„Runder Tisch“ kritisiert Wohnungspolitik und Kaminsky

„Eines Sozialdemokraten nicht würdig“

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - Als widersprüchlich bezeichnet der „Runde Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen“ in Hanau eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt, die im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises erstellt wurde.

Darin heißt es auf den westlichen Teil des Kreises bezogen, „kleinere und preiswerte Mietwohnungen fehlen immer stärker“. Zudem habe es bei diesen Wohnungen „spürbare Preissteigerungen“ gegeben. Der „Runde Tisch“ nimmt dies als Bestätigung seiner Kritik an der Hanauer Wohnungspolitik. In Hanau, so die Studie, suchten 1087 Haushalte, die auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, eine bezahlbare Wohnung. Dies seien prozentual fünf Mal so viele wie in anderen Gemeinden des Kreises. Dennoch werde in einer Tabelle die Zusatznachfrage als „niedrig“ bezeichnet - nach Ansicht des „Runden Tisches“ eine Fehleinschätzung.

Der „Runde Tisch“, der sich aus Mitgliedern der Innenstadt-AG des Sozialforums, der Alternativen Linken Fraktion Hanau und der DKP zusammensetzt, kritisiert: „Nach wie vor werden in Hanau viele teure Eigentumswohnungen, aber kaum Mietwohnungen gebaut.“ Auch die Neubauten der städtischen Baugesellschaft an der Antoniterstraße und der Französischen Allee hätten nach der Fertigstellung Quadratmeterpreise, „die für Normalverdiener grenzwertig und für viele ärmere Menschen zu hoch sind“. Bei weiteren Zuzügen von Neubürgern, wie es Ziel der Hanauer Politik ist, entstehe ein Druck auf den Wohnungsmarkt, was die Preise nach oben treibe und dazu führe, dass Menschen mit geringen Einkommen es immer schwerer hätte, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Die von OB Claus Kaminsky (SPD) in einem Interview getätigte Aussage, es sei nicht Ziel der Hanauer Wohnungspolitik, zusätzlich Menschen nach Hanau zu holen, die auf staatliche Transfermittel angewiesen seien, wird vom „Runden Tisch“ als „menschenverachtend und eines Sozialdemokraten nicht würdig“ kritisiert. „Wohnen ist ein Menschenrecht. Hanauer, die Kindergeld, Elterngeld, Krankengeld, Rente, Bafög beziehen oder ihre Arbeit verloren haben, dürfen nicht als Menschen zweiter Klasse tituliert werden“, heißt es in der vom Linken-Politiker Jochen Dohn verbreiteten Erklärung. (cs)

Rubriklistenbild: © dpa

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