Puppen als Spiegel der Gesellschaft

Gertrud Rosemann 

Hanau - Das Hessische Puppenmuseum im Wilhelsmsbader Arkadenbau wird immer mit dem Namen von Gertrud Rosemann verbunden bleiben. Von Dieter Kögel

Sie war es, die mit Beharrlichkeit und Begeisterung für die Idee auch die Politik auf ihre Seite zog, so dass das Hessische Puppenmuseum 1983 auf zunächst 200 Quadratmetern seine Pforten öffnen konnte. Morgen feiert Gertrud Rosemann, die in Kettwig/Ruhr geboren wurde, ihren 90. Geburtstag. Mit Freunden und Partnern aus der japanischen Partnerstadt Tottori, mit langjährigen Wegbegleitern des Hessischen Museumsverbandes, Repräsentanten der Politik und des Fördervereins - und selbstverständlich mit den Familienmitgliedern wird dann am Samstag, 3. November, im Arkadenbaus feierlich auf den runden Geburtstag angestoßen.

Bereits heute beginnt das einwöchige Programm, mit dem Gertrud Rosemanns Geburtsfest begangen wird. Im Rückblick auf die zurückliegenden Jahre mit ihren zahlreichen Aktivitäten sagt die Jubilarin lächelnd, „es hat großen Spaß gemacht“ und „es war nie langweilig.“ Dabei gehörten Puppen eigentlich nicht zum Kindheitsalltag von Gertrud Rosemann. Ihre erste Porzellanpuppe bekam mit sieben Jahren. Und die wurde während des Schuldienstes der Pädagogin in Ostpreußen in Zeiten des Hungers gegen eine Gans eingetauscht.

Erst 1970 rückten die Puppen wieder in den Fokus, die für die Mutter von vier Söhnen zum „Spiegel der Gesellschaft“ geworden sind. Das Spiel mit Puppen, das Nachahmen der familiären und gesellschaftlichen Gepflogenheiten im Wandel der Zeit gewannen an Interesse. Inzwischen mit der Familie von Duisburg nach Frankfurt umgezogen, begann der Aufbau einer Spielzeug- und Puppensammlung, die in fünf Kellerräumen in Frankfurt lagerte. Neben dem Dienst an der Schule für Kranke an der Uniklinik Frankfurt wuchs nicht nur die Sammlung, sondern auch Gertrud Rosemanns Wissen um die Einordnung der wertvollen Stücke. Über 30 Ausstellungen hat Rosemann bis zur Eröffnung des Puppenmuseums organisiert, ehe die aus Privatbesitz, aus dem niederländischen Handel oder bei Londoner Auktionshäusern erstandenen Stücke zusammen mit dem „Rosemannschen Puppenhaus,“ das sein Aussehen je nach Jahreszeit oder Anlass auch heute noch verändert, einen festen Platz im Arkadenbau bekamen.

Zusammen mit der ehrenamtlich als Museumsleiterin tätigen Gertrud Rosemann hielten 30 ehrenamtliche Helfer und der Förderverein für das Puppenmuseum den Betrieb aufrecht, der vor allem eines bieten sollte: Ein lebendiges Museum. Viele andere Museen hatte Rosemann im Vorfeld besucht. Es war eine „Lehrzeit für die Augen und den Geist“, erinnert sie sich. Eher zufällig kam in diesen Jahren auch der Kontakt mit dem japanischen Tottori zustande, der Initialzündung für Partnerschaften zwischen beiden Städten war und bis heute lebendig ist.

Zahlreiche Ehrungen hat Gertrud Rosemann, die 1987 nach Wilhelmsbad übersiedelte, für ihre Arbeit erhalten. Der Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises 1988, die August-Gaul-Plakette der Stadt 1990, der Landesehrenbrief 1996, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik 1997 oder die Ehrenurkunde für Kunst und Kultur des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst 2001 sind nur einige der Auszeichnungen, zu denen noch etliche aus der Partnerstadt Tottori hinzukamen. Sogar „Heimatbotschafterin der Präfektur Tottori“ ist Gertrud Rosemann - und das auf Lebenszeit.

Die Leitung des Hessischen Puppenmuseums in Wilhelmsbad hat Gertrud Rosemann 1997 abgegeben. Mit einer bezahlten Leiterstelle schien die Zukunft des Hauses gesichert. Zurückgelehnt hat sie sich jedoch in keinster Weise. Die Mitarbeit im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg füllt sie ebenso aus wie ihre Tätigkeit im Arbeitskreis Museumspädagogik des Hessischen Museumsverbands. „Ich habe immer das gemacht, was mir Spaß macht,“ lacht die Jubilarin.

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