Mitnahme auf Abruf

Rufbus für Klein-Auheim und Großauheim geplant

Die HSB-Linie 6 verbindet über die Limesbrücke Klein- und Großauheim. Weil die Nachfrage gering ist, soll die Linie geändert werden. Nur noch zu Schülerverkehrszeiten sollen Busse fahren, ansonsten ist ein Abruf-System mit Kleinbussen geplant. Foto: Iding

Hanau - Angesichts des rasanten Wachstums der Stadt wird auch das Busnetz in Hanau Veränderungen erfahren. Es gilt, neue Wohngebiete anzubinden. „Wir müssen Verkehr aber auch neu denken“, sagt HSB-Chef Schulte. Von Christian Spindler 

Eine modellhafte Neuerung ist im Zuge der Nahverkehrsplans für Klein-Auheim und Großauheim vorgesehen. Dort sollen bald auch Kleinbusse verkehren, die Fahrgäste auf Abruf mitnehmen.

„Wir biegen auf die Zielgerade ein“, sagt Thomas Schulte, Geschäftsführer der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB). Er meint damit die monatelangen Vorarbeiten für den neuen Hanauer Nahverkehrsplan, der die Entwicklung der Stadtbuslinien bis 2022 beinhaltet. Noch ist das umfangreiche Werk, an dessen Textfassung derzeit gearbeitet wird, nicht öffentlich. In Infoterminen hinter verschlossenen Türen wurden bereits Grundzüge vorgestellt.

Der Plan trägt dem Wachstum Hanaus Rechnung. Neue Wohngebiete sollen an das Stadtbusnetz angebunden werden - etwa der Pioneer-Park in Wolfgang, wo sich in den nächsten Jahren 4 000 bis 5 000 Menschen ansiedeln werden. Er enthält aber auch ein für Hanau und die Region neues Modell: Die Einführung eines digitalen Rufbus-Angebots. Mit solch einem On-demand-Verkehr sollen nach Informationen unserer Zeitung Klein-Auheim und Großauheim verbunden werden. Im Gegenzug soll die Linie 6 zwischen den beiden Stadtteilen gekappt werden.

HSB-Chef Schulte bestätigt auf Anfrage solche Planungen. Grund: Die Nachfrage nach der Verbindung ist äußerst gering. Zudem, so heißt es in einem internen Papier, gebe es im Abschnitt zwischen Klein- und Großauheim eine „Verspätungsanfälligkeit durch den Bahnübergang“.

Es werde aber auf jeden Fall auch weiterhin die Verbindung der Linie 6 für den Schülerverkehr geben, so Schulte. In Zeiten, in denen es ansonsten kaum Nachfrage gibt, will man den Bus auf Abruf einsetzen.

Und so könnte das On-demand-System funktionieren: Der Kunde fordert via Smartphone-App oder Telefon den Bus an. Der „Kleinbus in Sprinter-Größe“ (Schulte) nimmt dann im Idealfall mehrere Kunden auf seiner Route auf und bringt sie ans gewünschte Ziel. Die Ruf-Kleinbusse sollen ohne festen Fahrplan und Linienweg „als Ergänzung zum Linienverkehr“, fahren, heißt es im Entwurf des Nahverkehrsplans. „Die Details sind aber noch völlig offen“, sagt der HSB-Chef. Die Verkehrsbetriebe wollen den Markt sondieren, unter anderem nach Anbietern für die erforderliche Software. Die On-demand-Lösung könnte der Einstieg in den „Verkehr der Zukunft“ sein, sagt Schulte. Es werde künftig noch viel mehr darauf ankommen, Bahn, Bus oder auch Fahrrad besser zu vernetzen.

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Bestandteil des Nahverkehrsplans ist auch eine neue Expresslinie, die unter dem Arbeitstitel „Linie 6A“ firmiert. Die soll den Hauptbahnhof mit dem Pioneer-Park und Wolfgang verbinden und mit der Entwicklung des Wohngebiets quasi mitwachsen.

Der Nahverkehrsplan soll nach den Beratungen voraussichtlich bis Jahresende in den politischen Gremien beschlossen werden. In den folgenden Monaten müssen die Fachleute die Änderungen dann in die Fahrpläne einarbeiten. Die Umsetzung soll laut Schulte zum Fahrplanwechsel im Sommer oder Winter 2019 erfolgen. Das On-demand-System für Klein-Auheim könnte auch erst danach kommen.

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