Schwere Folgen haben die Überfälle auch für einen 58-Jährigen aus Maintal, der durch Schläge am Kopf verletzt worden ist. „Schmerzen habe ich keine mehr. Aber ich habe immer noch Angst. Seitdem bin ich nicht mehr Taxi gefahren.“

Sein Kollege aus Gelnhausen sitzt wieder hinter dem Steuer. Vor allem, wenn er in der Nacht Fahrgäste aufnimmt, habe er „ein ungutes Gefühl“. Richterin Oberländer hakt nach, der Zeuge wird konkreter: „Ja, ich habe Angst, aber ich muss ja weiter arbeiten“, so der Gelnhäuser.

Einzig ein 74-jähriger Taxifahrer aus Hanau gibt sich unbeeindruckt. Er sei zwar zum ersten Mal überfallen worden, will das Geschehen aber bereits verarbeitet haben. „Ich bin nicht so zart besaitet.“

Taxifahrer werden von Räubern hinterrücks angegriffen

Alle vier Männer sind jeweils von einem der Räuber hinterrücks in den Schwitzkasten genommen und dann vom Komplizen geschlagen und beraubt worden. Nur der 74-Jährige, der in Langenselbold zum Opfer wird, setzt sich erfolgreich zur Wehr. „Als der letzte von denen aussteigen wollte, habe ich Gas gegeben. Scheinbar hat er es geschafft, noch abzuspringen.“

Von einer weiteren Zeugenaussage ist Richterin Oberländer beeindruckt. „Das ist ja ein riesiges Puzzlespiel für Sie gewesen. Vielen Dank, ich habe keine Fragen mehr“, sagt die Vorsitzende zu dem Kriminalbeamten, der einen tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit gibt.

Polizei: Überfälle auf Taxifahrer wurden immer brutaler

„Wir waren über den Jahreswechsel ganz gut beschäftigt“, gibt der 38-jährige Kriminalhauptkommissar zu Protokoll. Bei den Ermittlern hätten sofort alle Alarmglocken geläutet, denn bereits sehr früh sei erkannt worden, dass es sich bei den Taxiüberfällen um eine Serie handelt. Außerdem seien die „Taten immer brutaler“ geworden.

Doch recht schnell fügen sich die ersten Puzzleteile ineinander. Vor allem als die Beamten des zuständigen Kommissariats 11 ein Smartphone entdecken, das von einem Handyshop angekauft wurde. „Wir haben die Daten ausgewertet und Fotos gefunden“, so der Ansatz. Dann passen auf einmal Funkzellen Einträge, Tatzeiten und Tatkleidung zusammen.

Taxiräuber legen in U-Haft Geständnisse ab

Schließlich werden in Hanau und Neuberg drei Wohnungen durchsucht. Die Beamten werden fündig, die mutmaßlichen Täter kommen in Untersuchungshaft. „Dann wurde es stressig“, meint der Ermittler mit einem Schmunzeln, denn plötzlich hätten „einer nach dem anderen“ Geständnisse abgelegt.

Sogar ein Beutestück ist sichergestellt worden: Das Portemonnaie eines Opfers hatten die Räuber in einen Gully an der Güterbahnhofstraße geworfen. „Zusammen mit der Feuerwehr haben wir es gefunden“, so der Hauptkommissar. 

Prozess um Überfälle auf Taxifahrer: Zuschauer machen illegale Aufnahmen

Neben diesen klaren Aussagen gibt es diesmal auch eine klare Ansage der Vorsitzenden, denn am ersten Verhandlungstag ist vom Zuschauerraum aus verbotener Weise fotografiert worden.

„Diese Fotos sind auch noch auf Instagram veröffentlicht worden“, ärgert sich die Richterin, die kurzerhand alle Handys der Besucher von den Wachtmeistern einsammeln lässt.

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