Neue Ausstellungen im Goldschmiedehaus

Prunkvolle und filigrane Schönheiten

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Eigentlich war der Schwan auf dem Nautiluspokal verloren geglaubt. Nun fand er sich in der Sammlung der ZA wieder, so dass der Pokal erstmals in seiner ganzen Pracht zu sehen ist.  

Hanau - 9.360 Besucher und damit 1.000 mehr als im Vorjahr kamen 2017, im 75. Jubiläumsjahr, ins Deutsche Goldschmiedehaus Hanau. Ein beachtlicher Erfolg, der hoffentlich auch nachhaltig für gesteigerte Aufmerksamkeit für das Angebot des Goldschmiedehauses sorgen wird, wie dessen Leiterin, Dr. Christiane Weber-Stöber, gestern bei der Vorstellung des aktuellen Programms erklärte.  Von Laura Hombach 

Eröffnet wurde der diesjährige Ausstellungsreigen bereits am 18. Januar im Souterrain mit der Ausstellung „unikate - Schmuck Pforzheimer Gestalter“, die noch bis zum 18. März zu sehen ist. Gestern Abend stand die Eröffnung der ersten großen Präsentation im Silbersaal an. Unter dem Titel „Historismus & Jugendstil - Sammlung der Staatlichen Zeichenakademie Hanau“ sind ausgewählte Arbeiten aus dem Bestand der Schule von den 1880er Jahren bis zum Beginn der 1910er Jahre zu sehen.

Prunkvoll gearbeitete Gefäße, wie etwa der Nautiluspokal der Hanauer Firma Neresheimer, glänzen da neben zierlichen Schmuckarbeiten im floralen Jugendstil-Design. Ebenfalls zu sehen sind Originalzeichnungen und Vorlageblätter, nach denen Schmuckstücke gefertigt wurden. Zu verdanken ist die Ausstellung der Vorarbeit von Doris und Gerhard Schulz-Wahle, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die umfangreiche Sammlung der Zeichenakademie zu sichten und zu ordnen.

Ihrem Engagement sei es zu verdanken, dass es nun möglich sei, eine Ausstellung zu eröffnen, die ein Thema hat, erklärte die Leiterin der Zeichenakademie (ZA), Gabriele Jahns-Duttenhöfer, dass in der Sammlung der ZA die Dinge weniger archiviert, als vielmehr als Anschauungsobjekte für die Schüler hinterlegt wurden. Seit den 1880er Jahren, seit denen an der weltweit bedeutenden Ausbildungsstätte auch Schmuck und Silbergerät gefertigt werden, ist so einiges zusammengekommen.Nicht nur Arbeiten von Lehrern und Schülern, sondern auch Arbeiten, die von Firmen oder Museen geschenkt oder angekauft wurden. Zwar gibt es ein Inventarbuch, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, doch häufig fehlen darin Angaben zu Herkunft und Jahreszahl.

Die Suche nach Exponaten und Informationen für die Ausstellung wurde so auch zum „kleinen Krimi“, so Weber-Stöber, weil sich vieles nicht im Detail eruieren ließ. Und bei dem sich so manches Stück auch erst auf den zweiten Blick als Besonderheit erwies. Wie etwa ein winziger Anhänger mit einem tauschierten Niello-Hirsch aus der Wiener Werkstätte von 1910, der für Doris Schulz-Wahle das Highlight der Ausstellung ist.

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Neben den Gefäßen und Schmuckstücken im Stil des Historismus und des Jugendstils ist ein Teil der Ausstellung „Kuriositäten“ gewidmet. Hier findet sich etwa ein Kovsh, ein russisches Trinkgefäß mit Fensteremaille oder Schmuck mit religiösen Motiven. Die Ausstellung „Historismus und Jugendstil“ ist bis zum 26. April zu sehen.

Das Jahresprogramm wartet aber noch mit vielen weiteren Highlights auf, so etwa einer Retrospektive anlässlich des 95. Geburtstags der Künstlerin Ebbe Weiss-Weingart und einer Ausstellung der 7. Hanauer Stadtgoldschmiedin Tabea Reulecke. Neben Vorträgen, Schmuckdiskursen, Sonntagsführungen und Schmuckworkshops für Kinder, sind in diesem Jahr erstmals auch zwei Kultur-Dinner (25. Mai, 14. September) in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum im Angebot. Das ausführliche Programm gibt es unter

www.goldschmiedehaus.com

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