Rekord bei Aufklärungsquote

Hanau - Mitunter hilft der Polizei die Dummheit der Täter. Etwa wenn Jugendliche, die einen Altersgenossen „rippen“, nicht nur dessen Handy nehmen, sondern mit der Scheckkarte auch noch das Taschengeldkonto leer räumen - und sich dabei vom Geldautomaten filmen lassen. Von Erwin Diel

Mehr noch als Kommissar Zufall helfen der Polizei aber wissenschaftliche Methoden, um die Fälle den Tätern zuzuordnen, etwa die Sicherung von DNA-Spuren an den Tatorten. Allein bei 392 Diebstahlsdelikten gelang im vergangenen Jahr durch den Erbgutabgleich ein Treffer, sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach, Heinrich Bernhardt, der gestern die Polizeiliche Kriminalstatistik für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis vorstellte.

Laut Statistik hat sich die Sicherheitslage in und um Hanau im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert. Herausragend nannte Bernhardt die Aufklärungsquote, die in Hanau einen historischen Höchststand erreichte: 60,6 Prozent der registrierten Straftaten wurden in 2008 aufgeklärt. Vor 15 Jahren lag die Aufklärungsquote noch bei 37 Prozent. Im Kreisgebiet klärten die Ermittler mit 53,3 Prozent Erfolgsquote gut jeden zweiten Fall.

Den positiven Trend verstärkt ein erheblicher Rückgang bei den angezeigten Straftaten. In Hanau sei mit 8185 registrierten Straftaten der bisher niedrigste Wert erreicht worden. Im Vorjahr waren 663 Fälle mehr angezeigt worden. Im übrigen Main-Kinzig-Kreis fielen die Kriminalitätszahlen deutlich von 14  044 auf nunmehr 13 462 Fälle.

Erfolge meldet die Polizei bei der Bekämpfung von Straßenraub, Einbrüchen und Diebstählen aus Wohnungen oder Kraftfahrzeugen. In Hanau wurden 60 Fälle von Straßenraum registriert, 12 weniger als im Vorjahr. Hier schlage sich eine personelle Verstärkung des Fachkommissariats nieder. Neben älteren Menschen werden zur Hälfte auch Jugendliche Opfer von Straßenraub. Noch immer spiele das „Abrippen“ unter Jugendlichen eine große Rolle, sagte Bernhardt. Dabei erbeuten körperlich überlegene Einzeltäter oder Tätergruppen Handys oder kleinere Geldbeträge. Die Mehrzahl der ermittelten Straßenräuber gehört der Altersgrupe zwischen 16 und 21 Jahren an, die jüngsten Täter sind erst 10 Jahre jung.

Bei den ganz jungen Tätern müsse mehr als bisher einer beginnenden kriminellen Karriere durch gemeinsame Intervention von Polizei, Justiz, Jugendamt und Elternhaus entgegengetreten werden, forderte der Polizeipräsident. Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft in Hanau und mit der Fachstelle Prävention im Rathaus der Brüder-Grimm-Stadt sei in dieser Beziehung vorbildlich.

Insgesamt zugenommen haben in den vergangenen Jahren die Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen, auch wenn nach dem Spitzenwert von 2007 im Folgejahr jetzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Meist handelt es sich um Schlägereien im Umfeld von Festveranstaltungen, Täter und Opfer sind überwiegend Jugendliche. Die Polizei versucht verstärkt mit Präventionsprogramm an Schulen gegenzusteuern.

Auf ein erfreulich niedriges Niveau gesunken ist die Zahl der Wohnungseinbrüche. 181 Einbrüche wurden in Hanau gezählt, 39 weniger als im Vorjahr, im Kreisgebiet nahm die Polizei 352 Einbrüche auf, ein Minus von 95 Fällen. Seit 1995 hat die Polizei mehr als 10 000 Haushalte aufgesucht, und über Sicherungsmaßnahmen an Fenster und Türen informiert. Das „Klinkenputzen“, so Bernhardt, habe sich gelohnt. Die Anteil der Fälle, in denen Einbrecher scheiterten, stieg von unter 30 auf jetzt rund 44 Prozent.

Sorgen bereitet der Polizei das nach wie vor hohe Niveau bei Betrugsstraftaten mit 1572 Fällen in Hanau und 2139 im restlichen Kreisgebiet. Das Internet biete Betrügern ein neues Betätigungsfeld. Erstmals registrierte die Polizei „Skimming“-Fälle. Dabei werden an manipulierten Geldautomaten Daten von EC-Karten ausgespäht.

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