SPD zeigt Solidarität und bezeichnet „Liquidierung als Vertrauensbruch“

Resolution für Zukunft von ABB

Hanau – Die Hanauer SPD-Fraktion hat für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am heutigen Montag eine Resolution zur angekündigten Schließung des Standortes der „Hitachi ABB Power Grids“ in Großauheim eingebracht. Darüber informieren die Sozialdemokraten in einer Pressemeldung.

„Diese Resolution“, so Fraktionschefin Cornelia Gasche und ihr Stellvertreter Thomas Straub, zugleich Vorsitzender der Hanauer SPD, „ist mehr als eine Solidaritätsadresse an die betroffenen Beschäftigten. Wir wollen als politische Entscheidungsträger in Hanau auch deutlich machen, dass wir die angekündigte Standortschließung als einen Vertrauensbruch des Eigentümers Hitachi gegenüber den Beschäftigten sehen.“

Nachdem die Belegschaft in den letzten Jahren immer wieder schmerzhafte Maßnahmen mitgetragen und in Kauf genommen hätten, um die Profitabilität des Standortes und die Zukunft der Arbeitsplätze zu sichern, werde nun eiskalt erklärt, dass der Standort in Sommer 2021 liquidiert werden soll. Kaum drei Monate nach dem Verkauf an die Firma „Hitachi Power Grids“ in Zürich. Die Aussage, man werde ein Zukunftskonzept mit dem Betriebsrat entwickeln, habe nicht einmal ein paar Wochen getragen. Vergangenen Mittwoch hatte die Standortleitung die Beschäftigten über die beabsichtigte Schließung zum 30. Juni 2021 informiert.

„Das ist ein Vertrauensbruch erster Güte“, so Gasche und Straub. Die Annahme liege nahe, dass der Standort nur übernommen wurde, um ihn am Ende platt zu machen. ABB habe indessen den Netto-Erlös aus dem Verkauf von 81 Prozent der Anteile an „Hitachi Power Grids“ vollständig an ihre Aktionäre ausgezahlt. Von den in Rede stehenden 7,6 bis 7,8 Milliarden US-Dollar sei demnach kein Dollar in die Modernisierung und Optimierung der Produktionsprozesse von ABB investiert worden.

„Kapitalstrukturen wurden optimiert, so nennt man derartige Geschäftsgebaren“, verurteilt Straub die Meldungen, wie sie ABB in eigenen Pressemeldungen im Juli 2020 formuliert. „Am Ende bekomme eine Belegschaft, die hoch qualifiziert über viele Jahre den Profit am Standort gesichert hat, den Stuhl vor die Tür gestellt.“

Die angekündigte Schließung sei zugleich auch ein Vertrauensbruch gegenüber der Stadt Hanau als Standortkommune. Der Satz des Verwaltungsratspräsidenten von ABB, Peter Voser, vom Juli dieses Jahres, entlarve sich nun als blanker Zynismus, so Gasche und Straub. Er hatte ausgeführt, „dass ABB mit Hitachi den besten Eigentümer für diesen Geschäftsbereich und seine Weiterentwicklung gefunden habe. Hitachi könne damit auf dem soliden Fundament aufbauen, das ABB für "Power Grids" gelegt habe.“

„Auf der Homepage von Hitachi ist zu lesen, dass sie sich als ‘Soziale Innovatoren’ verstehen. Ein Satz, der in den Ohren der Beschäftigten und der Hanauerinnen und Hanauer nur zynisch klingen kann,“ so Gasche. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Hanauer Stadtverordnetenversammlung am Montag mit überwiegender Mehrheit unserem Resolutionstext anschließen wird“, ist sich Straub sicher.

„Der seit fast 100 Jahren bestehende Traditionsstandort in Großauheim dürfe nicht kalten Renditeinteressen geopfert werden“, so der Großauheimer. „Wir werden die Belegschaft in jeder Weise unterstützen, um die Vernichtung von 500 Arbeitsplätzen verhindern zu helfen“, so Gasche und Straub.  kb

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