Schönste Frauen machen Halt in Hanau

Der Fernseh-Reporter kriegt sein breites Grinsen nicht mehr weg. „Hihi, ich habe gleich mehrere Bilder mit den Queens und mir geschossen. Eins davon wird mein Facebook-Profil-Foto“, kichert er. Dann wandern seine Augen wieder gierig Richtung Tanzfläche. Von Kathrin Rosendorff

Im Zoom 45 schöne Mädchen mit Schärpe, Prinzessinnen-Kleidern und einer Überdosis Make-Up auf den jungen Gesichtchen. Ein Männer-Traum-Termin.

Und zwar: Auf dem Stuhl, vor Bildern, auf der Treppe, auf der Tanzfläche. Zwischendrin müssen sie im Raum hin und her laufen oder synchron Winke-Winke machen.

Generalkonsul erinnert an Karl Lagerfeld

Den Termin lässt sich auch nicht der Hanauer OB Claus Kaminsky nehmen. Der ist sich sicher, dass es in der langen Geschichte dieser Räumlichkeiten, nie so viele schöne Frauen „auf einmal“ gegeben hat. Dann taucht ein Mann mit weißen Haar, schwarzen Anzug und schwarzer Sonnenbrille auf, der irgendwie an Karl Lagerfeld erinnert. Ist er aber nicht. Es ist Peter Stoll, Honorargeneralkonsul von El Salvador in Hanau. Er hat Anteile an der Modelagentur Nova und die Queens in die Grimmstadt eingeladen. „Lieber ein Schloss und ein bisschen Kultur, als das sie wie bei anderen Miss Wahlen in irgendeiner Disko auftreten müssen“, sagt er. Er selbst mag am liebsten den Latino-Typ - wegen „den Mandelaugen und dem Pfeffer im Hintern.“

Ein Keyboard-Entertainer beginnt Shakiras „Waka Waka“ und Kool and the Gangs „Lady’s night“ zu spielen. Die Queens tanzen. Der Honorargeneralkonsul ist Hugh-Hefner-mäßig mittendrin: Er schiebt beim Tanzen sein Becken Richtung Queens nach vorne und startet dann mit ihnen eine Polonaise. Seine Favoriten ist die Queen of Panama. „Leider ist sie zu jung für mich und ich kenne ihre Eltern, die würden mich killen“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

„Mix aus Charme, Präsentation und Größe“

„Wir veranstalten hier kein Wet-T-Shirt-Contest. Unsere Wettbewerbe haben Niveau“, beteuert Wiliam Balser von der Organisation „Queen of the World“, die es seit 22 Jahren gibt und man bitte nicht mit den „Miss-Wahlen“ verwechseln dürfte. Am Freitag entscheidet sich beim Finale am Nürburgring wer die „Queen of the World 2010“ wird. Die Voraussetzung neben Schön-Sein ist, das Alter: 17 bis 27 Jahre alt. Und am Ende entscheide der „Mix aus Charme, Präsentation und Größe.“

„Ich bin froh, dass ich mich nicht zwischen all den 45 bildhübschen Mädchen entscheiden muss“, sagt Sonja Bauer, die dunkelhaarige Heidelbergerin ist die Queen of Germany und „gönnt allen den Sieg“. Warum Deutschland - also sie - gewinnen sollte? Da muss die 24-jährige medizinisch-technische Assistentin kurz überlegen. „Also weil Deutschland schon seit 14 Jahren nicht gewonnen hat und das Finale in Deutschland stattfindet“, so ihr Argument. Sonja wird beim Finale als Nationalkostüm kein Dirndl wie ihre Vorgängerin tragen. Sondern eine Schwarzwaldtracht.

Hoffen aufs Modellbusiness

In rosa Kleidchen und schwarzen Lang-Arm-Handschuhen lächelt die Queen of Singapore. Celestine Tan (22) studiert in London „Finance and Accounting“. „Außerdem tanze ich Tango, spiele Piano, und feiere Weihnachten mit Waisenkindern“, rattert sie ihre Profil-Beschreibung runter. „Man muss auch innerlich schön sein“, sagt sie. Die Queen of Korea Na Hyun Jung nickt zustimmend im stylischen schwarzen Witwen-Hütchen. Sie ist 26, Vollzeitmodel. Englisch kann sie kaum.

Die herzlichste Ausstrahlung hat Franslaine Kazan aus Brasilien (27). In ihrer Heimat arbeitet sie wie ihre spanische Kollegin Gloria Martinez (23) im Fernsehen. Die Spanierin hofft durch den Contest richtig ins Show-und Modellbusiness einzusteigen.

Zwischen den Mädchen läuft der Münchner Mode-Fotograf Jürgen Dommnich umher und sucht potenzielle Models unter den Queens. Er hat schon Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Laetitia Casta vor der Linse inszeniert. Ein paar Namen schreibt er sich auf einen Zettel. Aber Schönheitswettköniginnen seien nicht gleich gute Models, betont er. Viele hätten einfach nicht Foto-Model-Maße oder seien einfach nicht fotogen, fehle es an Ausstrahlung. „Fotomodels müssen schauspielern, nicht nur den Laufsteg geradeaus Laufen können“, betont Dommnich. Eine zweite Claudia oder Naomi sagt er am Ende der Veranstaltung, sei definitiv nicht dabei.

Rubriklistenbild: © dapd

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