Vom Schüler zum Direktor

Rainer Gimplinger ist der neue Schulleiter der Karl-Rehbein-Schule

Einst drückte Rainer Gimplinger selbst die Schulbank an der Karl-Rehbein-Schule – jetzt ist er Schulleiter von Hessens größtem Gymnasium.
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Einst drückte Rainer Gimplinger selbst die Schulbank an der Karl-Rehbein-Schule – jetzt ist er Schulleiter von Hessens größtem Gymnasium.

Hanau – Als vergangenen Mittwoch der Anruf vom Schulamt kam, saß Rainer Gimplinger an seinem Schreibtisch im ersten Stock am Schlosshof. „Doch, ich war überrascht über die Einladung“, sagt der neue Schulleiter von Hessens größtem Gymnasium. Der 54-Jährige sei ins Jacket gesprungen und habe sich auf den Weg ins Lamboyviertel gemacht. Im dortigen Schulamt habe er die „Beauftragung zur Übernahme der Dienstobliegenheiten des Schulleiters an der Karl-Rehbein-Schule“ erhalten.

Die offizielle Besetzung der Stelle erfolgt zum 1. August.

Gimplinger ist fortan der Steuermann für 1900 Schüler und 150 Lehrer, die im Herzen der Grimmstadt lernen und lehren. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, sagt Gimplinger, der selbst an der KRS sein Abitur gemacht hat und als Lehrer 1999 an die Schule gekommen ist und beteuert, wie sehr er sich auf diese neue, große und verantwortungsvolle Aufgabe freue.

Das Lenken und Leiten ist für den gebürtigen Hanauer nichts Neues. Im Leitungsteam der Schule wirkt er seit mehreren Jahren mit. Sein Vorgänger Jürgen Scheuermann hat sein Versprechen, seine Nachfolge sorgsam geregelt und für die seine Schule eine optimale Lösung gefunden zu haben, gehalten. Einen Wermutstropfen muss Gimplinger allerdings schlucken: zum Unterrichten bleibt keine Zeit mehr. Chemie und Sport hat er noch bis ins vergangene Jahr gelehrt, „das lässt ein Haus unserer Größe nun nicht mehr zu.“

Den guten Draht zu den Schülern will Gimplinger dennoch nicht verlieren. Deshalb mischt er sich regelmäßig unter sie. Das Schönste an seinem Beruf sei es, zu Beobachten, was aus den Schülern werde, wie sie sich entwickeln. „Ich gehe über den Pausenhof, stelle mich dazu, rede mit. Mir ist der offene Umgang miteinander wichtig. Die Schüler, aber auch die Eltern und das Kollegium können deshalb auch jederzeit Kontakt mit mir aufnehmen.“ Gerade in der momentanen pandemiegeprägten Situation sei Kommunikation unheimlich wichtig. „Wir sind sehr froh, dass wir unsere Schüler endlich wieder hier haben. Und merken, dass ihnen vor allem die sozialen Kontakte gefehlt haben. Deshalb muss es für sie in erster Linie darum gehen, anzukommen, Kontakte pflegen zu können. An das Schulische müssen wir die Kinder langsam wieder heranführen.“

Die pädagogischen Herausforderungen seien gewaltig und werden sich nur im gemeinsamen Dialog lösen lassen. Deshalb bewertet Gimplinger auch die Entscheidung des Kultusministeriums positiv, wonach den Schulen in Sachen Versetzung ein am Kind orientierter pädagogischer Ermessensspielraum eingeräumt wird.

Mit Blick in die Zukunft zeigt sich Gimplinger zuversichtlich, diese schwierige Zeit zu meistern und die Schüler mit Bedacht und aller nötigen Kraft durch diese schwierige Zeit führen. Als kurzfristiges Ziel seiner neuen Aufgabe nennt Gimplinger, gut aus der Pandemie zu kommen und die an der Rehbein so hoch gehaltenen Bereiche Musik, Sport und Schüleraustausch wieder da hinzuführen, wo sie vor Corona standen.

Mittel- und langfristig hofft Gimplinger auf die so dringende Sanierung der KRS-Depandancen Schlossplatz- und Pestalozzischule. „Der Schulträger kennt die Situation und es gibt positive Signale.“ Den W-Lan-Ausbau und die Digitalisierung gewinnbringend in den Unterricht einzubinden gelte es überdies weiter zu verfolgen. „Ohne digitale Welt funktioniert Schule heutzutage einfach nicht mehr.“

Bleibt dem neuen Schulleiter bei all diesen Aufgaben Zeit für Erholung? „Wenig“, lacht Gimplinger. Sein Tag an der Schule beginnt um 6.30 Uhr mit dem Hochfahren des Computers und dem Anschalten der Kaffeemaschine. „Nach dem ersten Lesen der E-Mails ist der Tag eng getaktet. Und geht meist bis 18 oder 19 Uhr.“ Dann fährt er nach Hause, zur Familie nach Nidderau. Und wird am Gartentor von Golden Retriever Hündin Zita begrüßt. Ein erstes Runterkommen für ihn. Entspannung findet Gimplinger auch auf dem Wasser, im Ruderboot, einer Leidenschaft, die ihn seit Kindesbeinen begleitet.

„Auf dem Wasser finde ich Ruhe und kann regenerieren. Ich habe im Boot ein Team um mich. Ich arbeite gerne mit anderen. Ich bin und war schon immer ein Teamplayer“, sagt der Pädagoge. Und schließt damit den Kreis zu seiner Schule. Denn auch dort funktioniere es nur im Team, nur durch ein wertschätzendes und respektvolles Miteinander, das bereits sein Vorgänger so hoch gehalten hat, das im Leitbild der Schule festgehalten ist und das auch Gimplinger so weiterleben möchte.

Von Kerstin Biehl

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