Puls von Europa

20. Wilhelmsbader Sommernacht begeisterte rund 7500 Besucher

Rund 7500 Besucher, so die Schätzung des Veranstalters, erlebten die 20. Wilhelmsbader Sommernacht mit der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Die 20. Wilhelmsbader Sommernacht stand ganz im Zeichen von Europa - geeint in der Musik. 

Hanau – Musikalisch zelebrierte die Neue Philharmonie Frankfurt das, was die Musik vermag: Verbinden, Einen. Die Klassik dient dazu genauso wie zeitgenössische Kompositionen aus Rock und Pop, wie die rund 60 Musiker am Samstag auf der großen Bühne im Staatspark bei der 20. Wilhelmsbader Sommernacht vor einem begeisterten Publikum unter der Leitung von Dirigent Jens Tröster eindruckvoll unter Beweis stellten.

Stimmungsvolle Illumination 

„Der Puls von Europa schlägt heute Abend in Wilhelmsbad,“ freute sich denn auch Hanaus Stadtrat Thomas Morlock (FDP) in seiner Begrüßung. Die Gäste, Bernd Michel vom Hanauer Veranstaltungsbüro schätzte die Zahl der Besucher auf rund 7 500, sie hatten es sich bereits bequem gemacht. Auf Decken und an Tischen auf den Wiesen im Park, ausgestattet mit Köstlichkeiten aus den mitgebrachten Picknickkörben und Kühltaschen, oder auf den lange im Vorfeld der Sommernacht ausgebuchten über 1600 Stühlen direkt vor der Bühne. Nur Mietliegestühle waren am Veranstaltungsabend gegen Entgelt und Kaution noch zu haben, ebenso wie die Sommernachts-Fanpakete mit Eulenbutton, Programm und stimmungsvoller Illumination. Natürlich in LED-Form. Denn wegen der Trockenheit und Hitze in den vorangegangenen Tagen waren Teelichter oder Kerzen mit offenem Feuer im Park nicht erlaubt.

„Music United – A Symphonic Rock Celebration of Europe,“ lautet der Originaltitel des brandneuen Programms der Neuen Philharmonie Frankfurt, an dem in den letzten Tagen der großen Hitze im Wolfgänger Bürgerhaus unter schweißtreibenden Bedingungen bis zuletzt noch gefeilt worden war. Es begann natürlich standesgemäß mit der Eurovisionshymne.

Ganz im Zeichen Europas stand diesmal die 20. Wilhemsbader Sommernacht.

Die Schauspielerin Rebecca Simoneit-Barum, nach eigenem Bekunden „überzeugte Europäerin,“ führte erstmals durch das Programm und meinte, wer sich in Europa umtue, der komme auch am Eurovision Song Contest nicht vorbei. Keinesfalls unumstritten die internationale Musikshow, aber dennoch grenzüberschreitend. Und die kleine Auswahl mit Songs von ESC-Gewinnern und -Platzierten aus den verschiedenen Jahrzehnten zeigte, dass viele dieser Titel auch ESC-Skeptikern durchaus bekannt sind. 

Bunter Mix aus Musik aus allen Zeiten

Angefangen beim „Bisschen Frieden“ über „Dschingis Khan“ bis hin zu Lenas „Satellite.“ Da fällt „Insieme“ von Toto Cutugno, italienischer ESC-Gewinner aus dem Jahr 1992, mit seinem leidenschaftlichen Appell zur Freundschaft zwischen den Völkern schon äußerst positiv aus der Rolle. Vor allem wenn da auch noch die „Zwei kleinen Italiener“ von Conny Frobes auftauchen oder Stefan Raabs Blödelhymne „Wade Hadde Dude Da“ ins Gedächtnis gerufen wird. Nicht alles, was da wettbewerbsmäßig auf die Zuhörer niederging, war Reklame für Europa. Auch wenn die solistischen Interpretationen von Achim Dürr, Karsten Stiers und Katrin Glenz durchaus überzeugen konnten. Die setzte mit Edith Piafs „Je ne regrette rien“ ohnehin ebenso einen Glanzpunkt wie mit ihrer Version von „Show me the meaning of beeing lonely,“ das vor allem durch die Backstreet Boys bekannt wurde.

Wade hadde du de da? Solist Karsten Stiers

Mit Tschaikowskies Overtüre 1812 wird es kriegerisch zwischen Napoleon und dem Zaren, friedlicher der Ausflug in Rossinis Opernovertüre zum Türken in Italien.

Ravels Bolero leitet die zweite Hälfte des Konzertes ein, bei der die Trommel auf der Bühne den Takt vorgibt und die Musiker spielend aus dem Publikumsbereich auf die Bühne streben. Ein überraschender und spannender Regiegriff, der die Aufmerksamkeit der Gäste gleich wieder wach werden lässt, um nach dem furiosen Finale in Tanzlust zu münden zum Medley der Gipsy Kings mit Bamboleo oder Volare.

Picknick- und Campingatmosphäre im Kurpark, das hat bei der Sommernacht schon Tradition.

Der Weg zu Beethovens „Ode an die Freude“ führt über Rock und Pop. Doch der schöne Götterfunke wird bereits bei Peter Gabriels „Solsbury Hill“ melodisch mit eingebunden, der Text erscheint zum Mitsingen auf der Leinwand, und „alle Menschen werden Brüder.“ Wie schön.

VON DIETER KÖGEL

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