Jens Arndt recherchiert über die Geschichte des Campo Pond

Den Panzern folgten die Pferde

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Schon früher eine Besucherattraktion: Campo Pond zwischen Großauheim und Wolfgang. Heute sind es Führungen zu den die Przewalski-Pferden, die sehr gefragt sind. Vor dem Ersten Weltkrieg waren es Militärübungen, die die Hanauer anlockten. Der Besuch des Exerzierplatzes kostete damals 20 Pfennig.

Hanau - Friedlich grasen Przewalski-Pferde auf Campo Pond, und leistet so ihren Beitrag zum Erhalt der großen Artenvielfalt dort. Doch bevor die Wildpferde kamen, pflügte das amerikanische Militär mit schwerem Gerät durch das heutige Naturschutzgebiet. Von Dieter Kögel

Und die Amis waren nicht die ersten, wie Militärhistoriker Jens Arndt vom Hanauer Geschichtsverein weiß. Er recherchierte über die rund 100-jährige Geschichte des ehemaligen Truppenübungsplatzes. Das Ergebnis seiner umfangreichen Recherchen stellte Jens Arndt am Mittwochabend im Rahmen eines Vortrags zur Ausstellung „Von Hoffnung, Angst und Hunger – Großauheim im Ersten Weltkrieg“ im Museum am Pfortenwingert vor. „Alles war dort Wald“, weiß Arndt. Zumindest bis ins Jahr 1908 hinein. Denn dann wurde auf dem Gelände, das später Campo Pond genannt werden sollte, abgeholzt. Vornehmlich Kiefern waren es, die dem Militär im Wege standen. Weil andere Exerzierplätze in Hanau zu klein geworden waren oder dem Bau neuer Kasernen weichen mussten, musste Ersatz geschaffen werden. Immerhin war die Brüder-Grimm-Stadt zum bedeutenden Standort für die Eisenbahnpioniere geworden. Und die brauchten, ebenso wie andere Truppenteile, ausreichend Platz zum Üben.

Militärhistoriker Jens Arndt referierte im Museum Großauheim.

Für die Hanauer schien das übrigens damals durchaus eine Attraktion gewesen zu sein. Und so wurde der neue Exerzierplatz zwischen Großauheim und Wolfgang sogar zum sonntäglichen Ausflugs-ziel. Besucher, so weiß Jens Arndt, zahlten damals sogar 20 Pfennige Eintritt dafür, die Soldaten auf dem Exerzierplatz in ihren selbst ausgehobenen Schützengräben zu bestaunen. Es war eben noch eine Zeit der allgemeinen Kriegsbegeisterung, während der wohl auch Flugzeuge auf dem Gelände des Exerzierplatzes stationiert gewesen waren.

Nicht weit davon entfernt nahm auch der Großtransporter des Konstrukteurs Brüning langsam Form und Gestalt an, berichtet Arndt. Ein gigantisches Flugzeug, das für den Waren- und Rohstoffnachschub aus den USA gedacht war, um die Seeblockade zu umgehen. Doch der Brüning-Gigant hob nie ab, obwohl er bereits in vielen Einzelteilen gefertigt worden war. Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg schieden die Vereinigten Staaten als Handelspartner fürs deutsche Kaiserreich aus, der Umbau des Brüning-Fliegers zum Bomben tragenden Militärflugzeug erwies sich als nicht machbar, das Projekt geriet in Vergessenheit.

Wie auch nach der Entmilitarisierung Deutschlands in Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg zunächst Ruhe auf dem Exerzierplatz einkehrte. Bis Hitlers Soldaten das Gelände wieder nutzten, um mit Handgranaten und Maschinengewehren zu üben, die Handhabung von Panzerabwehrwaffen zu erlernen, Routine an Geschützen zu erlangen oder sich mit der verheerenden Wirkung von Flammenwerfern vertraut zu machen. „Kriegsspiele“ eben, die nach 1945 auch von den amerikanischen Streitkräften fortgeführt wurden sind. Freilich erst nach der umfangreichen Säuberung des Geländes. Denn auch auf Campo Pond waren während des Zweiten Weltkrieges reichlich Bomben nieder gegangen. Jens Arndts Fotomaterial belegt, dass bei der Beseitigung von Fliegerbomben und Luftminen nicht gerade den heutigen Sicherheitsbestimmungen gemäß gehandelt wurde. Trotzdem blieben größere Unfälle aus.

Und dann rollten sie über den Exerzierplatz, die Amphibienfahrzeuge, Panzer, Schwertransporter der US-Army. Und das in einem Ausmaß, „dass wirklich alles platt gemacht hat“, wie Arndt sagt. In dieser Zeit hat der Exerzierplatz auch seinen neuen Namen Campo Pond bekommen. Denn die amerikanischen Streitkräfte benötigten auch einen Wasserübungsplatz und schufen deshalb einen Teich, den „Pond,“ an dem auch gelagert, also kampiert wurde, „Campo“ eben. In den 80er Jahren übrigens auch zusammen mit Bundeswehrsoldaten bei gemeinsamen Übungen.

Urwildpferde im Hanauer Naturschutzgebiet: Bilder

Doch insgesamt verlor der Truppenübungsplatz zwischen Großauheim und Wolfgang immer mehr an Bedeutung, wurde schließlich mehr für repräsentative Zwecke wie Paraden genutzt und diente zuletzt der 190. Pionierbrigade als Testgelände für neue Waffentechnik.

Dann wurde es endgültig still auf Campo Pond, das bereits 2006 zum besonders schützenswerten FFH-Gebiet erklärt wurde. „Denn das Militär hat dafür gesorgt, dass dort etwas Wertvolleres entstanden ist, als es vorher war“, ergänzte Martin Schroth von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hanau den militärhistorischen Vortrag Arndts. Zunächst belächelt worden sei die Idee, die Przewalski- Wildpferde auf Campo Pond als „Landschaftspfleger“ einzusetzen. Eine Idee allerdings, die mittlerweile zur Erfolgsgeschichte geworden ist und die noch länger fortgeschrieben werden soll. Denn der Vertrag mit dem Bundesforst laufe über 30 Jahre.

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