Saniertes Pferdekarussell

Ein Jahr längere Vorfreude...

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Zur Zeit ruhen die Arbeit am eingehausten Karussell im Staatspark Wilhelmsbad. Der Übergabetermin verzögert sich um knapp ein Jahr. Angepeilt wird dafür nun Mai/Juni 2015.

Hanau - „Dann dauert unsere Vorfreude eben ein wenig länger.“ Nicht tragisch findet es Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), dass sich die Übergabe des sanierten historischen Pferdekarussells im Staatspark Wilhelmsbad voraussichtlich um knapp ein Jahr verzögern wird. Von Dirk Iding 

Grund: Das Karussell soll sich nicht nur wieder drehen, es soll auch im regelmäßigen Fahrbetrieb Personen befördern. Dafür aber sind noch jede Menge Vorarbeiten zu leisten. In einer gemeinsamen Pressekonferenz im Hanauer Rathaus informierten gestern Dr. Karl Weber, Leiter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen, Karussell-Fördervereinsvorsitzender Stefan Bahn und OB Kaminsky über die Verzögerung. Ursprünglich sollte das sanierte Karussell, das weltweit einmalig ist, in diesem Sommer der Öffentlichkeit wieder übergeben werden. „Bautechnisch hätten wir es auch geschafft, ein Karussell einzuweihen, das sich dreht“, ist sich Karl Weber sicher. Doch ein nur sich drehendes Karussell reicht insbesondere dem engagierten, 1998 gegründeten Förderverein nicht, der laut Stefan Bahn mittlerweile mehr als eine Million Euro an Spenden und Zuschüssen, darunter rund 400 000 Euro von der Stadt Hanau, für die Karussell-Sanierung einwerben konnte. Bahn: „Unser Ziel war von Anfang an, dass die Menschen mit dem Karussell auch wieder fahren können.“

Doch was das an zusätzlichen Auflagen und Bedingungen bedeutet, haben die Verantwortlichen offenbar unterschätzt. Zumal mit dem Betrieb eines 234 Jahre alten Karussells „genehmigungstechnisches“ Neuland betreten wird. „Es gibt für ein solches Objekt eigentlich überhaupt gar keine passenden technischen Vorgaben“, hat Karl Weber festgestellt. So bedarf es wohl noch zahlreicher Gespräche mit Genehmigungsbehörden und dem TÜV bis es zur technischen Abnahme des historischen Karussells kommt. Vorgesehen ist ein Fahrbetrieb „zu besonderen Anlässen“, der vom Karussell-Förderverein organisiert wird. Ein Dauerbetrieb sei nicht geplant. Bahn: „Es soll auch künftig etwas Besonderes sein, wenn sich unser Karussell dreht.“

Geklärt ist hingegen weitgehend, wie man das Kleinod künftig gegen Vandalismus schützen will. Mehr als 20 Varianten dafür wurden nach Angaben von Stefan Bahn geprüft, inklusive einer ständigen Überbauung, was letztlich aus Denkmalschutzgründen verworfen wurde. „Schließlich gehört der Kuppelbau des Karussells zum Parkensemble“, sagt Karl Weber. Deshalb sollen die aufwendig restaurierten Pferde und Wagen künftig durch eine bruchsichere Glaswand geschützt werden, die hinter den äußeren Säulen des Karussells eingezogen wird. Auch Videoüberwachung und Alarmanlage werden zur Sicherung des weltweit einmaligen Bauwerks eingesetzt.

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Personenbeförderung und aufwendige Sicherung haben natürlich ihren Preis. Die ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten von 2,5 Millionen Euro sind bereits überschritten. „Ich hoffe, dass wir am Ende unter vier Millionen Euro bleiben werden“, meint Karl Weber. Auf zusätzliches Geld aus der Hanauer Stadtkasse kann der Direktor der staatlichen Schlösser- und Gärtenverwaltung dabei allerdings nicht hoffen. „Unser finanzielles Engagement in Sachen Karussell-Sanierung ist mit den rund 400.000 Euro erschöpft“, stellt Oberbürgermeister und Stadtkämmerer Kaminsky klar.

Umso mehr hofft Fördervereinsvorsitzender Stefan Bahn auf die ungebremste Spendenbereitschaft der Bürger. An reinen Spenden aus der Bürgerschaft und der heimischen Wirtschaft seien bislang rund 500.000 Euro eingegangen. „Das ist mehr als in Kassel an Spenden für die Sanierung des Herkules zusammengekommen ist“, ist Bahn stolz auf das Engagement der vielen Unterstützer.

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