Kultur

Rock-Unikat hängt Mikro an den Nagel: Sänger Franz Urso hört bei Second Spring auf

Kein Vatertagsrock bei der Alemannia ohne Second Spring. Leadsänger Franz Urso schätzt, dass er an rund 2000 Konzerten beteiligt war.
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Kein Vatertagsrock bei der Alemannia ohne Second Spring. Leadsänger Franz Urso schätzt, dass er an rund 2000 Konzerten beteiligt war.

Wer in den vergangenen Jahrzehnten auf Festen in der Region unterwegs war, ist ihr sicher schon begegnet: der Rock-Coverband „Second Spring“. Ob Bundesäppelwoifest in Steinheim, Waldfest der Klein-Auheimer Feuerwehr oder Vatertagsrock der Alemannia - Second Spring gehört dazu. Doch die Band muss künftig ohne ihren charismatischen Sänger Franz Urso auskommen. Er werde die Band verlassen, kündigte der Sänger an. Nach 37 Jahren und „aus persönlichen Gründen.“

Steinheim – „Wegen Corona hatten wir dieses Jahr nicht einen Gig, alles wurde abgesagt“, erzählt Franz Urso, dessen Markenzeichen seine wallenden blonden Haare sind. „Ich bin in den letzten Monaten viel Rad gefahren, war mit meiner Sylvia wandern. Es ging auch ohne, ich hab’ die Auftritte nicht vermisst“, erzählt er. Und so reifte in ihm der Entschluss, „einen Schlussstrich unter das Kapitel Second Spring zu ziehen.“

Und was wird dann aus der Band? „Wir sind fest entschlossen weiterzumachen und nach Corona wieder aufzutreten“, sagt Bassist und Band-Organisator Hans Füzy. Auch Holger Schmitt (Schlagzeug), Marc Zahn (Gitarre) und Alex Roda (Gitarre) wollen weitermachen. Bewerbungen für den vakanten Sängerposten gibt es bereits, darunter auch eine Sängerin.

Hanau: Band „Second Spring" gibt es bereits seit 45 Jahren

Franz Urso zieht einen Schlussstrich: 37 Jahre lang war er das Gesicht der Coverband „Second Spring“.

Die Band „Second Spring“ gibt es bereits seit 45 Jahren - Franz Urso war 37 Jahre dabei. Bassist Hans Füzy ist nun mit 35 Band-Jahren der Dienstälteste. Gegründet wurde die Band von Sänger Michael Gadhof. Daneben spielten dessen Bruder Bernd Gadhof (Bass), Klaus Koch (Schlagzeug) sowie die Gitarristen Peter von Eiff und der vor zwei Jahren verstorbene Jupp Imgram.

„Rockröhre“ Franz Urso stieß 1983 zur Band, die bis zu 50 Konzerte jährlich spielte. Gespielt wird eine bunte Mischung aus Rock, Pop, Soul, Funk und „Querbeet“ - nur Schlager haben „Second Spring“ nicht im Repertoire. „Ich habe auch nie gern in deutscher Sprache gesungen, mir liegt das Englische mehr“, grinst der 67-jährige Franz Urso, der seit zwei Jahren Rentner ist. Der gelernte Lithograph war die letzten 14 Jahre seines Berufslebens als selbstständiger Kurierfahrer in ganz Europa unterwegs.

„Second Spring" aus Steinheim (Hanau) spielen pro Konzert um die 40 Titel

„Bei unseren Konzerten haben wir immer um die 40 Musiktitel abgeliefert“, resümiert Franz Urso, dessen blonde Haarfarbe übrigens original ist. Um seine wallende Mähne beneide ihn so mache Frau, erzählt Urso lachend, der sich als Teenie entschließ, seine Haare wachsen zu lassen. Sehr zum Verdruss des Vaters übrigens, der war nämlich Friseur...

„Meine Stimmbänder hatten es mit mir nie leicht, ich habe immer voll gepowert“, erinnert sich der Vater von zwei Söhnen gerne an die großen Konzerte, bei denen die Band vor bis zu 5 000 Fans auftrat – etwa beim Wein- und Harleyfest in Ürzig an der Mosel. „Dort haben wir 15 Jahre in Folge gespielt, es ist eines unserer jährlichen Konzerthighlights, auch mit vielen Fans aus Frankreich, Luxemburg und Belgien“, erzählt Urso.

Steinheim (Hanau): „Second Spring" haben zwei CDs veröffentlicht

Die Zeit mit Second Spring wolle er nicht missen, auch wenn die Gigs zuweilen psychisch wie physisch fordernd waren. Mit „On Broadway“ im Januar 1998 und „Here we go again“ im Juni 2004 hat die Band auch zwei eigene CDs veröffentlicht, und war zudem mit „Pretty Woman“ in der Hanauer CD-Serie „Songs from the neighborhood“ vertreten.

Vor seiner Second-Spring-Zeit hatte Urso bereits bei zwei Bands mitgewirkt. „Mein erster Auftritt war 1970 in der Schülerband „One“ im Saal der Mainterrasse“, erinnerte er sich. Mit 21 Jahren stieß er zur „Active Blues Band“, in der er sechs Jahre sang – unter anderem im legendären Frankfurter „Sinkkasten“. Nach einer Kinderpause folgte dann 1983 der Einstieg bei „Second Spring“. Er schätzt, dass er es im Laufe seines Sängerlebens auf gut 2000 Konzerte gebracht hat. Jetzt will es der 67-Jährige ruhiger angehen, will sich seinen anderen Hobbies, dem Reisen und Fotografieren, widmen - und vor allem seinen vier Enkeln.

Von Holger Hackendahl

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