Zu hohe Betriebskosten

Rehabecken wird geschlossen: TG Hanau sucht nach Alternativen

Für das Rehabecken der Ernst-Sopp-Seniorenresidenz gehen Ende des Jahres die Lichter aus. Die Turngemeinde sucht nun nach einer Alternative. 
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Für das Rehabecken der Ernst-Sopp-Seniorenresidenz gehen Ende des Jahres die Lichter aus. Die Turngemeinde sucht nun nach einer Alternative.

Nach fast 40 Jahren kann die Turngemeinde Hanau (TGH) in Person der Familie Mergenthal und weiterer Übungsleiter das Baby- und Kleinkinderschwimmen nicht mehr im Rehabecken der Ernst-Sopp-Seniorenresidenz auf dem Gelände an der Martin-Luther-Anlage organisieren.

Hanau - Gleichzeitig mit anderen Anbietern, die das Becken ebenfalls nutzen, hat die TGH vor einiger Zeit die Kündigung zum 31. Dezember dieses Jahres zugestellt bekommen. Der Grund: nicht mehr zu stemmende Betriebskosten in Höhe von 180 000 Euro pro Jahr, so die Geschäftsleitung der Martin-Luther-Stiftung. Die TGH strebt nun, laut ihrem Präsidenten Rüdiger Arlt, Gespräche an, um das Schwimmbad für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Mit Petition über 1000 Unterschriften gesammelt

Nachdem es zunächst vordergründig so schien, als ob die Kündigung und die ausschlaggebenden Gründe von den Betroffenen akzeptiert worden seien, so der Eindruck der Geschäftsleitung der Martin-Luther-Stiftung, tauchte plötzlich Anfang des Monats eine von Samuel Mergenthal initiierte, und von weiteren Nutzern Rehasport4you-Hanau e.V. sowie der Selbsthilfegruppe Hanau der Rheuma-Liga Hessen, unterstützte Onlinepetition auf und die Organisatoren machten die Kündigung öffentlich bekannt.

Ziel der Petition, die inzwischen über 1200 Unterstützer unterschrieben haben und die sich an Oberbürgermeister Claus Kaminsky als Adressaten richtet, ist es, die Schließung zu verhindern. In der vorigen Woche hat ein weiteres Gespräch zwischen der Geschäftsleitung der Martin-Luther-Stiftung (MLS), Vertretern der TGH und des Hessischen Schwimmverbands stattgefunden, das aber am Entschluss, das Becken zum Jahresende zu schließen, nichts geändert hat, hieß es von der MLS.

Kosten in Höhe von 180 000 Euro jährlich nicht zu stemmen

Als das Rehabecken Anfang der 80er-Jahre gebaut worden war, nutzten viele Bewohner der Alteneinrichtung das Angebot. Doch inzwischen seien gerade noch fünf Prozent der Nutzer Bewohner des Martin-Luther-Stifts. Da sich die jährlichen reinen Betriebskosten inzwischen auf rund 180 000 Euro summiert hätten, sei aus wirtschaftlicher Sicht und dem Stiftungszweck Betrieb von Altenheimen geschuldet eine Schließung unumgänglich geworden, betonte die Geschäftsleitung.

Inzwischen habe man aber bereits Kontakt zu Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel aufgenommen, um eine Lösung zu finden. Die könnte aber auch so aussehen, dass im Heinrich-Fischer-Bad oder im Lindenaubad – nach abgeschlossener Sanierung – Zeiten für Schwimmstunden der jetzigen Benutzer gesucht werden. Samuel Mergenthal bestätigte im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER, dass von den Benutzern zusammen mit der MLS ein Weg gesucht werde, das Schwimmbad weiter nutzen zu können.

Vereine und Sponsoren könnten Betrieb aufrechterhalten

Die Stadt sei in die Gespräche involviert, denn das Becken in der MLS mit dem 32 Grad warmen Wasser eigne sich ideal für die Zwecke der Nutzer. Man habe auch das Beispiel Großkrotzenburg als mögliche Lösung angesprochen, wo ein Förderverein das kommunale Hallenbad schon vor Jahren in Eigenregie übernommen hat und weiterhin betreibt.

Die TGH sei bemüht und man sei vorsichtig optimistisch, dass es auch mit Hilfe von Sponsoren und der Stadt eine Lösung geben könnte und das Schwimmbecken in der Martin-Luther-Anlage weiterhin von den verschiedenen Vereinen, Organisationen und der Elisabeth-Schmitz-Schule benutzt werden kann.

Seit 40 Jahren bietet die TGH im Becken Schwimmunterricht an

„Wir haben Wartelisten bei Kleinkindern bis zu zwei Jahren, bei Babys bis zu einem halben Jahr. Der Schwimmunterricht ist meiner Meinung nach eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die im Schwimmbad der Martin-Luther-Stiftung seit 40 Jahren ideale Bedingungen vorfindet“, betont TGH-Präsident Rüdiger Arlt.

Seiner Ansicht nach müsse sich deshalb auch die öffentliche Hand finanziell engagieren, seien es Stadt, Kreis oder Land. „Es muss im Interesse diese Institutionen sein, dass Kinder so früh wie möglich Schwimmen lernen, denn die Schulen können diese Aufgabe nur in den seltensten Fällen erfüllen. Und die jährlichen tödlichen Badeunfälle auch in Schwimmbädern mit Kindern und Jugendlichen sprechen eine deutliche Sprache“, fügt Arlt hinzu.

TGH hofft auf finanzielle Mithilfe von Staat oder Sponsoren

Die TGH könne sich im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten am Weiterbetrieb des Schwimmbads beteiligen. Ohne die Mithilfe staatlicher Stellen, der anderen Benutzer und möglicher Sponsoren aber würden die Ausgaben für die Betriebskosten nicht aufzubringen sein.

Der TGH-Präsident setzt darauf, dass es gelingt, alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch zu bringen, um auszuloten, in welcher Form und mit welchen Fördermitteln diese „eminent wichtige Aufgabe“ im Schwimmbad der Martin-Luther-Stiftung über den 31. Dezember hinaus weitergeführt werden kann. „Eine andere Alternative wie ein Umzug in öffentliche Schwimmbäder sehe ich derzeit nicht“, so Arlt.

Auf die finanzielle Seite angesprochen, teilte die Geschäftsleitung der MLS mit, dass zum Beispiel die TGH bis vor drei Jahren eine vierteljährliche Pacht von 2000 Euro gezahlt habe, die dann auf 2600 Euro erhöht worden sei. Auch die anderen Nutzer müssten eine Aufwandsentschädigung für die Nutzung des Schwimmbads bezahlen. Allerdings würden die Einnahmen die Ausgaben nicht annähernd abdecken.

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